Lange Strecken übers Feld, kaum Steigung und noch weniger Schatten – so lässt sich die Veloroute von Oberbipp nach Winznau beschreiben. Wer einen nicht allzu heissen Tag erwischt, der kann so ganz entspannt das gesamte Anzeigergebiet erkunden. Markus Capirone vom Velobüro Olten hat ausserdem noch zwei weitere Streckentipps.
Seine Gedanken schweifen lassen, neue Gegenden erkunden, etwas für die eigene Fitness tun und ganz nebenbei klimaneutral von A nach B kommen: Ja, Radfahren ist einfach eine schöne Sache. Was wäre also eine sportliche Sommerserie ohne Tipps für eine Velotour?
Wer auf der Seite von swissmobil.ch nach passenden Routen sucht, dem fällt auf: Es gibt eine, die sogar quer durchs Anzeigergebiet führt. Von Oberbipp durchs Gäu nach Olten und vor dort bis nach Winznau – eine Gelegenheit, die ergriffen werden sollte.
Kreuzende Traktoren
Los gehts am Bahnhof Oberbipp. Auf der gegenüberliegenden Seite der Bahngeleise sticht einem das kleine rote Schild von Veloland Schweiz ins Auge, das die Richtung der Jurasüdfuss-Route Nr. 50 anzeigt. Erwähnenswert hierbei: Es handelt sich um die erste offizielle Radwanderwegstrecke des Landes. Sie wurde 1991 anlässlich des 700-Jahr-Jubiläums der Schweiz eingeweiht.
Nach einem kurzen Abschnitt durchs Quartier gehts raus aufs Feld und ab auf den Veloweg. Links die Bahngeleise, rechts Landwirtschaftsfelder, radelt man dem Hauptsitz der Landi Bippgäuthal AG in der Ferne entgegen. Stets begleitet vom Zirpen der Grillen und dem Duft von Raps, der einem in die Nase steigt. Es sind Eindrücke, die einen auf den kommenden 26 Kilometern in Richtung Olten noch oft begleiten werden. Auch dass der eine oder andere Traktor den Weg kreuzt, ist keine Seltenheit.
Sonst ist die Strecke verkehrsarm, deshalb sehr sicher und auch für Veloanfängerinnen und -anfänger machbar. Die einzige etwas heiklere Passage folgt in Niederbipp. Hier führt der Weg durchs Dorf, an der Kirche vorbei und dann kurz auf die stark frequentierte Hauptstrasse.

Kurze Erholung im Wald
Wer Niederbipp hinter sich gelassen hat, radelt durch einen Tunnel unter der A1 hindurch. Entlang langer Felder und vorbei an hübschen Baumalleen, geht es in Richtung Gäu. Es folgt der einzige kühlere Abschnitt der Strecke: ein kurzes Stück durch den Wald Aebisholz. Vorher und nachher ist Schatten Mangelware. Auch wenn die Route keinen nennenswerten Anstieg beeinhaltet – bei sommerlichen Temperaturen gerät man so trotzdem ganz schön ins Schwitzen.

Pause im Angesicht Gottes
Bald gelangt man nach Kestenholz. Wer hier schon eine Pause braucht, der kann sich zwischen gleich drei Restaurants entscheiden: Der Eintracht, dem Waldheim und dem Kastanienbaum (Öffnungszeiten beachten). Wer lieber etwas von Zuhause einpackt, der findet kurz nach Kestenholz Gelegenheit sich zu verpflegen. Es folgt nämlich ein Highlight auf der Route: Die kleine Kapelle St. Peter und Paul.
In die denkmalgeschützte Kapelle hinein kann man zwar nicht, der Sockel und die schöne Wand- und Fenstermalerei lassen sich aber dank Glastür auch von draussen bewundern. Eine Tafel bietet ausserdem interessante Informationen zum Gotteshaus, welches im Jahr 1311 erstmals erwähnt wurde. Rund um die Kapelle befindet sich ein Pärkchen, in dem sich die Bänke unter der grossen Linde für eine kleine Pause anbieten.

