Landwirtin Annina Tschumi prägt den Oensinger Zibelimäret, der dieses Jahr vom 23. bis 25. Oktober stattfindet, seit einem halben Jahrhundert. Was 1976 mit tatkräftiger Hilfe am Stand der späteren Schwiegermutter begann, ist längst zu einer Familiengeschichte geworden. Auch 2026 stammen die Zwiebeln vom eigenen Hof – trotz eines schwierigen Anbaujahres.
Wenn Ende Oktober in Oensingen der Zibelimäret beginnt, liegt hinter Annina Tschumi bereits ein grosser Teil der Arbeit. Seit Ende August werden auf dem Tschumi Hof die Zwiebeln geputzt, seit Anfang September zu Zöpfen gebunden. Am Marktwochenende kommen Bauernbrot, Zopf und Linzertorte dazu. «In Oensingen würde es für mich ohne die Backwaren nicht gehen», meint Tschumi. Mindestens 100 bis 120 Brote und ebenso viele Zöpfe bäckt sie für die drei Markttage. Dafür steht sie jeweils frühmorgens oder schon in der Nacht am Backofen, damit Brot und Zöpfe an jedem Markttag frisch an den Stand kommen.
Seit 1976 immer am Zibelimäret dabei
Seit 50 Jahren gehört Annina Tschumi zum Zibelimäret. Noch bevor sie 1983 nach Oensingen zog, half sie ab 1976 regelmässig bei der Familie ihres späteren Mannes Gottfried Tschumi mit. Die Tschumis bauten damals vor allem Setzzwiebeln an. Das Zöpfeln hatte Annina Tschumi an der Landwirtschaftsschule Waldhof in Langenthal gelernt, wo sie auch selbst unterrichtete. «Meine Schwiegermutter hatte die Zwiebeln, aber sie konnte keine Zwiebelzöpfe machen. Ich habe ihr das gezeigt.» Sie begann mit Zöpfen und Kränzen und wurde bald zu einer tragenden Kraft am Stand.
Beginn nach 1000-Jahr-Feier
Die Geschichte des Zibelimärets selbst reicht nur wenige Jahre weiter zurück. 1968 feierte Oensingen sein 1000-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass wurde der bestehende Herbstmarkt neugestaltet und im Andenken an die alte Tradition des Oensinger Zwiebelanbaus der Zibelimäret mit Herbstchilbi neu begründet. Die Vereine wurden eingeladen, an Holzständen Zwiebeln offen oder als Zöpfe anzubieten. Daraus entwickelte sich eine feste Tradition im Dorf.
Zunächst führte Anninas Schwiegermutter den Stand unter ihrem Namen, auch wenn die Schwiegertochter längst einen grossen Teil der Organisation und Arbeit übernommen hatte. Nachdem Gottfried Tschumis Mutter in den 1990er-Jahren verstorben war, übernahm Annina Tschumi die Verantwortung für den Stand vollständig.
Monatelange Vorbereitung
Die Arbeit beginnt lange vor dem Markt. Im Februar werden die Zwiebeln ausgesät, im Juli geerntet. Danach müssen sie trocknen, geputzt und sortiert werden. Für die Zöpfe braucht es nicht nur schöne Knollen, sondern auch genügend stabiles Kraut. Genau das wurde 2026 zum Problem. Im Juni, während der entscheidenden Wachstumsphase, blieb der Regen lange aus. Auf einem Feld konnte bewässert werden, auf einem anderen nicht. Einen grossen Unterschied habe das am Ende nicht gemacht, erzählt Tschumi. Als die Trockenheit richtig spürbar wurde, sei die Entwicklung der Zwiebeln bereits zu weit fortgeschritten gewesen.
Die Bilanz: rund ein Drittel weniger Ertrag als in einem normalen Jahr. Was geerntet werden konnte, sei qualitativ zwar gut, aber ungewöhnlich trocken. Dadurch brechen die Stängel beim Binden leichter. Und die Zwiebeln haben es in sich. «Dieses Jahr sind sie enorm stark. Wenn ich eine schälen und schneiden muss, kommen mir sofort die Tränen», erzählt Tschumi lachend. Für den Markt reicht es dennoch. Neben den Zöpfen werden auch lose Zwiebeln angeboten – insbesondere jene, deren Kraut sich nicht mehr zum Binden eignet.
Der Anbau gehört zum Hof und damit zum Charakter des Standes. Sie legt Wert auf eine genaue Bezeichnung: Die heute von der Familie angebauten Sorten wachsen zwar in Oensingen, sind aber nicht einfach die historische «Oensinger Zwiebel». Für die Zöpfe verwendet sie flachere Sorten, die sich gut binden lassen.
