Mit spitzer Feder

Nicolas Russi

Ein Ehepaar mit grossem Reisegepäck im Zug (so oder ähnlich mitgehört).
Sie: Wo haben wir eigentlich am zweitletzten Abend gegessen?
Er: Weisst du das schon nicht mehr? Im hinteren Dorfteil, du hattest zum zweiten Mal Spaghetti mit Crevetten.
Sie: Aber die waren weniger gut als am dritten Abend.
Er: Dafür gab es hier einen Limoncello, während wir beim anderen noch eine Gedeckgebühr bezahlen mussten.
Sie: Bei dem war der Kafi aber 30 Cents billiger als am sechsten Abend.
Er: Stimmt, das war völlig überrissen, und dann war das Poloshirt des Kellners auch noch schmutzig.
Sie: Wenigstens war der Tintenfisch-Cocktail frisch.
Er: Ja, viel frischer als am ersten Abend, das war eine falsche Wahl.
Sie: Wir mussten uns halt zuerst mal zurechtfinden. – Das Essen am fünften Tag war zweifellos am besten.
Er: Auch am teuersten – und der Service am unfreundlichsten.
Sie: Es sind halt nicht alle so nett wie dieser Antonio beim zweiten Znacht.
Er: Der war mir eindeutig zu aufdringlich. Mit seinem aufgeknöpften Hemd und der Goldkette.
Sie: Aber immer noch anständiger als dieses aufgetakelte Blondchen am fünften Abend. Die hatte ja fast gar nichts an.
Er: Es war ja auch der heisseste Abend …
Sie: Übrigens … was essen wir eigentlich heute, zu Hause?
Er: Machen wir uns eine Bratwurst auf dem Grill? Da weiss man, was man hat.

Der Autor hofft, dass Ihre Ferienreise mehr Eindrücke und Erlebnisse geboten hat beziehungsweise bieten wird als die Rückschau auf ein paar Abendessen …