Am Kaffe-Mekka vorbei
Frisch gestärkt kann die Fahrt weitergehen. Ein kurzer Schotterweg führt entlang des Chrebskanals auf die nächste Landwirtschaftsfläche, die parallel zur Autobahn verläuft. In Niederbuchsiten passiert man die Kaffee-Zentrale im Gäu: Sowohl die Dallmayr Coffee Academy wie auch die Jura liegen entlang der Route.
Von hier an wechseln sich Felder mit kurzen Passagen durch Härkingen und Hägendorf ab, bis schliesslich Wangen naht und die Dünnern. Das Naturschutzgebiet bietet sich für einen Stopp an oder für eine kurze Abkühlung der fleissigen Füsse.
Über die Dünnernbrücke hebt sich der Veloweg schliesslich aus der Landschaft empor und in der Ferne sind schon die beiden Türme der Oltner Martinskirche zu sehen.
Abschluss entlang der Aare
Flugs ist die Stadt erreicht, wo einem alle Optionen offenstehen: Ein Zmittag, eine Glace oder ein kaltes Bier. Ansonsten gehts durch die gut ausgeschilderte 30erZone zur Aare.
Wer will, kann von hier auf die Route acht/fünf wechseln und entlang der Aare nach Winznau radeln. Das lohnt sich, ist es doch der hinsichtlich Natur wahrscheinlich schönste Abschnitt der Strecke: Nach 26 Kilometern erreicht man so in geschätzten zwei Stunden, und ohne viele Gangwechsel, den anderen Rand des Anzeigergebiets.

Markus Capirone: «Wir sind hier nicht auf Island»
Wer mehr übers Velofahren in der Region Thal Gäu Olten erfahren will, der ist bei Markus Capirone an der richtigen Adresse. Er ist nicht nur Mitinhaber des Velobüros Olten, sondern auch Pionier des nationalen Velonetzes. Gemeinsam mit Beatrice Nünlist, Thomas Ledergerber und dem Schweizer Tourismusverband hat er 1995 die Stiftung Veloland Schweiz gegründet. Aus Olten heraus wurden von da an neun nationale und zahlreiche regionale Velorouten entwickelt. Heute sind all diese inklusive weiterer Routen fürs Wandern, Kanufahren oder Skaten auf der Website und App von «Schweizmobil» abrufbar. www.schweizmobil.ch
Markus Capirone, welche Fahrradrouten würden Sie im Gebiet Thal Gäu Olten empfehlen?
Es gibt zwei Routen, die mir da einfallen. Zum einen die Nr. 54 von Welschenrohr über Herbetswil nach Balsthal. Von hier aus kann man auf die Route 71 wechseln und über Oensingen nach Kestenholz radeln. Oder man bleibt auf der Route 54 und fährt weiter nach Langenbruck. Auch eine sehr schöne Strecke ist die Aare-Route Nr. 8, von Wolfwil über Fulenbach am Stauwerk Boningen vorbei nach Olten. Auf diesem Abschnitt gibt es in der alten Aare Bademöglichkeiten, ein schönes Waldstück und das naturnahe Gebiet bei den Kiesgruben in Boningen.
Was zeichnet die Velorouten in der Region Ihrer Meinung nach aus?
Zum einen sicher, dass sie meist sehr flach sind. Es mag Leute geben, die das langweilig finden. Für einen schönen Sonntagsausflug, oder für jene, für die Training nicht an vorderster Front steht, ist das aber ideal. Die zweite Charakteristik ist unsere Agrar- und Industrielandschaft, typisch für das Mittelland – da darf man nicht gross reklamieren.
Wie meinen Sie das?
Wir sind hier nicht auf Island, wir haben keine «Wow-Landschaft», die einem sofort ins Auge springt. Wir sind im Siedlungsgebiet und müssen uns deshalb an den Dingen freuen, die uns entlang des Weges begegnen. Da gibt es einiges zu entdecken: Viel Kultur und schöne alte Bauernhäuser zum Beispiel. Wer sich etwas Zeit nimmt, der wird belohnt.
