Mit spitzer Feder

Sara Liechti

Wer hätte gedacht, dass ein altes Wagenrad einmal Weihnachtsgeschichte schreiben würde? 1839 stellte derTheologe Johann Hinrich Wichern für die Kinder eines Waisenhauses jeden Tag im Advent eine weisse Kerze darauf, an den Adventssonntagen gabs rote. So verkürzte er die Wartezeit auf Weihnachten und erfand nebenbei den Adventskranz und den Adventskalender – zwei Traditionen, die uns bis heute begleiten.

Was damals als eine schlichte Idee begann, ist heute ein wahrer «Türchen- Markt». Vom klassischen Schokoladenkalender bis zum Luxuskasten mit Champagnerfläschchen gibt es alles, was das Herz – oder der Geldbeutel – begehrt. Für die einen ist der Adventskalender eine Hommage an den Geist der Weihnacht, für die anderen einfach eine Ausrede, sich im Dezember täglich etwas zu gönnen.

Natürlich kann nicht jeder mit einem Kosmetik-Kalender oder einem 24-teiligen Detektivspiel aufwarten. Aber mal ehrlich: Ein kleines Stück Schokolade tut es doch auch. Schliesslich zählt nicht, was sich hinter den Türchen verbirgt, sondern dass wir die Tage bis Weihnachten mit etwas Freude und Licht verbringen. Und wer weiss – vielleicht hätte auch Johann Hinrich Wichern seine Freude an einem Schoggi- Kalender gehabt…

Am Ende ist der Adventskalender ja nur der Auftakt zum grossen Finale: der Päckchen-Schlacht unterm Christbaum. Da ist es doch beruhigend, wenn wir vorher schon ein bisschen üben können – ganz ohne Geschenkpapier und Tannennadeln im Weg.

Frohes Fest und möge 2025 genauso viele Überraschungen bereithalten wie ein Adventskalender – und mindestens genauso viel Freude bringen.