Schloss Neu-Bechburg / Anzeiger Thal Gäu Olten
Hoch über Oensingen: Das Wahrzeichen Neu-Bechburg öffnet seine Tore am Wochenende für das Jubiläumsfest.

Das Wahrzeichen ist lebendig und erlebbar

50 Jahre Stiftung Schloss Neu-Bechburg – ein Jubiläumsfest für die ganze Region Oensingen am Wochenende

Hoch über Oensingen thront Schloss Neu-Bechburg – seit Jahrhunderten prägend für das Dorfbild, seit 50 Jahren getragen von einer Stiftung. Am kommenden Wochenende wird dieses halbe Jahrhundert Stiftungsgeschichte gefeiert. Nicht mit einem steifen Festakt, sondern mit einem bewusst offenen Jubiläumswochenende, das das Schloss als lebendiges Wahrzeichen von Oensingen erlebbar macht.

Für Max Misteli, OK-Mitglied und treibende Kraft hinter dem Jubiläum, ist klar: «Dieses Schloss gehört nicht einer Institution, es gehört den Menschen hier.» Entsprechend breit ist das Programm angelegt: Für Familien, Kulturliebhaber, Neugierige und für all jene, die vielleicht schon lange nicht mehr den Weg hinauf zur Bechburg gefunden haben.

Ein Schloss öffnet sich
Der Auftakt erfolgt am Samstag mit einem Familiennachmittag, bei dem sich die Bechburg in ein Märchenschloss verwandelt. In den historischen Räumen wird erzählt, gesungen, gestaunt und gelacht. Kinder können sich verkleiden, einem Zauberer begegnen oder im Puppentheater in andere Welten eintauchen. Für Misteli ist dieser Programmpunkt zentral: «Wenn Kinder hier positive Erinnerungen sammeln, dann ist das vielleicht der beste Beitrag für die Zukunft des Schlosses.»

Am Abend folgt mit dem Kuoni-Jass ein bewusst niederschwelliger Anlass. Gespielt wird nicht aus Ehrgeiz, sondern aus Freude am Zusammensein. Der Name nimmt Bezug auf den legendären Schlossgeist Kuoni, welcher der Bechburg seit Jahrhunderten nachgesagt wird. Der Jassabend soll zeigen, dass das Schloss nicht nur Kulisse für Hochzeiten oder Konzerte ist, sondern auch Raum für Geselligkeit bietet.

Schloss Neu-Bechburg / Anzeiger Thal Gäu Olten
«Das Schloss Neu-Bechburg gehört eigentlich den Menschen hier», sagt OK-Mitglied Max Misteli.


Geschichten aus 50 Jahren
Der Sonntag rückt das Erzählen in den Mittelpunkt. Beim «Talk im Schloss», moderiert von Max Misteli, kommen Menschen zu Wort, die das Schloss in ganz unterschiedlichen Rollen erlebt haben: als Ferienort in der Kindheit, als Arbeitsplatz, als Bühne, als Ort besonderer Lebensmomente. Unter den Gästen sind Zeitzeugen, der langjährige Schlossarchitekt, der Schlosswart sowie der Fotograf und Journalist Alois Winiger, der Oensingen und die Bechburg über Jahrzehnte dokumentiert hat.

«Es geht nicht um Politik und nicht um Botschaften», betont Misteli. «Es geht um Erinnerungen, um persönliche Zugänge – und um die Frage, was dieses Schloss für uns als Dorf bedeutet.» Gerade diese Mischung aus Rückblick und Alltagsgeschichten mache den Reiz des Talks aus. Im Anschluss erfüllt klassische Musik die Schlossräume. Junge Musikerinnen und Musiker gestalten ein Konzert, das den historischen Rahmen bewusst aufnimmt, ohne ihn zu verklären.

Kuonis Blick auf Oensingen
Ab dem frühen Nachmittag öffnet die Bilderausstellung «Kuonis Blick auf Oensingen und sein Schloss in den letzten 50 Jahren». Sie ist für Max Misteli ein Herzstück des Jubiläums, weil sie bewusst über das Schloss hinausblickt und zeigt, wie eng dessen Geschichte mit jener des Dorfes verwoben ist.

Ein interessantes Motiv ist die Ansiedlung der Höheren Technischen Lehranstalt (HTL). Ein Plakat erinnert an die Volksabstimmung von 1991, als sich Oensingen klar als Standort durchsetzte. Für einige Jahre wurde das Dorf zu einem Ort des Aufbruchs, der Bildung und des Zusammenhalts, bevor die Schule später wieder verlegt wurde. «Dieses Beispiel zeigt, wie gross der Gestaltungswille im Dorf war – und welche Weichenstellungen Oensingen geprägt haben», sagt Max Misteli.

Eine weitere Tafel gilt dem Kunstmarkt auf Schloss Neu-Bechburg, der von 2011 bis 2019 jährlich stattfand. Was als einmalige Initiative begann, entwickelte sich zu einer festen Institution mit Bilderund Skulpturenausstellungen regionaler Kunstschaffender, begleitet von Talks und Begegnungen. Initiiert wurde der Kunstmarkt aus der Beobachtung heraus, dass es für viele Künstlerinnen und Künstler kaum öffentliche Ausstellungsflächen gab. «Da war jeweils richtig Leben im Schloss», erinnert sich Misteli – genau dieses kulturelle Pulsieren wird in der Ausstellung sichtbar.

