Wenn einer sagt, Whisky sei sein Leben, mitsamt Weiterbildung, Verkauf und dem Genuss an sich, dann hat er vieles richtig gemacht, wenn sich auch in seinem Beruf alles um besagte Spirituose dreht. Beim Oensinger Roger Schneider ist dies zu hundert Prozent der Fall, verteilt sogar auf zwei Standbeine und auf zwei Etagen. Nach der unschönen Pandemiezeit will er nun wieder einen Gang höher schalten.
Angefangen hat alles mit «Roger’s Bar». Damals, im «Pöstli» in Oensingen, Ende der 90er-Jahre, kam die Kundschaft auf den Geschmack mit Roger Schneider als Gastgeber – und er auf den Geschmack mit Whisky. Seine Gäste baten ihn zu jener Zeit, doch mal einen guten Whisky ins Sortiment aufzunehmen – dies tat er auch. Und es blieb nicht bei einem. Längst ist das Getränk mit dem ganzen Drumherum der Herstellung, Abfüllung und Lagerung seine Passion geworden und hat er sich ein grosses Wissen angeeignet, mit dem er sich ein zweites Standbein nebst dem Betrieb der Bar aufgebaut hat.
2008 hatte Schneider genug und legte eine schöpferische Pause ein. «Ich brauchte ganz einfach Abstand», sagt er heute. Bis er die Chance sah, in den ehemaligen Lokalitäten eines Radio/TV-Geschäfts in Oensingen seine Zelte aufzuschlagen. «Ich habe mir den Raum angeschaut und wusste gleich: Hier könnte es was werden», erinnert er sich. Seit sechs Jahren führt er hier «Roger’s Lounge», ein Stockwerk tiefer lädt «Roger’s Whisky House» zur Degustation ein, dort betreibt er den Verkauf von Whisky und Spirituosen.
400 verschiedene Sorten
Er habe klein angefangen und sei stetig gewachsen, sagt der 61-Jährige. Die Kenntnisse in Sachen Whisky hat er sich im Selbststudium angeeignet, mit Literatur auf Papier und aus dem Netz. In seinem «Whisky House» lagert er 400 verschiedene Sorten aus der ganzen Welt. Whiskygeniesser und -geniesserinnen wissen, dass sie bei Roger Schneider professionell und fair beraten werden. «Und dass ich schon auch mal eine Rarität für sie im Keller stehen habe», bemerkt er und lächelt verschmitzt. Da hat einer sichtlich Spass an dem, was er tut. Diverse Zertifikate an den Wänden belegen das erworbene Wissen, dass er seit Jahren im WhiskyGuide drin stehe, sei schlicht ein Gütesiegel, hält er fest. Eine Begebenheit allerdings wie vor Jahren, als ein Käufer sein Lokal betrat und gleich im Wert von mehreren tausend Franken einkaufte, ist doch eher selten.
Die Konkurrenz ist gross
Eine harte Konkurrenz für sein Geschäft sind die Internetshops geworden. Er kontert dann jeweils mit der – wahren – Anekdote, bei welcher die Tochter ihrer Mutter folgendes gesagt hat: «Zu Roger’s musst du hin, Mami, da ist das Einkaufen ein Erlebnis!» Ganz einfach, weil er zu jeder Flasche etwas zu erzählen wisse, fügt er an.
Roger Schneider zeigt eine Flasche Single Malt, aus dem Fass. «Den konnte man vor kurzem auch im Lidl kaufen, und zwar zu einem Preis, der mir die Tränen in die Augen getrieben hat», sagt er. Die hätten halt die Möglichkeit, den Whisky gleich fassweise einzukaufen und ihn dann entsprechend preiswert zu verkaufen. Längst konzentriert er sich beim Einkauf auf Einfassabfüllungen, das sind dann jeweils 300 bis 400 Flaschen pro Fass. «Entsprechend rasch muss man da zuschlagen, um auf dem Markt noch was ergattern zu können», erzählt er.
«Whisky ist mein Leben», sagt er, will heissen: Sich weiterbilden, verkaufen und nicht zuletzt auch selber geniessen. Deshalb kann er sich gut vorstellen, mit 65 nur die Lounge abzugeben, sein «Whisky House» aber weiterzuführen. Bereits ist er nach der Pandemie wieder im Angriffsmodus, möchte wieder etwas Ähnliches wie Whisky & Dine auf die Beine stellen, wie er das auch schon mit viel Erfolg zuvor gemacht hat.
Seine Lokalitäten hat Roger Schneider jeweils von Dienstag bis Samstag geöffnet, und zwar nachmittags von 13 bis 17 Uhr «Roger’s Whisky House», danach öffnet er eine Etage höher, in «Roger’s Lounge».
Jubi-Fäscht «Roger’s Lounge» und «Roger’s Whisky House»: Samstag, 26. März, ab 20 Uhr. Mit «SchwiizerMix».
