Ein Ehepaar am Stubentisch.
Er: Was liest du so lange in der Zeitung?
Sie: Da ist ein interessanter Artikel über die Europawahl von dieser Woche.
Er: Was kümmert uns Europa? Wir sind eigenständig und dort nicht dabei. Also betrifft es uns nicht.
Sie: Liest du nur, was dich selber betrifft? Und was ist mit all den Skandal- Stories über diesen Trömp?
Er: Das ist etwas anderes. Wenn der nochmals US-Präsident ist, kümmert das die ganze Welt. Auch uns.
Sie: Aber der hat doch mal gesagt, Europa müsse für sich schauen.
Er: Ja, Europa für sich, und wir Schweizer für uns. Und weder für Amerika noch für Europa.
Sie: Aber genau das ist hier beschrieben. Was es heissen könnte, wenn immer mehr Leute in diesem EU-Parlament sitzen, die so denken und primär für sich und für ihr eigenes Land schauen.
Er: Dann sollen die sich auch nicht in dieses Parlament wählen lassen. Man kann ja nicht gegen das Prinzip der EU sein und trotzdem mitmachen, und vor allem davon profitieren wie dieser Ungare.
Sie: Auch davon handelt dieser Artikel. Und hier steht auch, je nachdem, wer gewählt wird, wechseln die wichtigsten Köpfe. Und dann müssen Herr Cassis und seine Truppe mit den Verhandlungen wieder von vorne beginnen.
Er: Auf eine Verhandlungsrunde mehr oder weniger kommt es nicht an … Im Fussball sagt man dem übrigens auf Zeit spielen.
Sie: Die Verträge mit der EU sind aber kein Spiel.
Er: Apropos Spiel … Bist du nun endlich fertig? Ich möchte das Sudoku machen.
Der Autor ertappt sich immer mehr dabei, dass er bei der morgendlichen Zeitungslektüre zugunsten der stimmungsmässigen Befindlichkeit die Rätselseite der politischen Berichterstattung vorzieht.
