Noël Rötheli / Anzeiger Thal Gäu Olten
Hier hat alles begonnen: Noël Rötheli posiert für den Anzeiger TGO im Oltner Stadion Kleinholz.

Er hat Eishockey tief in seinen Genen

Der Hägendörfer Noël Rötheli ist auf dem Weg zu einer Sportlerkarriere in Davos

Schon als vier Wochen altes Baby war Noël Rötheli dort, wo später vieles seinen Lauf nehmen sollte: im Kleinholz in Olten. Eingepackt in eine Decke, auf dem Arm der Eltern, mitten im Geruch von Eis und Stadionluft. Die Eltern – vor allem auch der Vater Bruno Nussbaumer – waren und sind begeisterte Eishockeyfans und verbrachten viel Zeit in der Eishalle.

Noël Rötheli kam früh mit dieser Welt in Berührung – lange bevor er selbst Schlittschuhe trug. «Wir waren sehr oft in der Eishalle», erinnert sich seine Mutter Barbara Rötheli lachend, «er war schon in meinem Bauch mit dabei im Kleinholz». Für den seit Kurzem 17-Jährigen war das selbstverständlich. «Ich bin damit aufgewachsen. Für mich war das normal», sagt er heute.

Der EHC Olten stand am Anfang
Auch die viereinhalb Jahre ältere Schwester Nina-Sophia spielte Eishockey, begann ebenfalls beim EHC Olten und schaffte es im Nachwuchs bis in die Schweizer Juniorinnen-Nationalmannschaft. Für den Bruder war sie ein wichtiges Vorbild. «Ich bin oft mit ihr mitgegangen », erzählt er. «Ich habe zugeschaut und gelernt.» Das Verhältnis zwischen den Geschwistern ist bis heute eng.

Die Karriere des Hägendörfers begann dann auch beim EHC Olten. Schon früh fiel er auf – nicht zuletzt dank Trainer Wolfgang Haldi. Er ermöglichte ihm bereits in jungen Jahren Einsätze über die eigene Altersstufe hinaus. «Ich durfte schon mit neun Jahren bei der U13 mitspielen », erzählt Rötheli. «Das hat extrem viel gebracht.» Das Tempo war höher, die Intensität grösser, die Anforderungen anspruchsvoller. Diese frühe Förderung erwies sich als prägend für seine weitere Entwicklung. Eine Entwicklung, von der übrigens auch Namensvetter André Rötheli stets überzeugt war. Der ehemalige Hockeycrack, ebenfalls Hägendörfer, aber mit Noël nicht verwandt, habe das Potenzial des Jungen früh erkannt, man sei natürlich in engem Kontakt und Austausch mit ihm, erzählt Barbara Rötheli.

Weg zur Selbstständigkeit führte über den EHC Basel
Der Wechsel zum EHC Basel war der nächste logische Schritt. Nicht aus sportlicher Unzufriedenheit, sondern aus strukturellen Gründen: In Olten gab es für ihn keine höhere Elite-Stufe mehr. «Ich wollte weiterhin auf dem höchstmöglichen Niveau spielen», begründet Rötheli den Wechsel. In Basel fand er diese Möglichkeit. Gleichzeitig konnte er dort auch zur Schule gehen, lebte aber weiterhin zuhause. Der tägliche Weg von Hägendorf nach Basel und zurück wurde zu einem ersten Schritt in Richtung Selbstständigkeit – ein ungewohnter Aufwand in diesem Alter. Sportlich sammelte er viele Punkte, gewann an Selbstvertrauen und lernte, Leistungssport und Schule miteinander zu verbinden. «Basel war der Einstieg in die Professionalisierung – auch mental», sagt er rückblickend.

Wunschklub HC Davos
Auch in Basel war der Weg nach oben begrenzt. Ein U17-Elite-Team fehlte. Davos hingegen bietet eine durchgehende Ausbildung von der U16 bis zur U21. Für Rötheli war das entscheidend – zumal der HC Davos schon immer sein Wunschklub war. Im Sommer 2024 zog er mit 15 Jahren ins Bündnerland. «Am Anfang war es schwierig, es war halt ein frühes Ausziehen von Zuhause», sagt er offen. Neues Umfeld, neue Schule, neuer Klub. «Zuerst war alles spannend, dann kam ab und zu das Heimweh. Aber wir sind hier sehr gut betreut.»

