ht genervt stehe ich vor der Auslage mit Früchten. Ich würde so gerne Trauben kaufen. Doch alle sechs Sorten, die mir zur Auswahl stehen, sind mit der Info «kernlos» versehen. Wie schade! Ich will keine kernlosen Trauben essen. Doch Trauben mit Kernen sind zur Seltenheit geworden. By the way: Wie entstehen dann die neuen Trauben?
Ein einziges Mal habe ich dieses Jahr eine Sorte mit Kernen entdeckt. Ein Glückstreffer! «Mit Kernen» stand auf dem Etikett. Wirklich, es wurde extra hingeschrieben! Ich kaufte sie. Sie schmeckten wundervoll!
Trauben ohne Kerne sind in bester Gesellschaft. Im Blumenladen finde ich Rosen ohne Dornen, Lilien ohne Blütenstaub. Äpfel und Birnen gedeihen an niedrigen Stauden. Hühner legen fast täglich Eier und Kühe produzieren literweise Milch für Menschen – aber (noch) nicht laktosefrei. Allenthalben begegnen mir Männer mit gestrafften Lidern und Frauen mit Wimpern und Lippen, die so natürlich sind wie kernlose Trauben und Rosen ohne Dornen.
Trauben, Rosen, Wimpern – Wir machen uns die Welt, wie sie uns gefällt. Ja, ein Teil dieser Veränderungen mag sinnvoll sein, birgt bestimmt neue Chancen und trägt zu einem gewissen Mass an Ernährungssicherheit bei. Bei vielen dieser «Verbesserungen» beschleicht mich der Verdacht, dass das nicht auf ewig gut gehen wird.
Wie also weiter? Einen Schritt zurück? No way! Ein bisschen einschränken? Lieber nicht. Auf etwas verzichten? Morgen vielleicht.
Das fulminante Nein zur Ernährungsinitiative ist eine logische Konsequenz dieser Haltung. Ein paar Prozent mehr «Ja» hätten uns gut gestanden.