Endlich waren sie da, die dreiwöchigen Sommerferien. Und mit ihnen der Moment, den ich monatelang vor dem inneren Auge herbeigesehnt hatte: Ich sass mit einem dreihundertseitigen Roman an einem See am Waldrand. Die Sonne schien, die Vögel zwitscherten, alles war perfekt. Doch nach jedem Satz schweiften meine Gedanken beim Lesen ab. Habe ich im Büro alles erledigt? Sind die benötigten Zertifikate aufs Smartphone geladen? Ist das Bügeleisen ausgesteckt? Würden die Pflanzen auf dem Balkon so lange ohne Wasser zurechtkommen?
Und wieso bin ich eigentlich nicht entspannt? Ich habe Ferien, dachte ich gleichzeitig und ärgerte mich darüber, was zu noch mehr Anspannung führte. Zu denken, alle Alltagssorgen wären mit dem Ferienbeginn auf einen Schlag verflogen, war wahrhaftig naiv. Aber die letzten Ferien waren bereits so lange passé, dass ich das vergass.
Doch je ausgedehnter die Wanderungen wurden, desto grösser wurde meine Entspannung. So dass ich passend zum Ablauf der dreiwöchigen Auszeit endlich das Gefühl hatte, welches ich mir für den ersten Ferientag vorgenommen hatte zu haben. Ich war entspannt, meine Festplatte war im Schlafmodus. Gut, dachte ich, besser spät als gar nicht. Und so nahm ich mir vor, nun halt mindestens in den kommenden drei Wochen entspannt zu bleiben und mich von nichts und niemandem stressen oder aus der Ruhe bringen zu lassen. Es hielt genau einen Tag lang an. Aber das war es wert. Und die nächsten Ferien kommen bestimmt.