Hochwasserschutzprojekt «Lebensraum Dünnern Oensingen bis Olten" / Anzeiger Thal Gäu Olten
Sie stellten das Grossprojekt in der Äusseren Klus in Oensingen vor (von links): Natascha Eisenhut, Projektleiterin 1. Etappe, Regierungsrätin und Baudirektorin Sandra Kolly sowie Gabriel Zenklusen, Chef Amt für Umwelt.

«Es kommt günstiger, jetzt etwas zu tun»

Das Hochwasserschutzprojekt «Lebensraum Dünnern Oensingen bis Olten» soll Schutz bieten und aufwerten

Das Hochwasserschutzprojekt «Lebensraum Dünnern Oensingen bis Olten» soll das Gäu und seine Bevölkerung vor schweren Hochwasserereignissen schützen und den Lebensraum der Dünnern aufwerten. Frau Landammann und Baudirektorin Sandra Kolly, Gabriel Zenklusen (Chef Amt für Umwelt) und Natascha Eisenhut (Projektleiterin 1. Etappe) stellten das Vorhaben vor Wochenfrist vor Ort, an der Dünnern in Oensingen, vor.

Wie Baudirektorin Sandra Kolly betonte, fahre man mit Blick auf das mögliche Schadensausmass von bis zu einer halben Milliarde Franken bei einem schweren Hochwasserereignis mit diesem Projekt definitiv besser, als einfach nichts zu tun. Auch wenn die Bezirke Gäu und Olten in den letzten 80 Jahren von Hochwasserereignissen der Dünnern verschont blieben, ist mit solchen stets zu rechnen. Dies zeigten die heftigen Regenfälle im Sommer 2024, die schweizweit zu enormen Schäden führten. Im Kanton Solothurn entstanden dabei nur geringe Schäden, da hier die Regenmengen deutlich geringer waren als in den betroffenen Gebieten wie etwa in den Alpenregionen.

Nun soll der Schutz entlang der Dünnern zwischen Oensingen und der Mündung in die Aare verbessert werden. Denn die in diesem Gebiet intensive Bevölkerungsund Siedlungsentwicklung der vergangenen Jahrzehnte hat das potenzielle Schadensausmass deutlich erhöht. Studien berechnen heute für ein Jahrhunderthochwasser zwischen Oensingen und Olten Schäden in der Höhe von über einer halben Milliarde Franken. Diese Summe übersteigt die Kosten für ein Hochwasserschutzprojekt bei weitem. «Diese Schutzmassnahmen sind zwingend nötig, wir dürfen keine Zeit mehr verlieren», sagte die Regierungsrätin vor den Medien. Ein grosses Hochwasserereignis sei in Zukunft auch im Kanton Solothurn «sehr wahrscheinlich».

Hochwasserschutzprojekt «Lebensraum Dünnern Oensingen bis Olten" / Anzeiger Thal Gäu Olten
Ein Hochwasserschutzprojekt soll im Gäu den Lebensraum der Dünnern aufwerten.


Prozess im Dialog mit den Beteiligten
Seit 2016 laufen deshalb partizipative Planungen für den künftigen Hochwasserschutz und die Aufwertung des 19 Kilometer langen Abschnitts der Dünnern zwischen Oensingen und Olten. Das nun vorliegende Wasserbauprojekt vereint Lösungen für mehrere dringende Anliegen: Verbesserter Hochwasserschutz, natürlichere Gestaltung, Hotspots für Erholung und Natur sowie eine möglichst geringe Beanspruchung von Landwirtschaftsland.

Die Variante «Ausbauen und Aufwerten» wurde in einem langjährigen Prozess und im engen Dialog mit den Gemeinden, der Landwirtschaft und den Umweltverbänden als Bestvariante evaluiert. Diese wurde im Rahmen der Richtplananpassungen 2022 festgesetzt. Sie sieht vor, das Gerinne der Dünnern wo möglich zu verbreitern, Uferböschungen abzuflachen und die Ufer zu erhöhen. Zudem müssen Brücken angepasst oder erneuert werden. Diese Massnahmen erhöhen die Abflusskapazität gegenüber dem heutigen Zustand und bringen so mehr Sicherheit sowie einen Gewinn für die Natur als auch die Erholung.

Hochwasserschutzprojekt «Lebensraum Dünnern Oensingen bis Olten" / Anzeiger Thal Gäu Olten
Beispiel eines künftigen Profils in der Landwirtschaftszone.


In sieben Etappen aufgeteilt
Das Projekt ist in sieben Etappen aufgeteilt, wobei die Stadt Olten beim untersten Teil auf dem Stadtgebiet ein eigenes Projekt ausarbeitet, da der Stadtrat die vorgesehene Variante als nicht vereinbar sah mit dem Ortsbild. «Wir stehen in stetem Kontakt mit Olten und werden diese Etappe entsprechend anpassen», sagte Gabriel Zenklusen, Chef Amt für Umwelt. Gestartet werden soll das Projekt aber in Oensingen beim Hotspot «Äussere Klus», diese erste Etappe steht unter der Leitung von Natascha Eisenhut. Hier solle ein hochwertiger Erholungsort für die Bevölkerung entstehen, wie die Projektleiterin vor Ort erklärte. Dafür soll das Bett der Dünnern stark verbeitert werden, so dass ein einladender Ort zum Baden, Laufen und Verweilen entsteht. «Es wird nicht gerade ein See, aber es geht schon in diese Richtung», stellte Zenklusen in Aussicht. Diese erste Etappe wird frühestens ab 2028 in Angriff genommen.

Investitionen von 200 Mio. Franken
Für dieses Hochwasserschutzprojekt «Lebensraum Dünnern Oensingen bis Olten » hat der Regierungsrat am 14. Januar einen Verpflichtungskredit genehmigt. Die Investitionskosten belaufen sich auf 200 Mio. Franken. Hiervon werden 10 Mio. Franken von Dritten getragen. Die restlichen Kosten werden zu 35 Prozent vom Bund, 55 Prozent vom Kanton und 10 Prozent von den betroffenen Gemeinden übernommen. Die Volksabstimmung über den Verpflichtungskredit ist im September dieses Jahres geplant.

Parallel zum Verpflichtungskreditverfahren läuft die Ausschreibung für die Vergabe der Projektierungsarbeiten der ersten Etappe in Oensingen. Diese Vergabe ist im Frühsommer dieses Jahres geplant. Im Idealfall nimmt die Umsetzungsdauer für die gesamten 19 Kilometer rund 15 bis 20 Jahre in Anspruch.

Projektinfos: duennern.so.ch

Text & Bild: ALA