Heute lebt Noël Rötheli nur unweit vom Stadion entfernt im Herbert Batliner Haus, der Wohn- und Ausbildungsstätte für Nachwuchsspieler auf dem HCDCampus. Rund 20 junge Spieler wohnen dort – alle Eishockeyspieler. Der Alltag ist klar strukturiert: gemeinsames Frühstück, Schule am Sportgymnasium, nachmittags Training mit Warm-up, Eiszeiten und Athletik. Freizeit bleibt wenig. «Man lebt hier Eishockey voll und ganz», sagt er. Auch Alltägliches gehört dazu. «Man muss alles selbst machen – auch Wäsche waschen.»

Was er vermisst, ist die Familie. «Am Abend einfach zuhause sein, zusammen essen oder vor dem Fernseher sitzen.» Gleichzeitig hat er sich in Davos aber auch ein gutes Umfeld aufgebaut. Viele Teamkollegen leben im selben Haus, einige kennt Rötheli bereits aus Basler Zeiten.

Sportlich zahlt sich der Schritt aus. Er spielt in der U18-Elite, seit letztem Herbst bestreitet er immer öfter auch Spiele mit der U21-Elite und gehört zum Kader der Schweizer U17-Nationalmannschaft. «Es ist immer eine Ehre, für die Schweiz aufzulaufen», sagt er. Internationale Turniere hätten ihm gezeigt, wo der Schweizer Nachwuchs steht. «Andere Nationen sind oft körperlich überlegen, aber man kann sich messen und dazulernen.»

Noël Rötheli / Anzeiger Thal Gäu Olten
Noël Rötheli tritt auch für die Schweizer U17-Nationalmannschaft an.


Die Familie als wichtiger Rückhalt
Hinter dieser Entwicklung steht eine Familie, die viel investiert – finanziell, zeitlich und emotional. «Ohne Rückhalt der Familie ist es kaum möglich, sich auf diesem Niveau zu halten», sagt Barbara Rötheli. Die Kosten für Ausrüstung, Reisen, Schule und Einsätze mit der Nationalmannschaft tragen die Eltern zu einem grossen Teil – vor allem zu Beginn – selbst. «Wir sind Unterstützer, Begleiter, Mentalcoach und grösste Fans zugleich.» Die Familie versucht, möglichst bei jedem Spiel dabei zu sein. «Im besten Fall gehen wir alle zusammen», sagt die Mutter. Ferien hingegen seien selten geworden. Klassische Familienferien liegen Jahre zurück. Ein Fixpunkt ist eine kurze Auszeit im Frühling: Dann reist Noël mit seinem Vater und befreundeten Davoser Vater-Sohn-Gespannen an die Sonne. «Das tut ihm gut, bevor das Sommertraining beginnt.»

Der Fokus der Familie liegt seit Jahren klar auf dem Sport. Soziale Kontakte ausserhalb der Hockeywelt seien schwieriger geworden. «Aber wir haben unglaublich tolle Menschen kennengelernt – in Basel und jetzt auch in Davos. Gemeinsam auf den Tribünen zu stehen, verbindet.»

Gezögert hätten sie nie, diesen Weg mitzugehen. «Wer A sagt, muss auch B sagen», sagt Barbara Rötheli. Talent sei nie das entscheidende Wort gewesen. «Wichtig war immer, dass Noël Freude hat und bereit ist, hart zu arbeiten.» Das sieht auch er selbst so. «Ohne Fleiss geht nichts. Ich weiss, dass ich jeden Tag alles investieren muss.»

Ziel ist eine Profikarriere
Seine Zukunftsaussichten sind klar: der Sprung in den Profibereich. Ein Ziel wäre es, sich bald auch in der ersten Mannschaft des HC Davos durchzusetzen oder den Schritt ins Ausland machen zu können. Gleichzeitig bleibt die Schule wichtig. «Die Matura ist mein Plan B», begründet er die Wichtigkeit, das Sportgymnasium besuchen zu können.

Dass dieser Weg mit viel Verzicht verbunden ist, weiss die ganze Familie. «Wir leben Eishockey», sagen die Eltern Barbara Rötheli und Bruno Nussbaumer. «Und wir sind stolz auf ihn – nicht nur als Spieler, sondern als Mensch.»

Text & Bild: ALA