Mit spitzer Feder

Norbert Eggenschwiler

Unlängst habe ich erfahren, dass selbst in Galizien der Anzeiger Thal Gäu Olten gelesen wird. Das hat mich gefreut. Apropos Galizien oder eben Galicia Bar in Olten: Ich komme nochmals auf das Wandbild zurück, das unlängst an der Fassade dort ausgeführt wurde.

Wandmalereien sind ein altes Thema der Menschheit. Auf der Insel Muna in Indonesien fand man die ältesten Spuren des Homo Sapiens. Hände, die negativ mit Pigmentfarbe an die Höhlenwand gemalt wurden. Vor 67 800 Jahren! Zuerst waren es Hände, dann weiteten sich die Bilder aus, bis es in jüngerer Steinzeit ganze Jagdszenen waren, die so festgehalten wurden. Wenn man die Entwicklung verfolgt und sich die Sixtinische Kapelle in Rom vor Augen hält: Ein grandioses Werk des Bildhauers Michelangelo. Es war immer ein Bedürfnis des Menschen, sich auf grosser Fläche zu äussern. Seine Umgebung zu gestalten. Harald Nägeli aus Zürich war einer der ersten Sprayer, er landete sogar im Gefängnis, weil er überall seine mittlerweile bekannten Strichmänner auf Mauern sprayte.

In Aedermannsdorf wurde der Landstrasse entlang eine grosse, lange Betonmauer gebaut. Sie steht da, wie ein Bollwerk gegen Herbetswil – oder gegen die Franzosen, die vielleicht wieder einmal kommen könnten. Wie wäre es nun, wenn man diese Fläche bespielen würde? Ein Kunstprojekt einer Schule aus dem Naturpark? Eine qualitativ ansprechende Arbeit, die der Region entspricht, bevor irgendein urbaner Spraytourist des Nachts seine Spuren hinterlässt.