Louana Berger gehört mit ihren erst 21 Jahren bereits zur Weltspitze ihres Fachs. Ende September gewann sie an den WorldSkills in Shanghai Bronze in «Software Applications Development», einer Disziplin, in der Computeranwendungen entwickelt, geprüft und verbessert werden. Angefangen hatte ihre Faszination für die digitale Welt schon in der Primarschule mit einem selbst programmierten Computerspiel.
Die Spieler konnten per Mausklick bestimmen, wie sich ein Dialog entwickelte. Nur hatte die Sache einen Haken: Auf anderen Bildschirmen funktionierte das Spiel nicht richtig. «Ich hatte es halt schlecht programmiert», erzählt sie lachend. Aus solchen Versuchen wurde später ihre berufliche Leidenschaft.
Vom Vater unterstützt
Gefördert wurde sie dabei von ihrem Vater, der selbst in der Software-Industrie arbeitet. Er zeigte ihr, wie man mit HTML und CSS Internetseiten aufbaut und gestaltet. Später schenkte er ihr einen Raspberry Pi, einen kleinen Computer, auf dem sie die Programmiersprache Python kennenlernte. «Ich denke mich gerne in Dinge hinein», sagt Louana Berger, die schon als Kind verstehen wollte, wie etwas funktioniert. Die Begeisterung für Computer scheint in der Familie zu liegen, denn auch ihr älterer Bruder hat eine Informatiklehre absolviert.
Lehre in Zuchwil
Nach der Schule in Oberbuchsiten und Neuendorf sowie einem Jahr an der Kantonsschule Olten begann sie ihre Informatiklehre bei der Scintilla AG in Zuchwil und absolvierte die Berufsmaturität. Der Einstieg fiel ihr nicht leicht: «Die meisten meiner Mitschüler hatten schon viel mehr Erfahrung als ich.» Deshalb arbeitete sie im ersten Lehrjahr abends aus eigener Initiative den Stoff nach, den andere bereits beherrschten. So holte sie ihren Rückstand auf und entdeckte dabei immer mehr Freude daran, «mit ein paar Zeilen Code und etwas Logik etwas Eigenes kreieren» zu können.
Heute arbeitet Berger bei der Bitforge AG in Zürich und studiert berufsbegleitend Informatik an der FHNW in Brugg. «Zur Softwareentwicklung gehört mehr als nur Programmieren», betont sie. Zuerst müsse man gemeinsam mit Kunden herausfinden, was diese benötigen, danach folgen Planung, Entwicklung und Tests. Auch KI-Werkzeuge wie Claude haben inzwischen Einzug in ihren Arbeitsalltag gehalten.
Bei SwissSkills sehr gute Ergebnisse
An den SwissSkills, den Schweizer Berufsmeisterschaften, erreichte Louana Berger bereits 2023 den dritten und 2025 den vierten Rang. Damit qualifizierte sie sich für die Weltmeisterschaft in Shanghai, auf die sie sich seit Januar mit einem wöchentlichen Trainingstag intensiv vorbereitete. Bitforge stellte sie teilweise von der Arbeit frei, zudem reduzierte sie ihr Studienpensum. «Natürlich gehört zu so einer Vorbereitungsphase auch Verzicht», beschreibt sie das intensive Training.
Zuerst Verunsicherung
Die eigentliche Überraschung erwartete sie erst in Shanghai: Die Aufgaben unterschieden sich erheblich von jenen früheren Weltmeisterschaften. Berger hatte sich vor allem auf Anwendungen für Handys und Computer vorbereitet, stattdessen waren auch ungewohnte Softwaretests, die Fehlersuche in fremden Programmen und das Erstellen von Programmbausteinen gefragt. «Zuerst dachte ich: Nicht so cool. Wir hatten ja sehr viel für andere Bereiche trainiert.» Die Kollegen im Schweizer Team munterten sie auf und halfen ihr über den ersten Dämpfer hinweg. Vier Tage lang arbeitete sie unter grossem Zeitdruck, bis am Ende feststand, dass sie tatsächlich die Bronzemedaille gewonnen hatte. Die Freude bei ihr und dem Team war natürlich riesig nach den Anfangsschwierigkeiten. Insgesamt brachte die Schweizer Delegation gar zwölf Medaillen nach Hause.
Nette Leute, aber ständige Überwachung
Auch abseits des Wettbewerbs war Shanghai für Louana Berger eine andere Welt, zumal sie Europa zuvor noch nie verlassen hatte. Die Hochhäuser beeindruckten sie ebenso wie die Freundlichkeit der Menschen. «Ich habe mit den Einheimischen nie etwas Schlechtes erlebt», erzählt sie strahlend. Befremdlich fand sie hingegen die vielen Überwachungskameras. «Du konntest keinen Meter laufen, ohne dass dich drei Kameras angeschaut haben.» Sogar im Grünen seien ihr Kameras aufgefallen. Auf Überwachung war sie eingestellt, die ständige Präsenz aber sei gewöhnungsbedürftig gewesen.
Grosser Zusammenhalt
In Erinnerung geblieben sind ihr die Begegnungen mit Berufsleuten aus zahlreichen Ländern. Nach der Rangverkündigung feierten die Konkurrenten gemeinsam und freuten sich füreinander wie eine grosse Familie. Besonders emotional wurde es für sie, als sie ihre nach Shanghai gereisten Eltern in einer Mittagspause erstmals umarmte. «Da kamen mir schon die Tränen. Ich habe mich sehr unterstützt gefühlt.»
Herzlicher Empfang in Oberbuchsiten
Nicht weniger bewegt war sie nach ihrer Heimkehr. Der Empfang in Oberbuchsiten und die vielen Glückwünsche und Briefe überwältigten sie. «Das hat mir viel bedeutet», sagt Louana Berger, die mit ihrem Heimatdorf seit ihrer Kindheit eng verbunden ist. Seit sie klein ist, gehört sie dem Turnverein an, wo sie früher Geräteturnen und Leichtathletik betrieb. Heute trifft sie sich jeden Freitagabend mit den Aktiven zu wechselnden Sportarten – derzeit wird zusätzlich für die Turnerunterhaltung im November geprobt.
Kochen mit dem Freund
Viel freie Zeit bleibt neben Arbeit, Studium und Sport nicht. Berger spielt seit ihrer Kindheit Gitarre und bringt sich nun selbst das Klavierspielen bei. Gerne kocht sie ausserdem mit ihrem Freund und probiert neue vegetarische Rezepte aus. Im kommenden Frühlingssemester wartet bereits das nächste Abenteuer: An der Universität Alicante möchte sie ihr Spanisch verbessern, neue Menschen kennenlernen und ihre Komfortzone verlassen.
«Ich möchte unbedingt mehr von der Welt sehen und einmal eine Weltreise machen», sagt die unternehmungslustige Informatikerin und blickt lächelnd in die Zukunft.