Kuno Schaub aus Neuendorf und Isidor von Arx aus Egerkingen sind Anfang Dezember in Paris vom Aéro- Club de France ausgezeichnet worden. Der traditionsreiche Luftfahrtverband verlieh den beiden Gäuer Flugzeugbauern einen Preis für ihren originalgetreuen Nachbau französischer Jagdflugzeuge aus dem Ersten Weltkrieg. Für Schaub und von Arx ist die Auszeichnung mehr als eine formelle Anerkennung – sie markiert den vorläufigen Höhepunkt eines Projekts, das sie seit mehr als zwei Jahrzehnten begleitet.
Begonnen hat alles lange vor der Preisverleihung, lange vor einem ersten Flug und Bauprojekten: Beide Männer verbindet seit Kindheit eine frühe Faszination für die Fliegerei, auch wenn ihre Wege zunächst unterschiedlich verliefen.
Schicksalsschlag als Auslöser
Kuno Schaub baute schon als Bub Modellflugzeuge, das Fliegen liess ihn nicht mehr los. Erste Erfahrungen sammelte er beim Deltafliegen, hörte jedoch aus Rücksicht auf die Familie wieder auf. Nach dem Tod seiner ersten Frau suchte er bewusst eine neue geistige Herausforderung. «Ich musste etwas machen, um nicht zu entgleisen im Leben», sagt Schaub rückblickend. 1999 machte er schliesslich das Flugbrevet.
Grosse Erfolge im Kunstflug
Auch Isidor von Arx war schon früh vom Fliegen fasziniert. In seiner Familie gab es sogar einen fliegenden Vorfahren: Ein Pfarrer namens Isidor, tätig in Breitenbach und Beromünster, verunglückte 1965 mit seinem Segelflugzeug tragisch infolge eines Herzinfarkts. Zu seinen Ehren trägt auch Isidor von Arx diesen Vornamen. Für ihn selbst war der Weg in die Fliegerei zunächst versperrt: Als Brillenträger kam weder eine Militär- noch eine Linienpilotenlaufbahn infrage. Nach dem frühen Tod seines Vaters 1998 entschloss er sich dennoch, den Traum nicht aufzugeben – und stieg in die Kunstfliegerei ein. In den folgenden Jahren feierte er mehrere nationale Erfolge, wurde unter anderem zweifacher Schweizer Meister und etablierte sich auch international im Kunstflug. «Es hat mir sehr viel gegeben in meinem Leben und es dramatisch bereichert», sagt von Arx.
Aus der Bieridee wurde ein jahrelanges Projekt
Die Idee, gemeinsam ein historisches Flugzeug zu bauen, entstand aus Gesprächen in einer Beiz Anfang der 2000er- Jahre. «Statt einfach hier am Stammtisch herumzusitzen, wollten wir etwas Sinnvolles machen», sagt Schaub. Gross musste das Flugzeug nicht sein, dafür technisch anspruchsvoll und fliegbar. «Grosse Maschinen kosten ein Vermögen. Uns schwebte etwas Kleineres vor, fast sportwagenmässig.» Die Wahl fiel auf die französische Nieuport 23. Die Pläne waren vorhanden, das Modell elegant und wendig. Absolut entscheidend war der Moment, als den beiden bekannt wurde, dass bei der Schweizer Armee im Ersten Weltkrieg sogar fünf Maschinen dieses Typs im Einsatz waren. «Von da an war klar: Das ist unser Projekt», erzählt von Arx.
Ein originales, flugfähiges Exemplar existiert heute nicht mehr. Ein einziges Original steht in einem Museum in Brüssel. Dort hatten Schaub und von Arx zwischen 2003 und 2005 die seltene Gelegenheit, das Flugzeug während einer Restauration genau zu studieren. «Wir durften alles fotografieren und jedes Teil ausmessen, bei dem uns Pläne fehlten», sagt Schaub. «Das war ein wahres Geschenk », ergänzt von Arx.
Aus acht wurden fast 20 Jahre
Was ursprünglich auf acht Jahre veranschlagt war, entwickelte sich zu einem Langzeitprojekt. «Das war sehr optimistisch geplant», sagt von Arx lachend. Vom ersten Gedanken bis zum Erstflug vergingen fast zwei Jahrzehnte. 2020 hob die erste Maschine ab, gebaut für Kuno Schaub. 2024 folgte der zweite Erstflug – eine in der Sitzposition leicht angepasste Version für Isidor von Arx. Bei einem selbstgebauten Flugzeug müsse schon sehr viel stimmen. «Es ist etwas ganz anderes, wenn man etwas fliegt, bei dem man jede Schraube selbst angezogen hat», sagt der Kunstflugpilot stolz.

Zwei Bausätze stehen zum Verkauf
Von Anfang an war das Projekt grösser gedacht. «Die Idee war nie, nur ein Flugzeug zu bauen, sondern drei», sagt der bekannte Geigenbauer Schaub. Tatsächlich fertigten sie über Jahre hinweg zahlreiche Teile mehrfach an, «wenn wir schon extra neue erstellen mussten». Heute existieren zwei flugfähige Maschinen, ein weiteres Flugzeug ist in der Werkstatt zur Ansicht montiert, ein viertes liegt als kompletter Satz als Einzelteile in Kisten. Geplant war das dritte Flugzeug ursprünglich für den später zum Projekt gestossenen Kollegen Geri Mäder, der inzwischen verstorben ist. Die beiden verbleibenden Maschinen können als Bausatz erworben oder auf Wunsch vollständig von den beiden zusammengebaut werden. «Für einen Zusammenbau rechnen wir mit rund 3500 Arbeitsstunden», sagt Schaub. «Man kann es selbst montieren oder uns gerne dafür engagieren.»
Original bis ins letzte Detail
Der Anspruch blieb dabei immer derselbe: absolute historische Authentizität. «Viele Nachbauten sehen nur von aussen einigermassen original aus», sagt Schaub. «Innen sind sie moderne Flugzeuge.» Für ihn und von Arx kam das nicht infrage. Die Nieuport sollte konstruktiv so sein wie vor über 100 Jahren. Entsprechend speziell sind die Flugeigenschaften: ein sehr dünnes Flügelprofil, wendig, schnell, mit einer Reisegeschwindigkeit von rund 160 km/h und einer Höchstgeschwindigkeit von etwa 200 km/h.
Grosse Ehre in Paris
Auf den Preis des Aéro-Club de France wurden die beiden eher zufällig aufmerksam gemacht. Ein französischer Linienpilot, der ihr Flugzeug gesehen hatte, ermunterte sie, sich zu bewerben. Zunächst zögerten sie, dann erstellten sie ein französisch gesprochenes Video und eine Dokumentation. Am 1. Dezember 2025 folgte die Einladung nach Paris. In einem geschichtsträchtigen Gebäude nahe des Triumphbogens erhielten sie vor rund 200 Gästen die Auszeichnung. «Eine riesige Ehrung», sagt von Arx. Und Schaub ergänzt: «Schön, dass man gesehen hat, dass wir es uns nicht einfach gemacht haben, sondern bis auf das letzte Detail geschaut haben.»
