Rituale
Rituale beim Abschied eines geliebten Menschen sind wichtig.

Orientierung im Umgang mit Sterben

Die Kantonale Palliative Care Woche im Oktober bietet einen Letzte Hilfe Kurs an

Ein Letzte Hilfe Kurs am 16. Oktober in Olten wird Teil der Kantonalen Palliative Care Woche 2026 sein. Den Teilnehmenden soll mehr Sicherheit im Umgang mit dem Sterben und dem Tod vermittelt werden und sie erhalten konkrete Handlungshilfen in pflegerischen und seelsorgerischen Belangen. «Man darf sich aktiv einbringen, aber auch einfach da sein und zuhören», sagen die Kursleiterinnen Ruth Fischer und Trudy Wey.

Mit der erstmals stattfindenden Themenwoche diesen Herbst in Olten und Solothurn will der 2009 gegründete Verein palliative so die Bevölkerung im Kanton Solothurn auf vielfältige Art und Weise informieren, was mit dem «Sterben daheim» konkret gemeint ist. Am Nachmittag des 16. Oktober findet ein Letzte Hilfe Kurs statt. Es geht dabei um das Umsorgen schwer erkrankter und sterbender Menschen und um das Basiswissen, um diese begleiten zu können. Den Kurs leiten werden zwei zertifizierte Kursleiterinnen aus Olten: Religionspädagogin und Seelsorgerin Trudy Wey und Pflegefachfrau HF Ruth Fischer. Die eine mit Fokus auf dem seelsorgerischen Aspekt des Sterbens, die andere mit Fokus auf die pflegerischen Belange.

Frühzeitig über das Sterben reden
Der Kurs, der inklusive Pausen von 13 bis 19 Uhr dauern wird und kostenlos ist, ist in vier Themenschwerpunkte unterteilt. Zum Einstieg geht es um eine Annäherung an die Thematik und um die Erwartungen, welche die Teilnehmenden haben. Oder wie Trudy Wey sagt: «Es geht um den offenen Umfang mit dem Sterben und darum, Sterben als natürlichen Teil des Lebenszyklus zu erklären.» Im zweiten Teil ist der Name Programm: «Vorsorgen und Entscheiden». Wichtige Formulare wie Patientenverfügung oder Vorsorgeauftrag werden vorgestellt und erklärt, es geht um die medizinischen Entscheidungen am Lebensende und um das Kommunizieren von Wünschen. «Die Informationen der sterbenden Person sind sehr wichtig», weiss Ruth Fischer. Seien diese Infos bekannt, lasse sich auch der Wille der Sterbenden besser umsetzen. Die beiden Fachfrauen werden erläutern, wie wichtig es ist, im eigenen Umfeld rechtzeitig und unverkrampft über das Thema Sterben zu reden – eben dann, wenn man dies noch tun kann.

Rituale beim Abschied
Um das Lindern des Leidens geht es im dritten Kursteil. «Wir werden unter anderem auf gewisse Symptome eingehen, sie erklären und aufzeigen, wie man daheim mit solchen Beschwerden umgeht», erläutert Ruth Fischer. Wichtig diesbezüglich ist auch die optimale Vernetzung für die Betreuung daheim, sprich: Wo kriegt man als pflegende Person welche Unterstützung, wann ist eine Zusammenarbeit mit welchen Fachpersonen angezeigt.

Im letzten Teil geht die Kursleitung aufs «Abschied nehmen» ein. Das müsse in der Realität nicht zwingend der herausforderndste Teil sein, gerade auch bei Hochaltrigen, wo oft ein längerer Sterbeprozess voraus gehe, wie Trudy Wey sagt. Sie wird auf die verschiedenen Formen von Abschiedsritualen eingehen und die Kursteilnehmenden auch dafür sensibilisieren, dass sie die verstorbene Person durchaus auch noch einen Tag oder zwei daheim behalten dürfen. «Es ist beispielsweise ein sehr schönes Ritual, die Mama paratzumachen für ihren letzten Weg», sagt die Seelsorgerin.

Immer wichtiger wird es in unserem Land, bezüglich Ritualen auch auf andere Sprachen und Kulturen einzugehen.

Man darf sich einbringen oder einfach zuhören
Die beiden Fachfrauen möchten mit ihrem Letzte Hilfe Kurs im Rahmen der Palliative Care Woche den Besucherinnen und Besuchern helfen, den Sterbeprozess besser zu verstehen. Sie möchten ihnen eine Orientierung geben, worum es am Ende des Lebens geht. «Der Kurs soll eine praktische Alltagshilfe sein für Menschen, die Menschen auf dem letzten Lebensweg begleiten», sagt Trudy Wey. Er solle helfen, Ängste und Unsicherheiten abzulegen und mehr Sicherheit im Umgang mit Sterben und dem Tod zu gewinnen. «Und er soll auch ein Schritt hin zu einer umsorgenden Gesellschaft sein, die niemanden, der stirbt, alleine lässt», unterstreicht Ruth Fischer.

Die beiden sichern absolute Diskretion zu – was im Raum gesagt wird, bleibt im Raum. Und sie versichern, dass sie selbstredend ihr breites Wissen in seelsorgerisch-religiösen und pflegerischen Belangen weitergeben, die Kursteilnehmenden aber nicht mit Ratschlägen eindecken werden. Wer also ist prädestiniert dafür, ihren Kurs zu besuchen? Insbesondere Angehörige und Freunde schwerkranker Menschen, interessierte Laien und Freiwillige, die sterbende Menschen begleiten. «Vorwissen wird nicht benötigt», betonen beide. «Sondern einfach die Bereitschaft, sich auf die Thematik einzulassen.» Man dürfe sich einbringen, aber auch einfach da sein und zuhören.

Für den Letzte Hilfe Kurs am 16. Oktober im Christkatholischen Kirchgemeindesaal an der Kirchgasse 15 in Olten von 13 bis 19 Uhr ist eine Anmeldung notwendig. Die Platzzahl ist begrenzt, Berücksichtigung nach Eingang der Anmeldungen via info@palliative-so.ch oder Tel. 077 522 29 84.

Infos zur Kantonalen Palliative Care Woche 2026: www.palliative-so.ch


Ein seit 2015 bewährtes Konzept
Der Letzte Hilfe Kurs wurde von Dr. med. Georg Bollig, Palliativ- und Notfallmediziner in Deutschland und Österreich, entwickelt. Mittlerweile gibt es Letzte Hilfe Kurse weltweit, in mehr als 23 Ländern hat sich das Konzept seit 2015 bewährt. Mehr als 100 000 Menschen haben bis heute den Kurs besucht. Diese werden für Erwachsene, Kinder und Jugendliche abgehalten, in einfacher Sprache und auch für Fachpersonen.
Die Evangelisch-reformierte Landeskirche des Kantons Zürich ist seit 2017 Lizenznehmerin für die Letzte Hilfe Kurse in der Schweiz. Sie leitet das Projekt Letzte Hilfe Schweiz und ist auch Kooperationspartnerin im internationalen Netzwerk. Die Kurse werden laufend evaluiert und weiterentwickelt.

Text: ANZ & Bild: ZVG