Nach 17 Jahren hat Jeannette Wyss-Roth die Führung des Restaurants Linde in Kappel abgegeben. Die 64-Jährige geht in Pension und überlässt den traditionsreichen Familienbetrieb den neuen Pächtern Sinem und Oktay Öner. Das Ehepaar aus Hägendorf eröffnet die «Linde» am 9. November wieder und will ihre bewährte Ausrichtung weiterführen. Jeannette Wyss-Roth bleibt dem Restaurant als Eigentümerin verbunden.
«Ich gehe glücklich in Pension», sagt die vitale Vollblutwirtin. Sie habe ihren Betrieb und ihre Gäste immer geliebt, nun wolle sie mehr Zeit für ihre Familie haben. Wichtig sei ihr, den Zeitpunkt selbst gewählt zu haben: «Ich kann jetzt auf eigenen Wunsch aufhören, ohne dass mein Körper für mich entscheidet.»
1960 kauften Wyss-Roths Schwiegereltern die «Linde» und führten sie 35 Jahre lang. Danach übernahmen ihre Schwägerin und deren Mann den Betrieb, bevor er vorübergehend verpachtet wurde. 2009 wurde Jeannette Wyss-Roth selbst Wirtin. Ein Sprung ins kalte Wasser: Ohne gastronomische Berufserfahrung eignete sie sich das nötige Wissen in der Praxis und durch Weiterbildungen an.
Dorfbeiz und Speiserestaurant
«Aus dem gemütlichen Dorfrestaurant ist vor allem auch ein Speiserestaurant geworden», beschreibt Wyss-Roth den Wandel in ihrer Zeit. Mit dem Rauchverbot und den veränderten Gewohnheiten der Gäste gewann die Küche an Bedeutung. Sie stellte Fachleute ein und erweiterte das Angebot. Die Geselligkeit blieb: Am runden Stammtisch wird weiterhin gejasst, Vereine kehren nach ihren Anlässen ein, Familien feiern ihre Feste. Gerade die Verbindung aus guter Küche und unkompliziertem Zusammensein zeichnet für sie die «Linde» aus.
Vollgas in schwierigen Zeiten
Besonders gefordert war das Team während der Corona-Zeit. «Wir haben einfach Vollgas gegeben», erinnert sich Wyss-Roth. Die «Linde» bot Take-away an und lieferte Mahlzeiten bis nach Rothrist. Eine Firma blieb dem Angebot bis zum Wirtewechsel treu: Ihre Mitarbeitenden holten täglich bis zu zehn Menüs in der «Linde» ab.
Dass es nach ihrer Pensionierung weitergeht, war zunächst offen. Die Suche nach einer Nachfolge brachte nur wenige Anfragen und keine passende Lösung. Schliesslich erfuhren Sinem und Oktay Öner durch Gäste ihres Restaurants Homberg in Hägendorf, dass die «Linde» neue Wirtsleute suchte. «Ich wusste vorher gar nicht, dass Frau Wyss-Roth aufhört», erzählt Sinem Öner.
Nachfolge ist ein Glücksfall
Um sich ein Bild von den möglichen Nachfolgern zu machen, besuchte Wyss-Roth mit ihrer Familie das Restaurant Homberg. Der positive Eindruck bestärkte sie in ihrem Entschluss, die «Linde» den Öners anzuvertrauen. «Ich mache Nägel mit Köpfen», sagt sie über ihre entschlossene Art. Die gefundene Nachfolge bezeichnet sie als Glücksfall für das ganze Dorf, denn gerade die Vereine seien auf solche Treffpunkte angewiesen. Den neuen Pächtern wünscht sie alles Gute und möchte ihnen bei Bedarf auch künftig beratend zur Seite stehen. Ganz verabschieden wird sie sich von der «Linde» ohnehin nicht: Als Eigentümerin bleibt sie mit dem Restaurant verbunden und will künftig auch gerne als Gast vorbeischauen.
Viel Erfahrung in der Gastronomie
Sinem Öner bringt langjährige gastronomische Erfahrung mit. Die gelernte Detailhandelsfachfrau war über sieben Jahre in der Gastronomie von Coop tätig. Daneben begann sie, kunstvoll verzierte Torten auf Bestellung herzustellen. Aus den ersten Aufträgen entwickelte sich ein eigenes Geschäft: Im Juni 2024 eröffnete sie mit ihrem Mann Oktay in Hägendorf Butterfly’s Kitchen, eine Bäckerei für türkische Spezialitäten und Festtagstorten mit Cateringangebot. Später übernahm sie das Restaurant Homberg, das sie nach eigenen Worten mit viel Herzblut wieder aufbaute. Dieses geben die Öners mit dem Wechsel nach Kappel auf. Die Torten und Caterings bleiben jedoch Teil von Sinem Öners Arbeit, vorerst in kleinerem Umfang. «Das ist meine Leidenschaft, darauf möchte ich nicht verzichten», sagt die dreifache Mutter.
Bewährtes und Neues
In der «Linde» setzt sie auf Kontinuität. «Wir möchten das Restaurant so weiterführen, wie Jeannette Wyss-Roth es aufgebaut hat.» Die traditionelle Küche, die Metzgete und die Wildgerichte bleiben. Für Weihnachten und das neue Jahr plant sie zusätzliche Anlässe und Spezialitäten. Auch ihr Cateringangebot will sie in den neuen, grösseren Betrieb einbringen. Neue Ideen sollen das Bestehende ergänzen, nicht ersetzen. An den Räumlichkeiten ändere sich vorerst nichts, sagt Öner. Auch beim Team setzt Sinem Öner auf eine Mischung aus Bewährtem und Neuem. Drei bisherige Mitarbeitende bleiben der «Linde» erhalten. Eine von ihnen, die bisher als Aushilfe tätig war, übernimmt künftig die Leitung der Küche. Dazu kommen neue Kräfte, die Öner teilweise bereits aus ihrer bisherigen Tätigkeit kennt. Auch ihr Mann Oktay wird beim Start mit anpacken, während sie selbst die Verantwortung für den Betrieb übernimmt. Besonders am Herzen liegt ihr, dass sich die bisherigen Stammgäste auch unter der neuen Führung weiterhin wohlfühlen. Den persönlichen Austausch schätzt sie sehr: «Ich möchte mit den Gästen ins Gespräch kommen und freue mich, immer wieder neue Menschen kennenzulernen.»
Neueröffnung:
Montag, 9. November, 16 Uhr
Atrinkete mit Apéro:
Samstag, 14. November, ab 18 Uhr
Öffnungszeiten ab 16. November:
Montag bis Samstag, 8.30 bis 24 Uhr, durchgehend. Sonntag Ruhetag.
www.linde-kappel.ch