Diese Ausstellung in seinem Atelier in Egerkingen ist auch für einen Christoph Aerni alles andere als alltäglich: Zu sehen ab kommendem Samstag sind nicht nur brandaktuelle Werke des Meisters, sondern auch Bilder aus dem bisherigen Schaffen seiner Tochter Rebecca. Klar, dass die Vorfreude bei beiden riesig ist.
Das Atelier von Christoph R. Aerni ist bereit für die Ausstellung der besonderen Art, die Bilder haben die beiden vor einiger Zeit schon gehängt und die Auswahl bereits im Sommer vorgenommen. «Ich war mehrfach bei Rebecca daheim, habe ihre Bilder angeschaut und hatte dabei schon klare Vorstellungen davon, welche meiner eigenen Bilder jeweils zu ihrem Werk passen würden», erklärt Aerni. Zu sehen sein werden ab übermorgen mehr als 70 Bilder, über die Hälfte davon von Rebecca Aerni. Während die 41-Jährige einen Überblick über ihr gesamtes bisheriges Schaffen in Öl und Acryl zeigt, sind von ihrem bekannten Vater ausschliesslich neue Bilder, mit Jahrgang 2021, zu sehen. Ein Rundgang durch sein Atelier belegt: Der Meister war äusserst kreativ in diesem Jahr.
Weil er relaxt ist, niemandem mehr etwas zu beweisen hat? Er zieht genüsslich an seiner Pfeife. «Ich hatte mal einen Lehrer, der mir sagte, solange Malen ein Dürfen sei, sei alles gut und die Arbeit fliesse. Aber wehe, wenn man malen müsse.» Scheint so, dass der 67-Jährige mit sich voll und ganz im Reinen ist.
Monet ist ihre Inspiration
Rebecca Aerni, wen wunderts bei diesen Genen, hat schon von Kindesbeinen an immer gezeichnet. «Mein Papi hat mir gezeigt, wie man Skizzen macht», erinnert sie sich. Und trotzdem hat sie, die doch so gerne Modedesignerin oder Tänzerin werden wollte, sich daheim anhören müssen, sie solle doch bitte erst einen normalen Beruf erlernen. Sie schüttelt den Kopf und sagt gespielt vorwurfsvoll: «Da hast du einen Künstler als Vater. Und der sagt, ich solle zuerst etwas Normales machen …». Also tat sie, wie geheissen, machte eine Lehre im Detailhandel und arbeitete später während dreier Jahre in einer Modeboutique in Zürich. Aber eben: Da war immer die Malerei in ihrem Kopf. Die Autodidaktin hat sich ganz dem impressionistischen Stil verschrieben, sie ist ein ganz grosser Fan von Monet. Als sie eine Ausstellung des berühmten Franzosen in Basel besuchte, hatte sie die ganze Zeit über Hühnerhaut, so sehr hatten die Werke Monets, sein figuratives, gegenständliches Schaffen, sie in ihren Bann gezogen. «Seine Bilder haben oft einen etwas süssen Touch. Aber ich liebe sie!»
Die Ratschläge ihres Mentors
Ungefähr mit dreissig, als sie Mutter wurde, hat Rebecca Aerni so richtig mit Malen begonnen und dies nicht mehr nur im Versteckten getan, wie zuvor. War da das Wissen um den berühmten Vater hinderlich? «Er ist mein Mentor», erwidert sie. Immer wieder habe er ihr gesagt, sie solle an sich und ihr Talent glauben. Noch heute macht sie ein Foto und zeigt ihm ihr aktuelles Bild, wenn sie mit ihrem Werk noch nicht hundertprozentig zufrieden ist. Oft kriegt sie zu hören: «Lass es genau so sein. Mach rein gar nichts mehr daran.» Klar, dass sie, die schon auf einige Ausstellungen zurückblicken kann, für solche Ratschläge aus berufenem Mund sehr dankbar ist.
Christoph Aerni erzählt, dass er Rebecca immer schon ermutigt habe zu malen, ihr gesagt habe, dass sie eines Tages ihr eigenes Atelier haben werde. Wenn er über seine Tochter spricht, wird schnell klar: Die kommende Ausstellung ist mitnichten eine Goodwill-Aktion für sein eigenes Kind. «Ich finde gut, was sie macht», sagt er. Er selber sei figurativ stark, zeichnerisch. «Aber Rebecca hat das bessere Farbgespür als ich.» Entsprechend lange hat er die Sache mit der gemeinsamen Ausstellung auch mit sich herumgetragen. «Natürlich bin ich stolz, das jetzt mit meiner Tochter machen zu dürfen», sagt er. Sie strahlt. «Malen macht mir einfach von Herzen Freude.»
www.ch-aerni.com
www.kunst-rebecca-aerni.com
Atelierausstellung Christoph R. und Rebecca A. Aerni an der Tschertligasse in Egerkingen am 13. und 14. sowie am 20. und 21. November, jeweils von 11 bis 18 Uhr.
Am Sonntag, 14. November, von 15 bis 16 Uhr, liest Robert Lerch aus seinem neuen Buch mit Illustrationen von Christoph R. Aerni. Musikalische Umrahmung: Ursula Bolliger und Franziska Schumacher. Es gelten die aktuellen BAG-Vorgaben.