Nach drei Jahrzehnten des Wirkens in der Oltner Altstadt macht Klaus Kaiser einen Punkt: Ende Juli übergibt der Gastronom das Zepter im Café Grogg an seine ehemalige Lernende Nathalie Gruber. Die 31-Jährige aus Boningen wird aktuell vom scheidenden Patron in den Betrieb eingeführt und gedenkt, viel Bewährtes zu übernehmen. «Ich übergebe mein Geschäft mit einem guten Gefühl», sagt Kaiser.
Dass er diesen Sommer die Schlüssel des «Grogg» übergibt, hatte Klaus Kaiser so nicht geplant. Seit 2018 führt er das Café-Restaurant im Oberen Graben in gewohnt umtriebiger Manier. Und dies, nachdem er zuvor während rund zweier Jahrzehnte ein paar Meter weiter unten in der Oltner Altstadt Geschäftsführer der «Suteria» war. Als ihm irgendwann letzten Sommer seine ehemalige Lernende Nathalie Gruber bei einem Besuch auf einen Kaffee fast schon beiläufig sagte, wenn er mal eine Nachfolgerin suche, solle er an sie denken, hat der Patron sich noch nichts dabei gedacht. Aber registriert hatte er ihren Satz allemal, wie er erzählt: «Zwei Monate später habe ich Nathalie gefragt, ob sie ihre Bemerkung ernst gemeint hatte.» Sie bejahte, und so kamen die beiden in der Folge mehrmals zusammen und erörterten die Ausgangslage detaillierter und konkreter, bis klar war: Das passt!
nde Juli wird Kaiser, der im Herbst seinen 63. Geburtstag feiert, die Schlüssel des Café Grogg an Nathalie Gruber übergeben. «Mit einem guten Gefühl», wie er unterstreicht. Es sei schön, dass in seinem Lokal eine junge, engagierte Frau mit neuen Ideen nachkomme. Mit sich selbst ist er im Reinen: Im «Grogg» habe er erreicht, was er habe erreichen können.
Der Traum vom eigenen Café-Restaurant ging in Erfüllung
«Es war schon immer mein Traum, mein eigenes Café-Restaurant zu führen», kommt Nathalie Gruber ob der anstehenden Selbstständigkeit ins Schwärmen. Im Dezember seien Klaus Kaiser und sie handelseinig geworden und hätten entschieden, dass sie während der Fasnacht im «Grogg» beginnt. Auch die Gespräche mit der Eigentümerin Erika Grogg bezeichnen beide als gut, ihre Pläne seien wohlwollend aufgenommen worden. Mittlerweile arbeitet sie in einem 60-Prozent-Pensum in ihrem künftigen Unternehmen und wird vom scheidenden Patron Schritt für Schritt in alle Geheimnisse des Betriebs und in die Gästestruktur eingeführt, so dass sie am 1. August bereit sein wird. «Ich weiss, dass ich in grosse Fussstapfen trete, Klaus hat in der hiesigen Gastroszene einen super Namen», sagt die 31-Jährige aus Boningen. Mitunter aufkommende Zweifel, ob sie das auch packe, wischt sie jeweils schnell wieder weg: «Ich weiss: der Entscheid stimmt.» Sie sagt dies durchaus im Wissen darum, dass die Zeiten in der Gastro schon besser waren. «Ich liebe meinen Beruf und habe mega gerne Kontakt mit Menschen», begründet sie ihr Feuer für diese Branche.
Ihre Lehrzeit als Detailhandelsfachfrau Confiserie/Bäckerei, bei Klaus Kaiser in der «Suteria», schloss Nathalie Gruber «mit Glanznoten» ab, wie ihr ehemaliger Lehrmeister betont. Nach einem Sprachaufenthalt folgten Jobs bei Wälchli in Rothrist, in Service und Verkaufsleitung, sowie bei Vögeli-Beck in Hägendorf, wo sie als Verkaufsleiterin auch im Service und in der Küche aushalf. Verschiedene Weiterbildungen und Kurse in Mitarbeiterführung kamen über die Jahre hinzu, aktuell bereitet sie sich auf die Wirtefachprüfung vor, die Mitte Juni im Trockenen sein soll.
Bei ihr gibts auch süsse Leckereien
Das Café Grogg ist unter Klaus Kaiser eine Erfolgsgeschichte. Nathalie Gruber wäre schlecht beraten, würde sie ab August alles auf den Kopf stellen. So übernimmt sie das Konzept mit der Mittagskarte und wird auch selbst kochen, «vielleicht etwas einfachere Menüs als Klaus», wie sie sagt. Generell möchte sie neue Getränke auf der Karte einführen und auch neue Rezepte ausprobieren. «Und ich will unbedingt eine Kuchen- und Dessertkarte mit ins Programm nehmen», kündigt sie mit einem Lachen an. Süsse Leckereien, welche sie und ihre Mutter selbst kreieren werden. Auch um den Auftritt des Café Grogg in den sozialen Medien wird die künftige Chefin sich persönlich kümmern. Die Öffnungszeiten dürften unverändert bleiben, noch offen ist, wer vom bisherigen Team mit an Bord sein wird.
Erst mal die Batterien aufladen
Und Klaus Kaiser? Er will die kommenden Monate im «Grogg» noch geniessen, seine Nachfolgerin bestmöglich einfuchsen und danach «einfach mal runterfahren», wie er sagt. Das vergangene Jahr, mit familiären Schicksalsschlägen, habe an ihm genagt, im Dezember sei er ausgelaugt gewesen. «So gesehen, kam Nathalies Anfrage nicht zur Unzeit.» Wenn die Batterien wieder geladen sind, will er sich umschauen, wonach ihm die Sinne stehen. Dass er, erst recht zu Beginn, die neue «Grogg»-Chefin bei grösseren Anlässen unterstützen wird, steht für ihn ausser Frage. Sie nickt eifrig, den Cateringbereich, der unter Kaiser einen ansehnlichen Teil des Umsatzes ausmacht, möchte sie weiterpflegen.
Klar für seine Gattin Lucia und ihn ist: die Zelte in unserer Region werden sie nicht abbrechen. Dass er auf dreissig Jahre Wirtepatent in der Altstadt Olten zurückblicken darf, macht den gebürtigen Schwyzer, der längst mindestens so sehr Oltner und Starrkirch-Wiler ist, zurecht stolz. In bekannt launig-kaiserlicher Art sagt er: «Ich glaube, es war nicht alles lätz, was ich hier gemacht habe.»
Die GiG-Saison mit acht Konzerten steht
Bis 2017 war Klaus Kaiser der Kopf der «Konzerte am Turm», seit 2019 sind die «Konzerte im Graben» ohne seinen gastronomischen Lead nicht denkbar. Und so schnell sollen diese musikalischen Events im Oberen Graben trotz des Pächterwechsels auch nicht Geschichte sein, wie die künftige «Grogg»-Geschäftsführerin Nathalie Gruber bekräftigt. Die Saison 2026 steht, am 3. Juni gehts mit Nilsa & Band und African Funk-Pop aus Moçambique los, bis am 29. August und dem Auftritt der B-Shakers sind acht Gigs der Gruppe im Graben geplant. Die Gruppe tritt als Veranstalterin auf, das Café Grogg ist weiterhin gastronomischer Dreh- und Angelpunkt und serviert während der Auftritte eine Vielfalt an Speisen und Getränken.
Alle Infos gibts auf www.im-graben.ch
