SO 1 Edel & Stark AG / Anzeiger Thal Gäu Olten
Benedikt Lüchinger in einem der Luxusfahrzeuge, an welchem in Zukunft das begehrte und nicht ganz billige Kontrollschild «SO 1» hängen könnte.

Oltner Firma sichert sich die «SO 1»

Das begehrte Kontrollschild wurde für 390 000 Franken an die Edel & Stark AG verkauft

Für 390000 Franken hat die Oltner Luxusautovermietung Edel & Stark AG die begehrte Nummer in der Online- Auktion der Motorfahrzeugkontrolle ersteigert. «Ich habe noch selten so viel Adrenalin gespürt», beschreibt Geschäftsführer Benedikt Lüchinger den Bieter-Krimi.

«Einen so hohen Betrag in eine Autonummer zu investieren, hätte ich nie allein entscheiden dürfen», erklärt Benedikt Lüchinger. Der Kauf sei deshalb gemeinsam im Verwaltungsrat beschlossen worden. Schon als die geplante Auktion im vergangenen Herbst erstmals in den Medien angekündigt wurde, begann man sich im Unternehmen intensiver mit der Idee zu befassen.

Bereits mehrere Nummern gekauft
Ganz neu ist dasThema für Edel & Stark allerdings nicht. Die Firma besitzt bereits mehrere besondere Kontrollschilder – darunter dreistellige Nummern und sogenannte Schnapszahlen. Für einzelne Mieter, vor allem Stammkunden, werden auf Wunsch sogar passende Nummern organisiert. «Wir hatten schon länger die Idee, einmal eine wirklich tiefe Nummer zu kaufen», erklärt Lüchinger.

Bereits bei der ersten Auktion Ende vergangenen Jahres beobachtete das Unternehmen das Geschehen. Diese musste allerdings abgebrochen werden, nachdem unrealistische Scherzgebote von über einer Million Franken eingegangen waren. Beim zweiten Anlauf Anfang März stieg Edel & Stark dann selbst in das Bieterverfahren ein.

Bieterkrimi zum Schluss
In der Schlussphase entwickelte sich ein regelrechtes Duell zwischen zwei Bietern. «Ich spürte selten so viel Adrenalin in meinem Leben», erinnert sich Lüchinger. Immer wieder wartete der andere Teilnehmer bis kurz vor Ablauf der Frist, bevor er sein Gebot erhöhte – und die Auktion damit erneut verlängerte. «Das war schon ziemlich nervenaufreibend.»

Dass der Preis am Ende einen Schweizer Rekord markieren würde, sei ihm während der Auktion gar nicht bewusst gewesen. «Erst nach dem Zuschlag habe ich realisiert, dass es sich um das teuerste je versteigerte Kontrollschild der Schweiz handelt», sagt Lüchinger mit einem Lachen. Viel teurer hätte es auch nicht mehr werden dürfen, sonst hätten sie die Sache gestoppt, so der Geschäftsführer. Man sei der beschlossenen Limite schon sehr nahegekommen.

Schild passt zur strategischen Positionierung der Firma
Für das Unternehmen ist der Kauf vor allem eine strategische Marketingentscheidung. «Das Ziel ist ganz klar auch zusätzliche mediale Aufmerksamkeit», sagt er offen. Gleichzeitig passt das Nummernschild zur Positionierung der Firma. Edel & Stark vermietet Luxusfahrzeuge wie Lamborghini, Ferrari, Bentley oder Bugatti an internationale Kundschaft – häufig für längere Reisen durch Europa.

Das Geschäftsmodell unterscheidet sich bewusst von klassischen Sportwagenvermietungen. «Wir sind nicht der Anbieter für eine schnelle Runde am Bahnhof», sagt Lüchinger. Viele Kunden buchen die Fahrzeuge für mehrere Tage oder Wochen und nutzen sie für längere Reisen. Häufig werden die Autos an einem Ort übernommen und an einem ganz anderen wieder zurückgegeben. «Wir hatten einmal eine Fahrzeugübergabe in Norwegen und die Rückgabe später auf Ibiza», erzählt Lüchinger. «Viele unserer Kunden machen mit den Autos richtige Roadtrips durch Europa.» Dafür betreibt das Unternehmen einen erheblichen logistischen Aufwand. «Wir haben allein in der Schweiz etwa 16 Fahrerinnen und Fahrer, die unsere Autos zwischen verschiedenen Standorten bewegen», sagt er.

Internationale Kundschaft
Die Kundschaft kommt zu einem grossen Teil aus dem Ausland, insbesondere aus den USA, Grossbritannien und den Golfstaaten. Entsprechend stark hängt das Geschäft vom internationalen Reiseverkehr ab. Am Standort Dubai, der für Edel & Stark ein wichtiger Markt ist, spürt das Unternehmen derzeit die Folgen der angespannten geopolitischen Lage. «Wenn Konflikte eskalieren oder Reisen schwieriger wird, merken wir das sofort bei den Buchungen», sagt Lüchinger. Die Zahl der Anfragen sei dort zuletzt deutlich zurückgegangen.

Expansion geplant
Trotz solcher Unsicherheiten plant das Unternehmen weiteres Wachstum. Neben den bestehenden Standorten in der Schweiz, München und Dubai wird derzeit ein zusätzlicher Standort in Miami geprüft. «Ein grosser Teil unserer Kundschaft kommt aus den USA. Deshalb wäre ein Standort dort für uns ein logischer nächster Schritt», sagt der Geschäftsführer.

Auch in der Region selbst will das Unternehmen wachsen. Der Hauptsitz der Firma befindet sich seit der Gründung in Olten, und dort möchte Edel & Stark nach Möglichkeit wieder mehr Platz schaffen. Das Unternehmen ist derzeit auf mehrere Standorte verteilt und sucht nach einer grösseren Lösung, um Fahrzeuge, Logistik und Verwaltung stärker an einem Ort zu bündeln.

Starker Bezug zur Region
Der Bezug zur Region spielte auch eine Rolle beim Entscheid für das Kontrollschild. In den Anfangsjahren wurde das junge Unternehmen durch ein Startup- Programm der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW unterstützt. Das Förderprogramm «Plug & Start» war damals am FHNW-Standort Olten angesiedelt und begleitete junge Firmen beim Aufbau. «Diese Unterstützung hat uns damals sehr geholfen», sagt Lüchinger.

Auf welchem Fahrzeug das Schild «SO 1» künftig montiert wird, ist noch offen. Möglich sei sowohl ein reguläres Mietfahrzeug als auch ein besonders exklusives Modell aus der Flotte. Sicher ist für Lüchinger nur eines: «Die Nummer wird auf der Strasse zu sehen sein.»

Text & Bild: ALA