Die Gäuer Spielleute bereichern die Region seit vielen Jahren mit ihren Theaterstücken, die stets einen regionalen Bezug haben. Nach dem Allerheiligenberg widmen sie sich nun der bewegten Geschichte der Mümliswiler Kammfabrik. Das Freilichttheater «WillKammen in Mümliswil – eine haarige Fabrikgeschichte» wird im Spätsommer vor der Schälismühle in Oberbuchsiten aufgeführt. Am nächsten Montag beginnen die Proben.
Autor und Regisseur Christoph Schwager recherchierte die historischen Fakten, ergänzte kreativ, was nicht nachzulesen war und verpackte das Ganze in eine humorvolle, feinsinnige, berührende und ohne Zweifel sehr unterhaltsame Geschichte. Im Zentrum stehen das Leben und Wirken der Menschen, die die Firmengeschichte prägten. Angefangen mit Durssepp Walter, der sich als armer Bauernsohn selbst lesen und schreiben beibrachte, eine Lehre als Kammmacher absolvierte und mit viel Enthusiasmus 1792 die Firma gründete. Dann weiter mit seinen Erben, aber auch mit den Arbeiterinnen, Arbeitern, Kundinnen und Kunden. Es ist kaum zu glauben, doch die Guldentaler Kämme erlangten internationale Bekanntheit. Zur Kundschaft gehörten unter anderen der spanische und der englische Königshof. Leider ging die Firma 1990 – kurz vor dem 200-jährigen Bestehen – in Konkurs.
In diesen 200 Jahren erlebte der Familienbetrieb, der sich zum Unternehmen mit 240 Angestellten mauserte, einige Höhen und Tiefen. Die wohl düsterste Episode der Kammi war die Explosionskatastrophe von 1915, bei der 32 Menschen ihr Leben verloren und das Fabrikgebäude bis auf die Grundmauern niederbrannte.
Einige spielen bis zu vier Rollen
Das Stück wird eine lange Zeitspanne zeigen, daher galt es sage und schreibe 57 Rollen zu besetzen. Dies führte dazu, dass einige der 23 Schauspielerinnen und Schauspieler bis zu vier Rollen zugeteilt bekamen. Das wird ihnen und dem Backstage- Team einiges abverlangen. Eine weitere Herausforderung für die Darstellerinnen und Darsteller werden die choreografierten Bewegungselemente sein. Um die Beschäftigung der Arbeitenden der Kammfabrik auf kunstvolle Art zu zeigen, wurde zum vierten Mal Yvonne Barthel engagiert. In «Die Stauffacherin» (2009) stellte die Tänzerin den Tod dar und startete ihre Choreo-Laufbahn. Bei den Projekten «illusio HUMANA» und «Einsteins Frauen» arbeitete sie ebenfalls intensiv mit den Gäuer Spielleuten und zeigte, dass auch Laien es schaffen, mit Bewegung und Tanz zu berühren.

Bis Juni wird in Fulenbach geprobt
Yvonne Barthel hat die Zürich Tanz- Theater-Schule und die StageArt Musical & Theater School absolviert. Sie hat in zwei renommierten New Yorker Tanzschulen und in Rom trainiert. Nebst Engagements auf der Showbühne war sie in diversen Musical- und Theaterproduktion tätig. Barthel ist Mitglied der Vintage Jazz Dancecompany «Sophisticated Rascals» und tanzt als Solo- und Ensembletänzerin bei der «Rojahn Academy of Irish Dance». Als Choreographin arbeitet sie grösstenteils mit Jugendlichen und inszenierte bereits Musicals wie Cats oder West Side Story.
Für die ersten Abendproben treffen sich die 23 Mitwirkenden im Pfarreisaal in Fulenbach. Spätestens ab Juni soll aber vor der Schälismühle geprobt werden. Bis zur Premiere vom 15. August stehen rund 40 Proben auf dem Programm, daneben müssen der Text geübt und die Choreografien trainiert werden. Es wird eine intensive Zeit, aber sicher wird sich diese Mühe lohnen.