Das dritte Beispiel führt zurück zur Basis: zur oft unsichtbaren Arbeit an der Bausubstanz. Fotografien aus den 1970er- Jahren zeigen die Bechburg in bröckeligem Zustand, eingerüstete Fassaden, offene Mauern. Daneben stehen aktuelle Aufnahmen des restaurierten Schlosses. Über 11 Millionen Franken wurden in 50 Jahren in Etappen investiert. «Ohne diese kontinuierliche Arbeit gäbe es heute kein Schloss, das man beleben könnte», sagt Misteli. Die Ausstellung macht diese Leistung sichtbar, ohne sie zu verklären.

Schloss Neu-Bechburg / Anzeiger Thal Gäu Olten
In insgesamt 26 Bauetappen wurde das Schloss, das 1975 bröckelig und nur noch zum Teil bewohnbar war, mit viel Sorgfalt restauriert und renoviert.


Szenische Führungen mit Schwager
Ergänzt wird die Ausstellung durch szenische Schlossführungen. Schauspieler Christoph Schwager führt als «Kuonis Knecht» durch die Räume und erzählt Geschichten, wie sie sich vor Jahrhunderten hätten zutragen können. In der Küche wird über dem Feuer gekocht, im Musikzimmer erklingen alte Melodien, in der Studierstube wird Schlossgeschichte greifbar. Das Schloss wird an diesem Sonntag nicht erklärt, es wird erlebt.

Zwischen Geschichte und Zukunft
Das Jubiläum ist auch ein Moment der Standortbestimmung. Die Stiftung Schloss Neu-Bechburg entstand 1975 aus der Idee heraus, das damals stark sanierungsbedürftige Schloss der Öffentlichkeit zu erhalten. In fünf Jahrzehnten wurde enorm investiert – in die Bausubstanz, in den Erhalt, in die Zugänglichkeit. Nun rückt vermehrt die Frage in den Fokus, wie das Schloss künftig genutzt und finanziert werden kann. «Das Schloss ist wie eine Patientin, die gut betreut werden muss», sagt Misteli mit einem Augenzwinkern – geprägt von seinem medizinischen Beruf. «Es ist widerstandsfähig, aber auf Pflege angewiesen. » Die neue kantonale Schlösserstrategie und die anstehenden Diskussionen im Stiftungsrat sollen dabei helfen, den richtigen Weg zwischen öffentlichem Zugang und wirtschaftlicher Realität zu finden. Für Misteli steht ein Wunsch im Zentrum: möglichst viele Oensingerinnen und Oensinger sollen sich mit dem Schloss identifizieren und sich dafür engagieren. Das Jubiläumswochenende versteht er deshalb nicht nur als Feier, sondern als Einladung.

Am 20. und 21. Dezember wird Schloss Neu-Bechburg zeigen, was es sein kann: ein Ort der Begegnung, der Erinnerung und der Gegenwart. Ein Wahrzeichen der Region Oensingen, das nicht nur betrachtet, sondern genutzt wird. Und ein Schloss, das auch nach 50 Jahren Stiftungsgeschichte offen bleibe für neue Geschichten, betont Max Misteli.

Der Eintritt ist frei. Für den Talk, das Konzert und eine Schlossführung wird mit Blick auf die beschränkte Platzzahl eine Anmeldung benötigt.

50 Jahre Stiftung Schloss Neu-Bechburg
Die Stiftung Schloss Neu-Bechburg wurde 1975 gegründet. Initiant war der in Oensingen aufgewachsene Chemiker Dr. Walter Pfluger, der das Schloss von der Familie Riggenbach erwarb und es im selben Jahr der Stiftung zum symbolischen Preis von fünf Franken übergab. Ziel der Stiftung war und ist es, das historische Bauwerk zu erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Zum Zeitpunkt der Übernahme befand sich Schloss Neu- Bechburg in einem teilweise schlechten baulichen Zustand. In den vergangenen 50 Jahren wurden deshalb in mehreren Etappen umfangreiche Restaurations- und Unterhaltsarbeiten durchgeführt. Insgesamt flossen über 11 Millionen Franken in den Erhalt der Anlage. Die Arbeiten erfolgten in enger Zusammenarbeit mit der kantonalen Denkmalpflege und spezialisierten Fachbetrieben.

Die Stiftung ist Eigentümerin des Schlosses und verantwortlich für dessen Unterhalt, Betrieb und Nutzung. Unterstützt wird sie seit 1980 vom Verein Freunde Schloss Neu-Bechburg, der mit Veranstaltungen, Freiwilligenarbeit und finanziellen Beiträgen zur Belebung des Schlosses beiträgt. In den vergangenen Jahrzehnten entwickelte sich Schloss Neu-Bechburg schrittweise zu einem Ort für kulturelle Veranstaltungen, private und öffentliche Anlässe sowie für Führungen und Ausstellungen.

Heute ist Schloss Neu-Bechburg Teil der kantonalen Schlösserstrategie des Kantons Solothurn, mit der ausgewählte historische Anlagen langfristig gesichert und stärker für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollen. Ziel dieser Strategie ist es, Schlösser und Burgen als kulturelle Orte, Begegnungsräume und touristische Anziehungspunkte zu positionieren. Die Stiftung Schloss Neu-Bechburg steht damit vor der Aufgabe, den historischen Charakter des Schlosses zu bewahren und gleichzeitig zeitgemässe Nutzungen weiterzuentwickeln.

Alle Infos: www.neu-bechburg.ch/eventkalender

Text & Bilder: ALA/ZVG