Mit dem Projekt «Neuer Bahnhofplatz Olten (NBO)» kommt ein Grossvorhaben der Bauherrengemeinschaft SBB, Kanton Solothurn und Stadt Olten in die Entscheidungsphase. Im September wird sowohl das Stadt- als auch das Kantonsparlament über dieses wichtige Vorhaben zu befinden haben.
Die Gesamtkosten für NBO belaufen sich auf 157 Mio. Franken. Davon trägt die Stadt Olten einen Kostenanteil von brutto 45,2 Mio. Franken, wie sie via Mitteilung an die Medien verlauten lässt. Nach Abzug der voraussichtlichen Beiträge aus dem Agglomerationsprogramm des Bundes der fünften Generation verbleiben der Stadt Nettokosten von rund 28,1 Mio. Franken – oder knapp 18 Prozent der Gesamtkosten. Inklusive der zwischen 2009 und 2016 angefallenen Planungskosten von 1 Mio. Franken wird dem Gemeindeparlament im September ein Brutto-Verpflichtungskredit über total 46,2 Mio. Franken beantragt.
Der Bahnhof Olten ist einer der wichtigsten Bahnknoten der Schweiz und gilt historisch als Kilometer Null des Schweizer Eisenbahnnetzes. Bereits heute ist der Bahnhof stark ausgelastet. In den kommenden 15 Jahren wird mit einem deutlichen Anstieg des Passagieraufkommens gerechnet. Mit dem Projekt NBO wird der Bahnhof gezielt auf dieses Wachstum ausgerichtet. Es erhöht die Kapazitäten, verbessert die Umsteigebeziehungen und steigert die Aufenthaltsqualität im Bahnhofsgebiet. Die Modernisierung und der Ausbau der Verkehrsdrehscheibe leiste einen wichtigen Beitrag an Innenentwicklung und Attraktivität der Agglomeration Olten als Wirtschafts- und Wohnstandort, heisst es in der Mitteilung.
Auf Passagierwachstum ausrichten
NBO umfasst den Ausbau der aareseitigen Bahnzugänge auf der Passagen- und Stadtebene, die Neugestaltung des Bahnhofplatzes auf zwei Ebenen, den durchgängigen Ausbau des rechten Aareufers mit neuem Aaresteg, die Umgestaltung des Knotens Bahnhofplatz sowie den Bau unterirdischer Parkierungsanlagen für Auto-, Moto- und Radverkehr. Ziele sind ein gut abgestimmtes Zusammenspiel aller Verkehrsarten sowie einfachere, schnellere und sicherere Umsteigebeziehungen zwischen Fuss-, Velo-, Auto-, Bus- und Bahnverkehr.
Der Bahnhofplatz steht künftig in erster Linie den Fussgängerinnen und Fussgängern sowie nachgeordnet dem Radverkehr zur Verfügung. Es werden deutlich mehr Raum und mehr Durchgänge für das einfache, schnelle und sichere Umsteigen zwischen den Verkehrsträgern geschaffen. Sitzgelegenheiten und Begrünungen laden zum kurzen Verweilen ein. Ein heller Bodenbelag, die Vegetation mit Kleinbäumen und ein Wasserspiel reduzieren die sommerliche Hitze. Der langgezogene Platz wird mithilfe eines neuen «Stadtdachs» in sinnvolle Funktionsbereiche gegliedert.
Stationen für 1500 Velos und ein unterirdisches Parkhaus
Die Bushaltestellen werden neu konsequent auf beiden Strassenseiten entlang der Kantonsstrasse auf eigenen Busspuren angeordnet, was eine unabhängige Ampelsteuerung der Busspuren ermöglicht. Der Radverkehr wird auf durchgängigen Radspuren geführt.
Die Hardegg-Unterführung wird bis zum Ufer verlängert. Der Bahnhof wird damit stärker zur Aare adressiert. Zwischen den Unterführungen entsteht die neue «Passage West» mit zusätzlichen Gewerbeflächen und Servicefunktionen für den wachsenden Reiseverkehr. Uferseitig sind Gastroangebote geplant. Südlich der Martin-Disteli-Unterführung entsteht eine neue unterirdische Velostation mit rund eintausend Abstellplätzen und einer angegliederten Werkstatt. Ergänzend wird nördlich der Hardegg-Unterführung eine zweite Velostation mit rund 500 Abstellplätzen realisiert.
Das zweigeschossige, unterirdische Parkhaus ist ein zentraler Bestandteil des Projekts. Mit dem neuen Parkhaus werden die oberirdischen Parkplätze auf dem Bahnhofplatz ersetzt. Im Untergrund entstehen rund 100 Autopark- und 59 Zweiradabstellplätze sowie Flächen für den Güterumschlag.
Attraktive Aufenthaltsorte an der Aare
Kaum ein anderer Schweizer Bahnhof verfügt über eine derart attraktive Lage mit direktem Uferanstoss und einer Terrasse mit Sicht auf Altstadt und Jurakulisse. Die in den 1950er-Jahren gestaltete Bahnhofterrasse ist heute jedoch ein zu knapp bemessener Durchgangsraum mit geringer Aufenthaltsqualität. Künftig wird die Aareterrasse zur Flussseite hin erweitert und mit Sitzgelegenheiten zu einem angenehmen Aufenthaltsort mit ausreichend Platz für Fussgängerströme aufgewertet. Im Abschnitt Bahnhofbrücke wird der Uferweg auf Aareniveau bis zur Eggerallee, dem Fussweg entlang der Gösgerstrasse, weitergeführt. Zur Aare entstehen Sitzstufen, Terrassen und kleinere Gastroflächen. Für den Zugang zum Wasser werden Einstiege und eine Anlegestelle für Freizeitboote geschaffen.
Der neue Aaresteg überspannt die Aare ohne Mittelabstützung und schafft eine direkte, sichere Verbindung von der Innenstadt zum Bahnhof mit Anschluss an die Personenunterführung Martin-Disteli sowie an die südliche Velostation. Er wird von Fussgängern und Velofahrenden im Mischverkehr genutzt.
Wichtiger Schritt für weitere Projekte
Die erste Etappe der voraussichtlich von 2029 bis 2035 dauernden Realisierung von NBO startet am Aareufer. Die durch die Stadt mitfinanzierten Projektbestandteile seien nur als Gesamtprojekt in der vorliegenden Form realisierbar, schreibt die Stadt in ihrer Mitteilung. Im Falle eines ablehnenden Entscheides seitens Stadt oder Kanton würde das Gesamtprojekt für alle beteiligten Bauherren als verworfen gelten. Zusätzlich zu den Entscheidungsprozessen in den beiden Parlamenten im kommenden September laufen die Bewilligungsverfahren auf mehreren Ebenen an.
Alle Infos: neuer-bahnhofplatz-olten.ch