Freie Bühne Olten / Anzeiger Thal Gäu Olten
Von links: Stefanie Meyer, Ferenc Lanz, Emilie Käser, Simon Hauser und Gawril Frauchiger von der Freien Bühne Olten bei einer Probe im Saal des Alters- und Pflegeheims Ruttigen. Aufgeführt wird das Stück ab 20. März in der Schützi.

Ein Stück mit Tiefgang und Humor

Die Freie Bühne Olten tritt ab 20. März sechsmal in der Schützi auf

Der Theaterverein Freie Bühne Olten führt ab dem 20. März die metaphysische Komödie «Hotel zu den zwei Welten» des französischen Autors Eric-Emmanuel Schmitt auf. Für die sechs Aufführungen in der Schützi Olten ist das zwölfköpfige Ensemble seit November intensiv am Proben.

«Mich fasziniert an diesem Stoff die philosophische Auseinandersetzung mit dem Tod», erklärt Vorstandsmitglied und Mitspielerin Viviane Lanter. Das Stück, das die Freie Bühne Olten in einer berndeutschen Mundartfassung spielt, wurde von der Schauspielerin Stefanie Meyer übersetzt, auch sie ist Mitglied des Vereinsvorstandes. Die Regie führt der selbstständige Bühnenregisseur Alex Truffer, der bereits für ein Projekt im Jahr 2020 engagiert gewesen wäre, das aber aufgrund der Pandemie abgesagt werden musste. Truffer realisierte 2016 das Stück «Dä nid weis, was Liebi heisst» mit dem Heimatschutztheater Olten, wie sich die Freie Bühne Olten damals noch nannte. Im aktuellen Stück geht es um fünf Menschen, die sich alle in der Ankunftshalle eines Hotels finden, deren Körper aber bewusstlos irgendwo in einem Krankenhaus im Koma liegen. In diesem Zwischenbereich warten sie darauf, dass sich ihr Schicksal entscheidet. Entweder fahren sie nach ihrem Aufenthalt mit dem Lift nach unten und leben weiter – oder aber der Lift bringt sie nach oben, in den Tod. Diese grossen Menschheitsfragen um Leben und Tod werden mit viel Tiefgang, Humor und Poesie von der Freien Bühne Olten inszeniert.

Vom Stück auf Anhieb begeistert
2020 hat sich das ehemalige Heimatschutztheater Olten neu ausgerichtet und nennt sich seither Freie Bühne Olten. «Mit diesem Neuanfang wollten wir wegkommen vom ursprünglichen Heimatschutz-Gedanken, uns öffnen für andere Projekte und dadurch auch freier werden in der Stückwahl», beschreibt Viviane Lanter die Gründe des Wechsels. 2022 führte das Ensemble erstmals in der neuen Form und unter neuem Namen erfolgreich das Stück «Ausser Kontrolle » von Ray Cooney auf. Die sechs Aufführungen – früher waren es jeweils drei – wurden in der Schützi und nicht mehr wie üblich im Stadttheater Olten aufgeführt. «Das hat einerseits finanzielle Gründe, die Schützi ist einiges günstiger, was bei sechs Aufführungen einen grossen Betrag ausmacht», führt die Primarlehrerin aus, «andererseits passt die Schützi auch besser zur Idee der freien Bühne, es ist einfach ein cooler Ort». Das aktuelle Stück habe man vor zwei Jahren an einer Aufführung der Laienbühne Pratteln gesehen und sei sofort begeistert gewesen, beschreibt sie den Findungsprozess.

Monatliches Theatertreffen
Die Freie Bühne Olten führt aber nicht nur regelmässig Stücke auf, sondern bietet auch monatlich einTheatertreffen an. «An diesen Abenden, die jeweils von Mitgliedern des Vereins geleitet werden, sollen sich interessierte Leute unverbindlich dem Theaterspielen, Improvisieren und anderen Themen rund um Theater widmen können», erklärt die 26-Jährige den Sinn der Treffen, die im Moment wegen der Proben und Aufführungen pausieren. Man wolle damit auch jüngere Leute ansprechen, ohne dass sie sich gleich voll in einem Verein engagieren müssten. «Wir haben allerdings dank unserer Treffen sogar für das aktuelle Stück neue Mitglieder generieren können», sagt dieTheaterbegeisterte. Viviane Lanter wurde bereits an der Kanti Olten mit dem «Theatervirus » angesteckt, sie spielte beim dortigen «Theater Phare» mit und adaptierte als Maturaarbeit Patrick Süskinds Roman «Die Taube» zu einem Monotheaterstück.

In bester Familientradition
Auch Emilie Käser, deren Mutter und Grossvater bereits beim Heimatschutztheater Olten mitgewirkt haben, war «hin und weg», als sie das Skript des aktuellen Stückes las. «Mich reizt der Wechsel zwischen Zuversicht und Zweifel, meine taffe Figur Laura erlebt eine Wende im Stück und es kommt auch ihre Verletzlichkeit zum Vorschein», erklärt die Tanzpädagogin ihre Faszination für das Stück. In ihrer Rolle als Laura sei sie fröhlich und positiv trotz schwerer Krankheit, sie sei ein Bewegungsmensch. «Ich sehe durchaus Parallelen zu meinem realen Wesen, allerdings möchte ich auch so mutig sein wie meine Figur», gesteht die 29-Jährige mit einem Lachen. Emilie Käser hat schon viel Erfahrung in Sachen Theater, stand sie doch schon als Kind zusammen mit ihrer Mutter auf der Bühne des Heimatschutztheaters. «Das aktuelle Stück hat Tiefgang und behandelt eine schwere Thematik, ohne aber eine gewisse Leichtigkeit zu verlieren», beschreibt sie die «metaphysische Komödie» von Autor Eric-Emmanuel Schmitt, die trotz des ernsten Themas durchaus auch Humor in sich trägt.

Frischer Wind dank den Jungen
Vorstandsmitglied Italo Campigotto sieht den mit dem Namenwechsel einhergehenden Wandel ebenfalls sehr positiv: «Die Öffnung zu moderneren Stücken ist sicher gut und der Umstand, dass nach wie vor in schweizerdeutsch gespielt wird, finde ich gut». Die Stücke kämen genauso gut herüber wie in hochdeutsch gespielt. Einen kleinen Nachteil bei den neuzeitlichen Stücken sieht der 69-Jährige darin, dass man bei den alten Klassikern mehr Sprechrollen hatte und somit auch mehr Leute aus dem Verein mitspielen konnten.

Auch Heidi Spring, die seit 1998 dabei ist und 13 Jahre im Vorstand war, sieht den Umschwung im Verein als gute Entwicklung an: «Es ist gut, dass die Jungen frischen Wind in den Verein bringen, uns Ältere aber miteinbeziehen und auch nachfragen.» Eigentlich wollte sie wegen Stimmproblemen nicht mehr auf die Bühne, aber als sie die stumme Rolle eines Engels sah, reizte es sie doch, wieder mitzutun. Heidi Spring, die als Souffleuse im Verein begann, sieht sich heute als «Mädchen für alles» im Hintergrund. Man müsse den Jungen Platz machen, im Pensionsalter habe man andere Prioritäten und man müsse anders mit Zeit und Energie umgehen. «Es hat diesen Wechsel gebraucht und die Jungen in unseren Reihen machen das wunderbar», betont die erfahreneTheaterfrau.

Infos/Vorverkauf: www.freiebuehneolten.ch

Text & Bild: ALA