Mit spitzer Feder

Louis Bischofberger

Sich auf etwas Bestimmtes zu beschränken und wirklich nur das im Fokus zu haben, wird zunehmend schwieriger. Reizüberflutung! Zu leicht lässt man sich ablenken. Die Konzentration aufs Wesentliche fehlt. Gleiches geschieht oft beim Kochen. 

Gerade lese ich Spannendes im Buch eines Gastrojournalisten, der seine kulinarischen Reiseeindrücke treffend beschreibt. Auf der ganzen Welt findet er hervorragend schmeckende Regionalgerichte. Weniger in schicken, angesagten Restaurants als in abgelegenen Kneipen oder gar privat, weit weg der Zivilisation. Ausser Frage, dass hier ursprünglich gekocht wird. Die Konzentration und Klarheit der Aromen begeistern ihn. Mit einfachen Zutaten, überliefertem Können und der notwendigen Zeit gelingen grandiose Geschmackserlebnisse. Die Auswahl der Gerichte beschränkt sich auf das, was sie selbst am liebsten zubereiten und geniessen.

Und bei uns? Die Auswahl an jederzeit erhältlichen Grundprodukten, Gewürzen, Spezereien aus aller Herren Länder ist riesig. Sie verleitet zum übertriebenen Einsatz von zu vielen Komponenten, was die gesuchte DNA eines Gerichtes zerstört. Ein bisschen von dem, ein wenig von das und noch drei Tropfen irgendetwas garantieren kein besseres Resultat. Es folgt die Enttäuschung, dass der grosse Aufwand nicht brachte, was man sich erhoffte. Wer aus Produkten mit maximalem Eigengeschmack, passender korrekter Zubereitung, «ohne Ablenkung und Umwege» mit Freude, Konzentration und Hingabe kocht, wird garantiert belohnt. Gleiches gilt für Politik, Beruf und im Privaten.

Louis Bischofberger meint: Weniger ist mehr! Zurück zu Monotasking.