«Uns fehlt die Industrie. Das ist Vor- und Nachteil zugleich», sagt Kappels Gemeindepräsident Rainer Schmidlin. Der Anzeiger TGO hatte ihn zum Auftakt der diesjährigen Sommerserie gebeten, die Drohnenaufnahme seiner Gemeinde zu kommentieren. Es gebe in Kappel nur noch ganz wenige unbebaute Grundstücke. Der Zersiedelung habe man Grenzen gesetzt, man bevorzuge die Entwicklung nach innen. «So ist es uns gelungen, den dörflichen Charakter zu bewahren.» Deshalb dürfe sich glücklich schätzen, wer in seiner Gemeinde wohnen dürfe, ist er überzeugt. Und dies trotz eines höheren Steuerfusses als in den Nachbargemeinden, der halt eben der fehlenden Industrie geschuldet sei.

Schmidlin verweist auf das grosse Naherholungsgebiet mit der Bornkapelle, die für viele Menschen ein Kraftort sei. Auf das breit gefächerte Vereinsangebot und die weit herum bekannte Dorfchilbi als Highlight im Jahreskalender. Mit der Buslinie 127 sei seit mehr als einem Jahr auch der Bornhang öV-technisch ziemlich gut erschlossen. Und für die Bevölkerung stünden eine moderne, gut geführte Schule und Kindergarten ebenso bereit wie ein Einkaufsladen, Bäckerei, Bauernhofverkaufsstellen, Ärzte- und Zahnarztpraxen sowie mehrere Restaurants.

Es mag vor diesem Hintergrund kaum überraschen, wenn Rainer Schmidlin zum Schluss kommt: «Persönlich möchte ich eigentlich an keinem anderen Ort wohnen.»
Seit der erstmaligen urkundlichen Erwähnung vor 766 Jahren ist die Bevölkerungszahl von Kappel laut ihrem Gemeindepräsidenten um den Faktor 24 gestiegen. Schmidlin betont, Kappel existiere schon viel länger: «Wären wir damals in der Urkunde bezüglich Kirche in Hägendorf zusammen mit Boningen nicht als Umland abgetan worden, wären wir, Boningen und Hägendorf in zehn Jahren an der Jahrtausendfeier!»

Sommerserie: Perspektivenwechsel
Ein Drohnenbild der Gemeinde, vom Schulhaus, Gemeindehaus, der Kirche und vom Dorfbrunnen: Dies sind die Rezepturen unserer diesjährigen Sommerserie, die wir mit dem Beitrag über Kappel starten.
