Am 27. März feiert Denise Donatsch mit ihrem neuen, satirisch-musikalischen Stück «Mit Glimmer & Victoria » Premiere im «Literatur & Bühne» in Olten. Ein Programm, mit welchem sie auch ihre tiefe persönliche Krise zu verarbeiten versucht. Und die schmerzhafte Erkenntnis: ihre Kunst ist nicht massentauglich.
Dass sie als Regisseurin für ihr Stück die renommierte Schauspielerin und Regisseurin Nicole Knuth verpflichten konnte, bezeichnet Denise Donatsch als Glücksfall. Die Zusammenarbeit hat von Anfang an gepasst. «Ich bin froh, mit ihr eine Person an meiner Seite zu haben, die im Geiste frei genug ist, mein Chaos anzunehmen – und keinerlei Anstalten macht, es aufräumen zu wollen.» Knuth, die ihr vom Oltner Musiker Roman Wyss empfohlen worden war, sei unglaublich offen im Geiste, was es ihr ermögliche, Konventionen einfach loszulassen. Stets habe sie experimentell sein wollen, habe dies aber nie richtig umsetzen können. «Jetzt probiere ich das aus. Und Nicole räumt nicht auf. Sie grinst – und überlegt, in welcher Form wir meine skurrilen Gedanken einbauen können.»
In Donatschs neuem Stück geht es um Victoria, eine Frau Mitte vierzig. Sie geht auf Tour, muss auf Tour gehen. Denn ihre TV-Show «Mit Glimmer & Victoria » wird nach 20 Jahren aus Spargründen eingestellt. So stürmt Victoria die Theaterbühne – mit Livepannen, fehlenden Gästen und technischen Ausfällen. An ihrer Seite: Wookie, ehemaliger TV-Musiker und nun ihr Alleskönner an Gitarre, Mischpult und als «Live»-Coach. Zusammen fabrizieren die beiden laut Plot den «glamourösesten Absturz seit Ikarus». Denise Donatsch singt und spielt und wird von Patrick Tschäppät live auf der Gitarre begleitet.
Die Krise entstigmatisieren
Spielt da auf der Bühne jemand sich selbst? Das Multitalent, das just am Premierentag seinen 45. Geburtstag feiert, verneint nicht. «Ich bin momentan in einer Krise, und das wirkt sich auch auf mein Stück aus», sagt die Oltnerin entwaffnend ehrlich. In einer Krise, weil sich in ihrer Wahrnehmung spätestens seit Corona «etwas verändert» hat auf der Erde. Ein Schleier habe sich über unser Dasein gelegt, sagt sie. Eine Schwere, wie ein endloses stummes Schluchzen. Donatsch: «Manche Dinge in der Welt und in meinem Leben machen mich momentan sprachlos. Ich spüre Weltschmerz, ich spüre Endlichkeit. Das ist schwer zu ertragen als winziges Menschlein…». Ihre Krise verstärkt hat der drohende Verlust einer geliebten Person. «Dass es einem nicht gut geht, ist keine Schande, das darf und soll man entstigmatisieren», unterstreicht sie. Deshalb macht sie auch keinen Hehl daraus, professionelle psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Mit ihrem neuen Stück biete sie darum auch die Begegnung mit jemandem an, der zeige, wie schmerzhaft es sein könne, auf diesem Planeten zu sein, erklärt sie.
Eingeständnis, das weh getan hat
Zur Wahrheit gehört auch, dass die gemeinsame Zeit mit Anne-Cathrine Kramis als «Die Philosophinnen» schon wieder Geschichte ist. Mit seinem Sprechtheater mit Musik und Gesang hat das Duo sein Publikum schlicht überfahren. Die Leute hätten die Vorstellungen teils sehr irritiert verlassen, erzählt die Künstlerin. Offenbar hätten sie beide gewisse Kategorien der menschlichen Erwartung eingerissen, hätten auf der Bühne etwas gesendet, das bei den Empfängern – aller gewollten Provokation zum Trotz – ganz anders ankam als gewollt. «Ich musste mir eingestehen: meine Kunst ist nicht für die Masse.»
Nach diesem schmerzhaften Eingeständnis in eigener Sache ging sie mit sich selbst in Klausur und hinterfragte alles und jedes. Ihre Erkenntnis, die ihr künstlerisch immerhin maximale Freiheit verschaffte: Sie steht für diejenigen auf der Bühne, die vor Skurrilität nicht zurückschrecken. Für Menschen, die es aushalten, einmal nicht sofort zu verstehen – und die dieses Nicht-Verstehen willkommen heissen. Genau wie sie selbst. «Es ist befreiend, wenn wir uns eingestehen: Ja, die Welt ist manchmal grausam und unbegreiflich – und wir dürfen genau darüber lachen oder schweigen.»
Auch deshalb ist ihr Stück dadaistischer als alles Bisherige aus ihrer Feder. Sogar dem Tod leiht sie darin ihre Stimme.
Infos/Tickets: denisedonatsch.ch
