Die Sägesser Stiftung hat primär zum Ziel, Wohnraum im Stiftungshaus für unverschuldet in Not geratene Menschen zur Verfügung zu stellen. Am vergangenen Freitag gab es viel zu feiern in Oensingen: Die Stiftung feierte ihr 25-Jahr-Jubiläum und vergab drei Anerkennungspreise – vorläufig zum letzten Mal.
Rund 60 Personen erschienen zum Anlass in der Genusswerkstatt der Vebo in Oensingen. Geladen waren die Bewohnenden des Stiftungshauses, ehemalige Preisträgerinnen und Preisträger für Freiwilligen-Arbeit sowie Oensinger Persönlichkeiten, welche sich uneigennützig für sportliche, kulturelle und gesellschaftliche Aktivitäten eingesetzt haben.
Der Anlass wurde musikalisch von den Swiss Ländler Gambler mit Volksmusik und Dixieland umrahmt, kulinarisch war die Genusswerkstatt für Speis und – beim aktuellen Wetter – vor allem für Trank zuständig.
Werner Hunziker, langjähriger Stiftungsratspräsident, begrüsste die Gäste und blickte zurück auf die Geschichte der Stiftung, aber auch auf das Leben des Stifters Willi Sägesser. Er beschrieb den erfolgreichen Unternehmer als grossen Unterstützer und Sponsor diverser gemeinnütziger Projekte (siehe unten). Oder wie es Kolumnist Kuno Blaser einst formulierte: «Grosszügig bis a Bach abe!»
Drei Anerkennungspreise
Anlässlich ihres 25 Jahr-Jubiläums hat die Sägesser Stiftung drei Anerkennungspreise für herausragende Leistungen in den Bereichen Sportförderung, Kultur und langjährige Vereinstätigkeit mit erfolgreicher Jugendförderung ausgerichtet. Die mit jeweils 1000 oder 2000 Franken dotierten Preise gingen einerseits an Bruno Heiniger, welcher sich schon seit Jahrzehnten als Sportförderer, Gründer und Organisator von Sportvereinen und Laufveranstaltungen wie etwa dem Roggenberglauf verdient gemacht hat.
Ein weiterer Anerkennungspreis wurde dem OK Kunstmarkt Schloss Neu Bechburg verliehen. Das OK hat mit einer breiten Themenpalette herausragende kulturelle Impulse gesetzt. Mit Ausstellungen im Oensinger Schloss wurden Leistungen von Menschen unterschiedlichen Alters, sozialer, beruflicher und «geografischer» Herkunft in Bildtafeln dargestellt und damit Persönlichkeiten gewürdigt, welche die Entwicklung des Dorfes und der Community über Jahrzehnte mitgestaltet haben.
Der dritte Anerkennungspreis wurde dem IHC Oensingen Roadrunners verliehen. Der Verein hat seit nunmehr 30 Jahren tolle sportliche Erfolge erzielt und exzellente Vereins- und Jugendarbeit geleistet. Dies auf der Basis eines Leitbildes, welches Teamgeist, Fairness und Respekt, Leidenschaft und Zusammenhalt in generationsübergreifender Gemeinschaft auf und neben dem Spielfeld einverlangt.
Die Zukunft ist offen
Diese Anerkennungspreise waren die vorläufig letzten, die die Stiftung vergibt. Grund dafür ist das Alter der beteiligten Stiftungsräte. In den nächsten Jahren soll die Stiftung in jüngere Hände übergeben werden. Ob die Nachfolger die Vergabetradition in dieser oder veränderter Version weiterführen möchten, überlässt Werner Hunziker den Nachfolgern: «Sie müssen nicht alles so machen wie wir», sagte er. Der Stiftungszweck ist in dieser Frage offen formuliert.
Die Sägesser Stiftung
Im Dezember 2001 gründete Willi Sägesser mit finanzieller Unterstützung seiner Schwester Lina die Sägesser Stiftung. Diese hat laut Statuten primär zum Ziel, Wohnraum für unverschuldet in Not geratene Menschen zur Verfügung zu stellen. Sie kann aber auch finanzielle Unterstützung für Personen in Notlagen gewähren sowie Beiträge an Organisationen und Personen für soziale und gemeinnützige Zwecke ausrichten. Das Stiftungskapital beträgt rund 1,7 Mio. Franken, die von Werner Hunziker präsidierte Stiftung ist im Besitz des Mehrfamilienhauses an der Mühlefeldstrasse 13 in Oensingen mit zehn Wohnungen. Den Stiftungsrat komplettieren Ueli Brunner und Priska Kamber. Die Verwaltung von Stiftung und ihrer Liegenschaft obliegt Rudolf Meise.
Bis 2025 hat die Stiftung rund 200’ 000 Franken an gemeinnützige Organisationen oder bedürftige Personen sowie als Anerkennungspreise Freiwilligenarbeit vergeben.
Ein bescheidener Macher und Wohltäter
Er sei kein Mann der lauten Worte gewesen, beschreibt Werner Hunziker Willi Sägesser, der 2011 im Alter von 93 Jahren verstarb. «Aber er war ein allseits geachteter Mann und respektierter Oensingen Unternehmer.» Seine Bescheidenheit war sprichwörtlich, so war er etwa im Dorf immer mit dem Fahrrad unterwegs. An seinem Wohlstand und seinen Hobbies habe er immer auch andere grosszügig teilhaben lassen, erzählt Hunziker weiter. Sein Lebensmotto, nach Philosoph Karl Jaspers: «Der Ruhm ist nichts, das Werk ist alles.»
Aufgewachsen in der Baumeisterfamilie Sägesser-Roth, erbte Willi Sägesser den Unternehmergeist vom Vater. Er war ein Selfmade-Mann, der sich als Kapazität in der Trockenlegung grosser Sumpfgebiete einen Namen machte und ein erfolgreicher Baumeister wurde. Er sei ein Chef gewesen, so Hunziker, der auf den Baustellen selbst mit angepackt habe. «Typisch etwa ist das Bild, wenn Willi mit dem grossen Bagger einen Aushub machte und diesen auf seinen Saurer-Lastwagen verfrachtete und gleich persönlich abtransportierte», erzählt der Stiftungsratspräsident. Sein ganzer Stolz als Major der Genietruppen war der Bau komplexer provisorischer Brücken in schwierigem – auch städtischem – Gelände für die Armee. Sägesser war ein grosser Unterstützer und Sponsor, der fast nie habe nein sagen können. Besonders grosszügig zeigte sich die Familie Sägesser gegenüber der Einwohnergemeinde, welcher für den Bau des Kindergartens Mitteldorf ein Areal von 20 Aren Land geschenkt wurde – nach heutigem Wert wohl gut eine Million Franken. Äusserst grosszügig zeigte sich Willi Sägesser auch gegenüber dem Eishockeyclub Oensingen und seinen Spielern. Profitiert haben immer wieder auch zahlreiche Privatpersonen oder Vereine.
Seine grosse Passion galt Oldtimern und schnellen Rennwagen. Er nahm selber an zahlreichen Bergrennen in der Schweiz teil und war immer wieder auf ausländischen Hochgeschwindigkeits-Rennstrecken anzutreffen.