Für das Heilpädagogische Schulzentrum wurden zusätzliche Schul- und Büroräume geschaffen.
Für das Heilpädagogische Schulzentrum wurden zusätzliche Schul- und Büroräume geschaffen.

Selbstbestimmtes Leben ermöglichen

Stiftung Arkadis weiht in Olten eine neue Liegenschaft mit Büros und Wohnungen ein

Nach der Begrüssung und einführenden Worten durch Stiftungsdirektor Aldo Magno stellte Susanne Schaffner den Neubau in einen grösseren sozial- und gesellschaftspolitischen Zusammenhang. Für die Solothurner Sozialdirektorin steht das Haus sinnbildlich für eine Entwicklung, die im Kanton an Bedeutung gewinnt: Menschen mit Behinderungen sollen möglichst selbstbestimmt wohnen und leben können. Der Regierungsrat habe die Bedarfsanalyse und Angebotsplanung 2030 verabschiedet, sagte sie. Darin sei festgehalten, dass begleitete Wohnformen und inklusive Arbeitsplätze gezielt ausgebaut werden sollen.

Neue Räume für Heilpädagogisches Schulzentrum
Zugleich machte Schaffner deutlich, dass der Kanton auch direkt mit dem Bau verbunden ist. Das Erdgeschoss wird vom Kanton genutzt, damit dem Heilpädagogischen Schulzentrum zusätzliche Schul- und Büroräume zur Verfügung stehen. «Der Kanton profitiert von diesem Neubau ebenso wie die Stiftung Arkadis», sagte sie und betonte, am meisten komme er aber jenen Menschen zugute, die das Gebäude künftig nutzen werden.

Die Regierungsrätin gab zu bedenken, der Weg zu mehr ambulanten Angeboten brauche Zeit. Der Ausbau solle schrittweise erfolgen, zunächst mit Pilotprojekten. «Mir wäre ein schnelleres Vorgehen auch lieber», sagte sie. Gerade jüngere Menschen mit Behinderungen fragten heute vermehrt nach inklusiven Wohn- und Arbeitsformen. Gleichzeitig müsse der Prozess politisch mitgetragen und finanziell abgesichert sein.

Für Schaffner ist der Neubau mehr als ein Bauprojekt. Arkadis schaffe hier barrierefreien und möglichst bezahlbaren Wohnraum an einem Ort, an dem Unterstützungsangebote in unmittelbarer Nähe verfügbar seien. Zugleich verwies sie auf die UN-Behindertenrechtskonvention und das kantonale Leitbild Behinderung, wonach Menschen mit Behinderungen selbst entscheiden sollen, wo und mit wem sie leben.

Mitten in der Gesellschaft
Daran knüpfte Urs Knapp, Präsident des Stiftungsrats der Stiftung Arkadis, an. Er stellte den Neubau in die langfristige Entwicklung der Stiftung und ihrer Angebote. Dass das Haus nun eröffnet werden könne, sei das Ergebnis «jahrelangen Engagements zahlreicher Personen». Ziel aller Beteiligten sei es, Menschen «ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen, mitten in der Gesellschaft und deshalb mitten in der Stadt Olten».

In den oberen drei Geschossen entstanden zwölf Wohnungen.

Knapp betonte, dass sich die Wohnbedürfnisse von Menschen mit kognitiven und körperlichen Beeinträchtigungen verändert hätten. Viele wollten heute stärker selbst entscheiden, wo, wie und mit wem sie wohnen. Gleichzeitig brauche es je nach Situation unterschiedliche Unterstützung. Genau darauf wolle Arkadis mit flexibleren und durchlässigeren Angeboten reagieren. An der Von Roll-Strasse 1 könnten Menschen eine eigene Wohnung mieten und bei Bedarf Fachleistungen der Stiftung beziehen. «Das schafft Flexibilität und Durchlässigkeit und ermöglicht so mehr Selbstständigkeit», sagte Knapp.

Gemischte Mieterschaft
Besonders wichtig ist Arkadis dabei die geplante Mischmieterschaft. Im neuen Haus sollen Menschen mit und ohne Behinderung, jüngere und ältere Personen, Tür an Tür wohnen. Urs Knapp formulierte den Gedanken pointiert: «Inklusion gelingt am besten im Alltag, in Begegnungen im Treppenhaus, im Quartier, in der Nachbarschaft.» Der Neubau soll damit nicht als abgeschlossener Spezialort funktionieren, sondern als Teil des gewöhnlichen städtischen Lebens.

Der Neubau ist auf diese Verbindung von Wohnen, Förderung und Unterstützung ausgelegt. Im Erdgeschoss und in den ersten beiden Obergeschossen sind Schul- und Therapieräume untergebracht, die vom Heilpädagogischen Schulzentrum HPSZ und von Arkadis genutzt werden. Im zweiten Stock hat Arkadis zusätzliche Therapie- und Beratungsangebote eingerichtet. Diese richten sich an Kinder und Jugendliche sowie an Familien mit besonderem körperlichen, gesundheitlichen oder sozialen Unterstützungsbedarf. Jährlich nutzen rund 900 Personen die Therapie- und Beratungsangebote von Arkadis.

Wohnungen in den Obergeschossen
In den drei oberen Geschossen sind zwölf 1- bis 3,5-Zimmer-Wohnungen entstanden. Sie sollen bewusst einer gemischten Mieterschaft offenstehen und nicht ausschliesslich Menschen mit Behinderungen vorbehalten sein. Diese soziale Durchmischung ist ein zentrales Element des Konzepts.

Mit den Bauarbeiten wurde im Sommer 2023 begonnen. Inzwischen stehen nur noch einzelne Abschlussarbeiten an, weshalb aussen noch ein Gerüst zu sehen ist. Gleichwohl sind bereits mehrere Wohnungen vermietet; die ersten Mietenden sollen schon bald einziehen. Derzeit ist in zwei Stockwerken zudem vorübergehend eine Arkadis-Wohngruppe untergebracht, die sonst im Standort Schärenmatte lebt, der aktuell umgebaut wird. Damit ist die angestrebte Durchmischung bereits angelegt. Nach Abschluss der Sanierung soll auch bei der weiteren Vermietung auf eine gute Mischung der Mieterschaft geachtet werden.

Beton und warmes Holz kombiniert
Bei den Rundgängen zeigte sich zudem der bauliche Charakter des Neubaus. Die Wohnungen sind barrierefrei angelegt und mit modernen Küchen und Nasszellen ausgestattet. Obwohl das Gebäude zwischen Arkadis-Hauptsitz und Nachbarhaus auf engem Raum steht, wirken Wohnungen und Erschliessungsbereiche überraschend hell. Viele Fenster bringen Tageslicht ins Haus. Während im Treppenhaus eher Beton und robuste Materialien dominieren, sorgen Holzoberflächen in den Schul-, Sitzungs- und Therapieräumen für eine wärmere Atmosphäre.

Text & Bilder: André Albrecht