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5 Jahre Praxis für Atem, Stimme & Sprache in Solothurn

Interview mit Tanja Baumberger, Kunsttherapeutin Fachrichtung Drama und Sprache – Sprachgestaltung - Sprachtherapie

Frau Baumberger, Sie feiern am 20. Juni das fünfjährige Bestehen Ihrer Praxis. Was bedeutet Ihnen dieses Jubiläum?
Es bedeutet mir sehr viel. Es sind fünf Jahre voller Begegnungen, Entwicklungen und Lernprozesse. Ich darf Kinder, Jugendliche und Erwachsene begleiten und immer wieder erleben, wie eng Sprache mit Ausdruck, Selbstvertrauen und Beziehung verbunden ist.

Was bedeutet Sprache für Sie persönlich?
Sprache ist für mich weit mehr als korrektes Sprechen. Sie ermöglicht Begegnung, Verständigung und Teilhabe. Besonders berührend ist es, wenn Menschen entdecken, wie viel sie bereits in sich tragen und wie sie ihren Ausdruck bewusst weiterentwickeln können.

Sie sagen oft: «Reden ist auch Hören.» Was meinen Sie damit?
Sprache entsteht durch Beziehung. Menschen brauchen Aufmerksamkeit, Interesse und echtes Zuhören. Gerade Kinder entwickeln Sprache nicht allein durch Übung, sondern vor allem durch gemeinsame Erlebnisse und Gespräche. Ein Gesicht, das sich bewegt, Augenkontakt, die Bewegungen von Lippen und Zunge, die Mimik und der ganze Körper spielen in der Sprachentwicklung eine entscheidende Rolle. Über die neurologischen Hintergründe könnten wir problemlos ein weiteres Gespräch führen (lacht).

Ein gutes Beispiel ist das gemeinsame Betrachten eines Bilderbuches. Wenn Erwachsene Fragen stellen, zuhören und auf Antworten eingehen, entsteht ein lebendiger sprachlicher Austausch. Genau solche Momente fördern Sprachentwicklung.

Kein Gerät kann ein lebendiges, interessiertes Gegenüber ersetzen. Deshalb sage ich auch oft: Sprachentwicklung lässt sich nicht einfach delegieren. Apps und digitale Hilfsmittel können unterstützen, doch Sprache wächst vor allem dort, wo Menschen miteinander sprechen, zuhören und sich Zeit füreinander nehmen – ohne Ablenkung.

Wer kommt zu Ihnen in die Praxis?
Die Vielfalt macht es aus. Ich arbeite mit Kindern und Familien, begleite Erwachsene in beruflichen oder persönlichen Veränderungsprozessen und unterstütze Menschen, die ihre Stimme, Präsenz oder Ausdruckskraft stärken möchten. So unterschiedlich die Anliegen sind – meistens geht es darum, sich verständlich auszudrücken, sicher aufzutreten, die eigene Stimme zu finden, hörbar zu sein und verstanden zu werden.

Sie arbeiten auch an öffentlichen Schulen. Welche Erfahrungen machen Sie dort?
Die Zusammenarbeit mit Lehrpersonen, Logopädinnen, Heilpädagoginnen und Eltern erlebe ich als sehr wertvoll. Die besten Fortschritte entstehen dann, wenn alle Beteiligten gemeinsam an einem Strang ziehen. Wenn beispielsweise ein Kind neue sprachliche Fähigkeiten in der Therapie erarbeitet und diese gleichzeitig in Schule und Familie unterstützt werden, entstehen oft erstaunliche Entwicklungsschritte.

Sie bieten Workshops und Einzelunterricht an. An wen richten sich diese?
An Fachpersonen aus Bildung, Therapie und Gesundheit, aber auch an Menschen, die ihre Kommunikation, Präsenz oder Ausdrucksfähigkeit weiterentwickeln möchten.

Die Spannweite ist gross: von der Pfarrperson bis zum Polizisten, von der Politikerin bis zur Seniorin, die ihren Enkeln Märchen erzählen möchte. Von der Mutter, die nicht immer «streng» klingen will, aber gehört werden will, bis zum Sänger, der seinen Atem bewusster einsetzen und seine Stimme gesund erhalten möchte.(*immer alle Menschen gemeint)

Ich begleite beispielsweise Theatergruppen, die deutlicher und kräftiger sprechen sowie ihre Bühnenpräsenz stärken möchten. Ich arbeite mit Teams, die sich im Präsentieren und Auftreten weiterentwickeln wollen, oder mit Mitarbeitenden, die täglich viel telefonieren und lernen möchten, ihre Stimme bewusst einzusetzen und auch in anspruchsvollen Gesprächen freundlich und klar zu bleiben. Mit Ärztinnen und Ärzten, Pfarrpersonen und Polizisten – die Liste der Berufe ist spannend und lang.

Dabei verbinde ich Sprache, Stimme, Atem und kreative Methoden, auch aus dem Schauspiel. Mich interessiert besonders, wie Menschen ihre Ausdrucksmöglichkeiten erweitern, sicherer auftreten und ihre persönliche Wirkung bewusst gestalten können. Ganz nach meinem Vorbild Lionel Logue, der durch den Film The King’s Speech bekannt wurde.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Ich wünsche unserer Gesellschaft mehr Zeit für echte Gespräche und bewusstes Zuhören. Sprache verbindet Menschen. Diese Verbindung zu stärken und Menschen auf ihrem Weg zu begleiten, bleibt auch in Zukunft meine Motivation.

Vielen Dank für das Gespräch.
Weitere Informationen zum Jubiläumsanlass und zu den Angeboten finden Interessierte unter www.atem-stimme-sprache.ch.

Praxis für Atem, Stimme & Sprache – Tanja Baumberger EMR-anerkannte Sprachtherapie ist über Krankenkassen-Zusatzversicherungen anerkannt. Kunsttherapeutinnen und Kunsttherapeuten arbeiten in Spitälern, Institutionen, Schulen und freien Praxen. Die Kunsttherapie ist in der Schweiz als eidgenössischer Beruf auf Stufe Höhere Fachprüfung (HFP) anerkannt; international bestehen zudem verschiedene Bachelor- und Masterstudiengänge in kunsttherapeutischen Fachrichtungen. Weitere Informationen: www.artecura.ch

Text & Bild: ZVG