Mit spitzer Feder

Tanja Baumberger

Datenschutz ist eine ernste Sache. Zumindest auf dem Papier. In der täglichen Praxis wirkt er bisweilen wie eine Mischung aus Theater und Tragikomödie. Kürzlich durfte ich das mal wieder selbst erleben.

Spital: Freundlich empfangen, wurden meine Daten fein säuberlich erfasst – ein Mensch sitzt ohne Tageslicht in einer Koje und tut dies den ganzen Tag. Danach sass ich in einem offenen Raum, umgeben von etwa 20 Mitwartenden, und durfte auf einem Tablet meine Krankengeschichte eintippen. Operationen, Beschwerden, Intimes – Sie kennen das.

Kaum fertig, wurde ich von einer freundlichen Menschin abgeholt, die – man glaubt es kaum – dieselben Fragen nochmals «laut» stellte, während wir zum Ort der Untersuchung liefen. Für alle hörbar. Datenschutz, versteht sich.

Der Höhepunkt folgte beim Umziehen: Ich musste von meinen Klamotten in blaue «Papierkleider» schlüpfen – für ein MRI – so wurde ich wieder hinausgeschickt, in den Korridor. Barfuss und mit dem Hinweis, ich solle draussen warten – «wegen des Datenschutzes». Also sass ich im Spitalgewand auf dem Flur, gut sichtbar für alle Vorbeigehenden. Diskret geht anders.

Ähnlich absurd zeigt sich der Datenschutz im Schulalltag: Namen der SuS – heisst Schülerinnen und Schüler – dürfen in Mails nicht mehr genannt werden, stattdessen hantieren wir mit Kürzeln. Bei Dutzenden SuS wird das schnell zum Rätselspiel.

Datenschutz sollte Menschen schützen, nicht Prozesse verkomplizieren. Aktuell aber schützt er oft vor allem eines: die Illusion, alles im Griff zu haben. Und oftmals Täter!