Norbert Eggenschwiler
Mit spitzer Feder

Norbert Eggenschwiler

Wenn ich nicht wüsste, dass der gebürtige Bulgare Christo 2020 gestorben ist, würde ich meinen, die Post Balsthal wäre sein neuestes Projekt und die Post Schweiz sei bemüht, nun auch in der Provinz ihren Kunden Kunst näherzubringen. Seit geraumer Zeit zeigt sich das Gebäude verhüllt. Der Zugang ist sehr erschwert, vor allem wenn man, so wie ich, mit dem Auto ein Paket anliefern möchte. Das Paket sollte noch per A-Post weg und es ist schon Viertel vor vier. Vier Uhr ist Deadline, notabene. Ich betrete die Schalterhalle und es befinden sich mehr oder weniger gedrängt fünfzehn weitere Menschen in diesem Raum. Bekanntlich muss man sich ja noch durch irgendwelche Bitcoin-, Galaxus-, Mediamarkt-, Ikea- und andere Gutscheinkarten durchschlängeln. Oder Wärmepflaster. Oder die Biografie von Marco Odermatt. Selbst Pistaziencreme fehlt nicht, für oder gegen was sie auch immer dienen mag.

Das Beste sind jedoch die Hängegestelle mit den Edelsteinkettchen, die heutzutage getragen werden und denen man zuweilen beruhigende, heilende oder verändernde Wirkung zuschreibt. Beim Anblick der Tatsache, dass sich so viele Leute in diesem Raum befinden, die alle bedient werden wollen und ich mit Schrecken feststelle, dass nur ein Schalter besetzt ist, verstehe ich die Angebote! Meine Befürchtung gibt mir recht. Zehn nach vier bin ich an der Reihe, immer noch ist nur ein Schalter besetzt. Der Beamte meint, es sei nun unmöglich, dass das Paket am nächsten Tag seinen Zielort erreichen werde. Es gäbe zwar einen Paketautomaten, aber den müsse man auch rechtzeitig füttern.

Norbert Eggenschwiler ist sehr erstaunt, wie heute Service public funktioniert.