Mit spitzer Feder

Sabrina Glanzmann

Es war Liebe auf das erste Konfetti. Kaum war ich dem Krabbelalter buchstäblich entlaufen, stand ich als Pfüderi an jeder Fasnacht neben meiner Mutter auf dem Umzugswagen und warf vergnügt die bunten Papierfötzel auf die Zuschauenden. Ich bin quasi mit dem Konfettisack in der Hand zur Welt gekommen. Während für meinen Vater der Schmutzige Donnerstag der Beginn der schlimmsten Zeit des Jahres markierte, war und ist praktisch meine ganze Familie mütterlicherseits bis heute völlig fasnachtsverrückt. Dabei verhält es sich mit der fünften Jahreszeit ja wie mit Lakritze, Koriander oder Rosenkohl: Entweder man liebt sie sehr, oder man hasst sie noch mehr. Aber in einem Kanton, in dem sich praktisch eine dörfliche Fasnachtshochburg an die andere reiht (oder sollte ich inzwischen «reihte» sagen?), ist Ersteres das weitaus wahrscheinlichere Szenario. Und natürlich auch das weitaus spassigere.

Wenn nun während der nächsten Tage wieder munter getrötet, geschunkelt und gefeiert wird, werden ganz bestimmt wieder ein paar Grenzen überschritten – etwa, wenn ein paar Holdrio zu viel die Kehle hinunterfliessen oder wenn ein paar Beleidigte den einen oder anderen Schnitzelbank in den falschen Hals bekommen. Solange es bei diesen Grenzüberschreitungen bleibt, ist Fasnacht das, was sie immer schon war. Für Gröberes darüber hinaus darf und soll man auch an eigentlich unbeschwerten Tagen aufmerksam bleiben, einschreiten und einander helfen. Damit es weiterhin Liebe auf das erste Konfetti bleibt.

Sabrina Glanzmann ist inzwischen zwar nicht mehr eine so aktive Fasnächtlerin wie früher, aber wird im Herzen immer eine bleiben. Böög, Böög. Fotzuböögg!