Antje Lässer Spitze Feder / Anzeiger Thal Gäu Olten
Mit spitzer Feder

Antje Lässer

Manchmal sitze ich so da und plötzlich schiesst ein Gedanke durch meinen Kopf und lässt mich mein Natel zur Hand nehmen. Ich gebe einen Namen eines mir lieben Restaurants ein und will mal wieder schauen, was die Leute so alles raushauen auf einer der vielen Bewertungsplattformen. Und ja, «raushauen» finde ich sehr treffend. Neben vielen positiven Rückmeldungen finde ich auch die negativen. Und was da geschrieben wird, stimmt mich nachdenklich. Abartig, wie Egoismus, Respekt- und Hemmungslosigkeit beim Kundtun über Erlebtes in einem Restaurant in den letzten paar Jahren massiv zugenommen haben. Anonym wird den Wirtsleuten Unmut, ja manchmal sogar Wut (!) in Schriftform hingeschmissen.

Ganz ehrlich, ich persönlich würde diese, ich nenne sie mal Anfeindungen, wohl nicht einfach so zur Seite legen können. Klar, es gibt sicher Situationen, wo man sich unfreundlich bedient fühlt oder das Essen einem nicht so schmeckt, wie man es sich vorgestellt hat. Aber deshalb gleich auf diesen Plattformen so unverblümt in die Tasten hauen zu müssen? Man könnte ja seinen Unmut auch gleich in der Situation anständig mitteilen. Aber dann müsste man hinstehen und dem Gegenüber in die Augen schauen …

Doch in diesen Zeiten versteckt man sich lieber hinter einem sogenannten «Nickname» und lässt allen Frust raus, statt von Angesicht zu Angesicht miteinander zu reden – «Schweigen ist Silber, Reden ist Gold». Und: Würden die Wirtsleute im selben Stil antworten, ginge es heutzutage nicht lange und es flatterte eine Klage wegen Verleumdung ins (Wirts-)Haus …