Das Organisationskomitee freut sich auf die fünfte Ausgabe des Bechburg Festivals am 19. und 20. Juni (von links): Mirjam Gabi, Christina Perren, Pascal Meister, Samuel Graf, Sandro Ingold und Ramona Studer. Auf dem Bild fehlt Samuel Fankhauser.

«Ein Ort für Musik, Kultur und Gemeinschaft»

Für das Bechburg Festival 2026 gibt es noch Samstagstickets – der Freitag ist bereits ausverkauft

Das Bechburg Festival geht heuer in die fünfte Runde. Der Anzeiger TGO hat sich mit den Macherinnen und Machern des beliebten Anlasses auf dem Oensinger Wahrzeichen unterhalten. Und wollte wissen, was sie antreibt, was einen Anlass auf einem Schloss besonders macht – und welche Geschichten hinter den Kulissen entstehen.

Am 19. und 20. Juni wird die Neu-Bechburg wieder zur Konzertkulisse. Der Freitag mit Bastian Baker und Soleroy ist bereits ausverkauft. «Wir waren überzeugt, dass der Freitag auf grosses Interesse stossen würde», sagt Ramona Studer, Leiterin Marketing Management beim Oensevents Kulturverein. «Dass der Abend jedoch bereits so früh ausverkauft sein würde, hat selbst uns überrascht.» Die Kombination aus Bastian Baker, Soleroy und der Atmosphäre auf der Bechburg habe offensichtlich einen Nerv getroffen.

Gruppe kulturbegeisterter Menschen
Hinter dem Anlass steht der Oensevents Kulturverein. Was als mutige Idee einer kleinen Gruppe kulturbegeisterter Menschen begann, hat sich zu einem festen Bestandteil des regionalen Kulturkalenders entwickelt. «Am stärksten verändert hat sich sicher die Bekanntheit des Festivals», erklärt Studer. Professioneller seien auch die Abläufe geworden. Geblieben seien die familiäre Atmosphäre und die Leidenschaft.

Das Schloss ist eine Herausforderung
Die Neu-Bechburg ist weit mehr als eine eindrückliche Kulisse. Für das Publikum ist sie ein stimmungsvoller Ort hoch über Oensingen, für das OK aber auch eine Herausforderung. «Die historische Kulisse verleiht dem Festival einen ganz eigenen Charakter, den man kaum künstlich erschaffen könnte», beschreibt sie die Einzigartigkeit. Wenn am Abend die Schlossmauern beleuchtet seien und die Musik durch den Innenhof klinge, entstehe eine besondere Atmosphäre.

Ein Schloss ist allerdings kein gewöhnliches Festivalgelände. Materialtransporte, Infrastruktur, Stromversorgung und Logistik sind deutlich anspruchsvoller. «Die Bechburg hat ihre ganz eigenen Regeln», erklärt Studer. Was anderswo selbstverständlich sei, funktioniere hier oft anders. Genau das mache den Reiz aus, verlange aber Flexibilität und Gelassenheit.

Wie sehr Improvisation dazugehört, zeigte sich beim letzten Festival. Unerwartet fiel der Warenlift aus – ausgerechnet an dem Tag, an dem das komplette Equipment der Basement Saints auf das Schloss transportiert werden musste, inklusive einer schweren Orgel. «Wir haben kurzerhand einige Freunde und Bekannte aus dem Publikum angesprochen», erzählt Ramona Studer lachend. «Sie haben sofort geholfen.» Gemeinsam sei geschleppt, organisiert und improvisiert worden. Am Ende stand alles rechtzeitig auf der Bühne, das Konzert fand statt. Die meisten Gäste hätten von der ganzen Aktion wohl nichts mitbekommen.

Für sie ist genau das bezeichnend. «Unerwartetes gehört bei uns eigentlich immer dazu. Das Schloss hat seine eigenen Gesetze, das Wetter sowieso.» Vielleicht sei das Oensevents-Team deshalb so gut eingespielt: «Irgendwo zwischen Planung, Improvisation und einer Portion Gelassenheit finden wir meistens eine Lösung.»

