Amt für Denkmalpflege und Archäologie / Anzeiger Thal Gäu Olten
Die Baustelle im ehemaligen Kino Lichtspiele in Olten mit dem spätrömischen Wehrgraben. Im Mittelalter rückte der Stadtgraben näher an die Stadtmauer heran.

Der antike Wehrgraben im Kinosaal

Amt für Denkmalpflege und Archäologie thematisiert im Jahrbuch auch Oltner Projekte

Jeweils im Dezember veröffentlicht das Amt für Denkmalpflege und Archäologie sein Jahrbuch in der Reihe «Archäologie und Denkmalpflege im Kanton Solothurn». Im aktuellen Heft ist das Kino Lichtspiele ebenso ein Thema wie die Baugeschichte des christkatholischen Pfarrhauses.

Im Kino Lichtspiele nördlich der Oltner Altstadt wurden 100 Jahre lang Geschichten auf Film vorgeführt – beim Umbau des Hauses wurde der Untergrund im Dezember 2023 selbst zur Geschichte: Im ehemaligen Kinosaal stiess die Kantonsarchäologie auf den Wehrgraben der spätantiken Befestigung. Die Befestigung mit Mauer und Graben machte die römische Kleinstadt von Olten um 330 n. Chr. zu einem sogenannten Castrum. Die mittelalterliche Altstadt geht auf dieses Castrum zurück: Der Mauerring des 13. Jahrhunderts wurde auf die spätrömische Ringmauer aufgesetzt. Im Mittelalter rückte der Stadtgraben näher an die Stadtmauer heran. Er stand bis ins 19. Jahrhundert offen und wurde ab 1837 aufgefüllt. Aus dem ehemaligen Graben wurde eine Gasse, die nordwestlich, ausserhalb der Altstadt, noch immer «Graben» heisst.

Amt für Denkmalpflege und Archäologie / Anzeiger Thal Gäu Olten
Im Staatsarchiv liegen die Ausführungspläne von 1808 für den Umbau der damaligen Kornschütte an der Oltner Kirchgasse in ein Pfarrhaus. Sie dokumentieren eine wichtige Phase in der Baugeschichte der Liegenschaft.


Der Arzt Martin Fey entdeckte mehr als 50 neue Fundstellen
Mit über 10 000 Fundstücken liefert die Siedlungsstelle auf dem Buerfeld bei Lostorf die kantonsweit bislang umfangreichste Sammlung an jungsteinzeitlichen Werkzeugen, Geräten und Produktionsabfällen aus Feuerstein und Felsgestein. Die Objekte zeigen, dass zwischen 4500 und 1600 v. Chr. immer wieder ein Dorf auf diesem Geländerücken stand. Zu verdanken ist diese Sammlung dem in Olten aufgewachsenen Arzt Dr. med. Martin Fey (1931–2020). Er sammelte in der Region Olten in seiner Freizeit über 80 000 von Menschenhand bearbeitete Feuersteine und andere archäologische Objekte ein und entdeckte dabei über 50 neue Fundstellen. Seine Forschungen zeigen auf, wie dicht die Region bereits in der Jungsteinzeit besiedelt war.

Im Vorwort zum Heft thematisiert der kantonale Denkmalpfleger Wert und Nutzen von Bauinventaren. Drei Beiträge im zweiten Teil der Jahresschrift entstanden aufgrund von Dokumentationen und Quellenrecherchen. Dank eingehendem Studium von historischen Planbeständen und Schriftquellen rekonstruiert die wissenschaftliche Mitarbeiterin der Denkmalpflege die spannende Baugeschichte des christkatholischen Pfarrhauses in Olten.

Eine grosse Vielfalt von Kulturobjekten in unserem Kanton
Einige weitere Beiträge zeigen das breite Spektrum der praktischen Denkmalpflege auf – vom Gewerbebau über Kirche und Schloss bis zum Stadttor.

Das Schloss Wartenfels in Lostorf erscheint von aussen als eines der typischen barocken Anwesen des Kantons. Der Beitrag zur Restaurierung von 2017 bis 2023 korrigiert diesen Eindruck: Als der Basler Unternehmer Georg Meidinger das vernachlässigte Schloss 1918 übernahm, gestaltete er das Interieur und den Schlossgarten im Stil der damaligen Zeit um und schuf damit ein Manifest des Heimatstils. Schliesslich schaut der Denkmalpfleger dem Solothurner Baseltor buchstäblich auf die Fugen. Denn im Fokus der jüngsten Restaurierung stand das Mauerwerk mit dem markanten Fugenbild. Dessen Bedeutung als Gestaltungselement rückt damit in ein neues Licht.

Amt für Denkmalpflege und Archäologie / Anzeiger Thal Gäu Olten
Interieur Schloss Wartenfels Lostorf


Auch in den zwölf Kurzbeiträgen der Denkmalpflege spiegelt sich die Vielfalt von Massnahmen und Kulturobjekten im Kanton. Das Jahrbuch schliesst mit dem Tätigkeitsbericht der Denkmalpflege über das Jahr 2023.

Umfang 136 Seiten, broschiert, Preis: 20 Franken. Das Jahrbuch kann per sofort im Buchhandel oder beim Amt für Denkmalpflege und Archäologie, Werkhofstr. 55, 4509 Solothurn, bezogen werden. Es ist auch online verfügbar: so.ch/adso

Text: MGT & Bild: ZVG