Mit spitzer Feder

Nicolas Russi

Im Lehrpersonen-Aufenthaltsraum.

F: Sag mal, wie hältst Du es eigentlich mit dem Frühfranzösisch?

G: Das fragst du einen Englischlehrer? Für mich ist nach wie vor klar, dass Englisch die wichtigste Sprache ist und somit möglichst früh gefördert werden sollte.

F: Aber Französisch ist die zweitwichtigste Landessprache in der Schweiz. Da sollte man einen einfachen Text lesen und verstehen können. Oder eine einfache Unterhaltung führen. Und der Landesteil, in dem man französisch spricht, beginnt gleich hinter den westlichsten Gemeinden im Anzeigergebiet.

G: Aber du weisst doch auch, die jungen Romands lernen ebenso Englisch wie unsere Jungen. Englisch ist die gemeinsame Sprache. Also wozu französisch?

F: Etwa wenn man in die Westschweiz oder in die französische Nachbarschaft fährt und den Weg nicht kennt.

G: Da brauchst Du kein Französisch. Du stellst im Navi den Zielort ein, und schon wirst du an den richtigen Ort geleitet.

F: Genau, das ist es. Kürzlich fuhren wir nach Pontarlier. Die nette Dame in unserem Armaturenbrett sprach die ganze Zeit von «Ponn-Taar-Leier».

G: Das ist jetzt aber ein Detail.

F: Es kam noch schlimmer. Wegen einer Umleitung sind wir auf einer kleinen Nebenstrasse gelandet. Und dann hörten wir eine Ortschaft namens «Less Tschämps Berto-ut». Und deshalb bin ich für Frühfranzösisch, damit auch die Navi-Sprecherinnen mindestens einen Hauch von korrekter Aussprache mitbekommen.

G: Du kannst froh sein, dass ihr dorthin gefahren seid. Stell dir vor, ihr wärt unterwegs gewesen nach Saignelégier oder nach Château-d’Oex…

Das Traurige an diesem Geschichtli ist, dass die Sache mit dem Navi nicht einmal erfunden ist …