Erinnerung an besondere Augenblicke
Auch Samuel Graf, Vereinspräsident und Eventmanager, erinnert sich gerne an besondere Augenblicke zurück. Stark geblieben ist ihm der Auftritt von Baba Shrimps. «Die Band hat während 90 Minuten nicht einfach ein Konzert gespielt, sondern das gesamte Schlossareal in ihren Bann gezogen», schwärmt Graf. Helfer, Publikum und andere Musiker seien gleichermassen von dieser Stimmung erfasst gewesen. «Es war einer dieser magischen Bechburg-Momente, in denen alles zusammenpasste: die Musik, die Kulisse und die Emotionen.»

Regelrechter Marathon
Hinter wenigen Stunden Festivalbetrieb stehen Monate an Vorbereitung. Vieles davon bleibt unsichtbar. Auch während des Festivals leisten die Helferinnen und Helfer einen grossen Einsatz. «Sie legen einen regelrechten Marathon zurück», beschreibt Studer den immensen Aufwand. Wenn alles reibungslos funktioniere, sei das eigentlich das grösste Kompliment.

Hinter dem Festival steht ein siebenköpfiges Kernteam des Oensevents Kulturvereins. Die Mitglieder stammen aus Oensingen oder der nahen Umgebung und sind privat eng verbunden. «Genau dieser Mix ermöglicht es uns, ein Festival dieser Grösse mit einem vergleichsweise kleinen Team umzusetzen», sagt sie. Idealismus brauche es trotzdem sehr viel. «Ohne die Begeisterung für Kultur, für die Region und die Freude daran, Menschen zusammenzubringen, wäre ein solches Projekt kaum möglich.»

Für Ramona Studer ist das Festival auch persönlich mit der Region verbunden. Es sei schön, sich für Oensingen und die Umgebung engagieren zu können. Gleichzeitig sei das Festival eine Gelegenheit, gemeinsam mit Freunden etwas auf die Beine zu stellen. «Wenn man am Ende des Festivalwochenendes sieht, wie viele Besucherinnen und Besucher eine gute Zeit hatten, weiss man, warum sich der Aufwand lohnt.»

Regionalität ist wichtig
Lokaler Bezug ist für den Kulturverein zentral. «Regionalität ist für uns weit mehr als ein Schlagwort», betont sie. «Uns ist wichtig, dass das Bechburg Festival nicht einfach irgendwo stattfinden könnte, sondern fest mit Oensingen und dem Gäu verbunden ist.» Deshalb versucht das OK auch, regionale Künstler, Vereine und Anbieter einzubinden.

Der Programmgedanke passt dazu. Der Freitag verbindet mit Bastian Baker einen etablierten Schweizer Künstler mit Soleroy, einem aufstrebenden Musiker mit regionalem Bezug. Dass Bastian Baker Soleroy in den vergangenen Jahren unterstützt und gefördert hat, passe gut zur Festivalphilosophie, erklärt Samuel Graf. «Mit Soleroy erhält gleichzeitig ein aufstrebender Musiker die Möglichkeit, sich vor einem breiten Publikum zu präsentieren.»

Rockiger Samstag
Der Samstag setzt bewusst einen anderen Akzent und zeigt die rockigere Seite des Festivals. Besonders freut sich Graf auf Jack Slamer. Er habe die Band vor einigen Jahren an der Rock Night auf dem Heitere Festival erlebt und sei von ihrer Energie und Bühnenpräsenz beeindruckt gewesen. «Umso mehr freut es mich, dass wir sie nun auf der Oensinger Bechburg begrüssen dürfen.»

Schönster Moment am Schluss
Der schönste Moment des Festivalwochenendes kommt für Ramona Studer meist ganz am Schluss. Dann, wenn die letzten Gäste zufrieden den Heimweg antreten, die Anspannung abfällt und das OK mit den Helfenden noch einmal zusammensitzt. «In diesen Momenten realisiert man erst richtig, was man gemeinsam auf die Beine gestellt hat.»

Für die Ausgabe 2026 wünscht sich das OK zufriedene Besucherinnen und Besucher, unvergessliche Konzerte und eine friedliche, ausgelassene Stimmung. Die Gäste sollen das Gefühl mitnehmen, Teil von etwas Besonderem gewesen zu sein. Oder, wie Ramona Studer es zusammenfasst: «Das Bechburg Festival verbindet Musik, Kultur und Gemeinschaft an einem Ort, an dem Geschichte, Emotionen und unvergessliche Momente aufeinandertreffen.»

Alle Infos und Programm:
www.oensevents.ch

Text & Bild: André Albrecht