Rockstar Peter Maffay / Anzeiger Thal Gäu Olten
«Wenn ich Legende höre, dann denke ich immer an Urne»: Peter Maffay.

«Ich habe immer noch Bock drauf»

Deutschlands erfolgreichster Rockstar Peter Maffay steht im Juli in Kestenholz auf der Bühne

Bei seinem Besuch im Fernsehstudio in Zürich stand Peter Maffay auch dem Anzeiger TGO Red und Antwort. Ob er in Kestenholz spiele oder vor 40000 Menschen, spiele keine Rolle, sagt er: «Es macht genauso viel Spass und ich habe kein bisschen weniger Ehrgeiz!»

Beim Auftritt von PeterMaffay am 6. Juli am Festival St. Peter at Sunset in Kestenholz handelt es sich um das einzige Konzert, welches der charismatische Künstler in diesem Sommer in der Schweiz gibt. Maffay blickt auf eine 55-jährige Bühnenkarriere zurück und eroberte mit seinem aktuellen Livealbum «We love Rock’n’Roll – Leipzig 2024» zum 21. Mal in seiner Schaffenszeit Platz 1 der deutschen Charts. Kein anderer Künstler in unserem Nachbarland hat dies bis dato erreicht. Für seinen Erfolg stehen auch 50 Millionen verkaufte Tonträger.

Weil der 75-Jährige zwecks Aufzeichnung seines Auftritts in der Sendung «Sternstunde Religion» im Studio von Schweizer Fernsehen SRF in Zürich weilte, durften ausgewählte Medien, darunter der «Anzeiger Thal Gäu Olten», mit ihm ein Interview führen. Das Thema Religion ist für Maffay wichtig. Er trat als junger Mensch aus der Kirche aus, bezeichnet sich aber als religiös in dem Sinne, dass er an eine übergeordnete Instanz glaubt. Probleme, sagt er, habe er wenn schon nicht mit Gott, sondern mit dessen «Bodenpersonal ». Maffay: «Ich vermute mal, dass er ziemlich wütend darüber ist, was aktuell auf dieser Welt gerade passiert.»

Was für Musik hört sich Ihre sechsjährige Tochter Anouk an? Peter Maffay?
Sie ist gelegentlich auch bei den Konzerten mit dabei. In Leipzig hat sie mich sprachlos gemacht, weil sie unten im Graben stand mit einem selbstentworfenen kleinen Plakat, darauf stand: «Papi, ich hab’ dich lieb.»

Das rührt zu Tränen, oder?
Ja, da hatte ich einen Kloss im Hals und konnte eine Zeitlang kaum mehr richtig singen. Aber zu Ihrer Frage: Sie hört oft Hörspiele und natürlich auch viel Musik, hat da ihre Favoriten, die in ziemlich raschem Tempo auch mal wechseln. Und sie kriegt jetzt auch Klavierunterricht. Aber ich glaube nicht, dass meine musikalischen Beiträge bei ihr ein Schwerpunkt sind.

Sie treten im Juli in der Schweiz auf. Haben Sie einen speziellen Bezug zu unserem Land?
Im Laufe der Jahre haben wir sicher 30 Mal in der Schweiz gespielt, vor allem das deutschsprachige Publikum ist seit Jahrzehnten Teil unseres Tourlebens. Ich bin immer gerne hierhergekommen, weil ich vor der Geschichte und der Gesellschaft des Landes grossen Respekt habe. Mit meinen rumänischen Wurzeln bin ich auch in einem Land mit vielen ethnischen Klängen geboren worden, es war ganz normal, dass wir als Kinder drei Sprachen gesprochen haben. Ich fand das immer bemerkenswert und erstrebenswert, wenn eine Gesellschaft sich so ordnen konnte, dass man respektvoll miteinander umgegangen ist. Die Schweiz ist aber auch einfach ein schönes Land: Die Architektur, die Künste und die Traditionen – es gibt einige Aspekte, weswegen ich auch in Zukunft gerne herkomme.

Ich gehe aber richtig in der Annahme, dass Sie das Festival St. Peter at Sunset vor der Anfrage aus Kestenholz nicht kannten?
Das ist richtig.

Wissen Sie, wie wunderschön das Ambiente dort ist? Sie dürfen sich wirklich freuen, zumal die Festivalmacher zumeist Wetterglück haben.
Von Bildern her, ja. Ich glaube wirklich, dass wir einen kleinen Familienausflug in die Schweiz machen werden. Und genügend Zeit haben, auch das Drumherum noch mitzubekommen und zu geniessen. Wir machen das ja öfter. Wir packen alles, was wir brauchen, in mein kleines Wohnmobil, und dann fahren wir los. Mein Auftritt am Festival St. Peter at Sunset könnte ein guter Anlass sein, es genauso zu machen.

Ich kann es Ihnen nur empfehlen. Sie treten ja zwei Wochen vor dem Auftritt in Kestenholz zweimal in der Loreley auf, ich sage ganz unbescheiden: Da gibts nur noch eine Steigerung – das Festival St. Peter at Sunset!
(lacht) Na, die Loreley ist natürlich auch ganz schön. Wir spielen ja zuvor auch noch an einem anderen bemerkenswerten Ort, im Osten Deutschlands, in Schwarzenberg. Nicht ohne Grund nennen wir die Bühnen, die wir diesen Sommer bespielen werden, «Love Places». Wir haben uns vorgenommen, in Zukunft an solchen Orten aufzutreten.

Es freut unsere Region natürlich sehr, dass Sie in Kestenholz auftreten werden. Macht es für Sie eigentlich rein vom Gefühl her einen Unterschied, ob Sie vor 40000 oder vor 5000 Menschen spielen?
Nicht wirklich. In dem Augenblick, wo man vor Publikum spielt, sind die Kriterien, die damit zusammenhängen, ähnlich. Ob das nun viele Menschen sind oder wenige, das Lampenfieber wird immer da sein. Die Bemühung, das Publikum zufriedenzustellen, wird immer da sein. Wir haben in der Vergangenheit zwischendurch immer mal wieder auf sehr kleinen Bühnen gespielt – ich meine wirklich klein. Ich habe festgestellt, das macht erstens genauso viel Spass und es ist kein bisschen weniger Ehrgeiz drin von meiner Seite, die genannten Kriterien einzuhalten. Wenn unten die Leute stehen und zu mir rauf schauen, haben die genügend Kraft, um mich bei der Stange zu halten.

21 Nummer-1-Alben, erfolgreichster deutscher Rockstar, Legende: Wie gehen Sie persönlich damit um, wenn Sie solche Attribute über sich selber lesen? Provoziert das Gänsehaut bei Ihnen oder lassen solche Superlativen Sie eher kalt?
Also wenn ich Legende höre, dann denke ich immer an Urne. (Gelächter in der Runde im SRF-Medienraum) Ich denke immer, dass Legenden eigentlich tot sind.

Sie hören das Wort nicht gerne?
Es gibt mit Sicherheit andere Dimensionen, die man dann in die Nähe eines solchen Begriffes rückt, ja. Aber ernsthaft: Wir waren zäh! Und haben durchgehalten, sonst wäre das alles nicht passiert. Und ich habe immer noch Bock drauf, das ist ganz einfach! Wenn das Feuer irgendwann erlischt, dann wars das. Das habe ich aber noch nicht vor.

Mit Ihrer Schlagervergangenheit gehen Sie völlig unverkrampft um, oder täuscht das? Sie singen diese Songs ja auch alle live.
Alle?! Um Gottes Willen, nein … Da gab es schon Sachen, die man nicht wiederholen muss. Aber «Du» zum Beispiel, der Song, der für mich Türöffner war, er ist mir jahrelang gefolgt. Bis ich irgendwann mal genug davon hatte. Sich von diesem Image zu lösen, war nicht leicht. Als dieser Lernprozess vorbei war, das dauerte etwas 15 Jahre, und wir uns musikalisch glaubhaft in eine andere Richtung hinein bewegt hatten, so dass die Leute wirklich anfingen, uns diesbezüglich ernstzunehmen, fiel mir auch der Umgang mit diesen älteren Songs leichter. Heute persifliere ich auch den einen oder anderen Song und spiele ihn mit einem gewissen Humor. Wenn ich auf der Bühne den Sprechteil von «Du» von mir gebe und das Versprechen abgebe – (lacht): Das glaubt mir sowieso keiner mehr. Aber ich löse bei den Menschen und auch bei mir selber Erinnerungen aus. Auch dann, wenn wir «Es war Sommer» singen und ich singe «ich war sechszehn», und die ganze Meute schreit «und sie einunddreissig »…

Gibts noch unerfüllte Träume oder Ziele für Sie? Sie haben eben gesagt, Sie hätten ein erfülltes Leben, seien glücklich.
(überlegt) Das mag jetzt ein bisschen pathetisch klingen: Ich wünsch’ mir, dass wir in Frieden leben. Dass wir in der Lage sind, diese Aufgaben, denen die Menschheit gegenübersteht, zu bewältigen. Ich wünsche mir, dass die Kinder in eine lebenswerte Zukunft hineinwachsen. Im Augenblick gibt es sehr viele Fragezeichen, ob wir das alles hinkriegen. Aber die kommende Generation hat ein Recht darauf, dass wir uns bemühen, es hinzukriegen. Ich wünsche mir, dass unsere Kinder eine Chance haben auf eine positive Lebensperspektive. Ich wünsche mir, dass wir für die Menschen auf der Welt, die kein Zuhause haben und hungern – und es werden jeden Tag mehr – eine bessere Welt schaffen können.

Hinweis: Die Sendung «Sternstunde Religion » mit Peter Maffay wird am kommenden Sonntag, 16. März, um 10 Uhr auf SRF 1 ausgestrahlt.

Infos und Tickets zum Festival St. Peter at Sunset: www.sunsetevents.ch

Text: NIK & BiId: Siggi Bucher