Produkte aus eigener Landwirtschaft
Zum Angebot gehören neben Brot, Zopf und Linzertorte auch Trockenfleisch und weitere Produkte aus der eigenen Landwirtschaft, die inzwischen Sohn Samuel übernommen hat. Am Zibelimäret ist aus Annina Tschumis Engagement längst eine umfassende Familienangelegenheit geworden. Tochter und Söhne helfen, ebenso eine Schwiegertochter, ehemalige Praktikantinnen und zunehmend die Enkel. Gerade am Abend seien jüngere Kräfte willkommen, meint sie mit einem Lächeln.
Veränderungen mit den Jahren
Am Oensinger Zibelimäret hat sich in fünf Jahrzehnten vieles verändert. Besonders einschneidend war die Verlegung des Marktes weg von der Hauptstrasse. Für den Tschumi Hof hatte das verkaufsmässig keine negativen Folgen. Emotional sei die Umstellung zunächst schon spürbar gewesen, erinnert sich Tschumi. Praktisch brachte die neue Situation sogar Vorteile. Früher mussten die Marktstände an der Hauptstrasse jeden Abend vollständig abgebaut und am nächsten Morgen wieder aufgestellt werden – ein beträchtlicher Aufwand. Die Familie baute deshalb eine zerlegbare Holzhütte in der Grösse eines Doppelstandes. Sie kann während der drei Markttage stehen bleiben und erspart damit das tägliche Ab- und Aufbauen.
Neues Organisationskomitee
Heuer beginnt für den Zibelimäret auch organisatorisch ein neues Kapitel. Nach dem Rücktritt langjähriger OK-Mitglieder wurde das Organisationskomitee mit Beginn der neuen Legislatur frisch aufgestellt. Geführt wird es von den Co-Präsidenten Luca Baumberger und Raphael Geiser. Ihr Ziel sei nicht, den Anlass auf den Kopf zu stellen, sondern ihn «Schritt für Schritt weiterzuentwickeln, ohne dabei seine Wurzeln aus den Augen zu verlieren», erläutert Baumberger.
Beide verstehen das OK bewusst als Organisation im Hintergrund. «Das OK soll denjenigen Raum geben, die den Zibelimäret eigentlich ausmachen», hält Baumberger fest. Gemeint sind die Oensinger Vereine, das lokale Gewerbe und die Marktfahrenden. Geiser und Baumberger wollen damit den ursprünglichen Gedanken des Marktes stärker betonen: Die lokale Bevölkerung soll zusammenkommen, sich begegnen und gemeinsam Zeit verbringen – an einem Anlass, der von Vereinen, Gewerbe und Marktfahrenden getragen wird.
Zwiebel bleibt Herzstück des Marktes
Dabei soll auch die namensgebende Zwiebel ihren Platz behalten. «Die Zwiebel ist und bleibt das Herzstück des Zibelimärets», unterstreicht Baumberger. Der Markt habe sich über die Jahrzehnte erweitert, mit Gastronomie, Gewerbe, Unterhaltung und zusätzlichen Angeboten. Das sei kein Widerspruch zur Tradition. Entscheidend sei, dass die Zwiebel sichtbar bleibe und nicht nur noch im Namen vorkomme. Auch neue Formen der Kommunikation, eine moderne Website und das neue Maskottchen Oenzibeli sollen Tradition und Gegenwart miteinander verbinden.
Neu: Handwerksmarkt am Sonntag
Eine konkrete Neuerung in diesem Jahr ist der erstmals durchgeführte Handwerksmarkt am Sonntag. Damit erhalten regionales Kunsthandwerk, Direktvermarkter und kleinere Betriebe eine zusätzliche Plattform. Auch bei der Kommunikation habe das neue OK angesetzt, erklärt Baumberger. Informationen für Vereine, Marktfahrende und Besuchende sollen zentraler und übersichtlicher zugänglich sein. Neuerungen seien aber kein Selbstzweck. Sie müssten zum Zibelimäret passen und den Beteiligten wie auch dem Publikum einen erkennbaren Mehrwert bringen.
Oensevents sorgt für Eventbühne
Eine wichtige Rolle spielt dabei auch die Zusammenarbeit mit Oensevents. Der Oensinger Verein übernimmt die Organisation und Koordination der Live-Bands und weiterer Aktivitäten auf der Eventbühne. Diese ist inzwischen ein zentraler Treffpunkt des Zibelimärets und ergänzt Markt, Gastronomie und Gewerbe um einen kulturellen und musikalischen Schwerpunkt. Für das Co-Präsidium ist diese Aufgabenteilung beispielhaft: Das OK schafft und koordiniert den Rahmen, während Partner wie Oensevents ihren Bereich eigenständig gestalten und ihre Stärken einbringen.
Dass langjährige Teilnehmer wie der Tschumi Hof für den Anlass wichtig sind, ist Geiser und Baumberger bewusst. Sie stünden für Kontinuität und gäben dem Zibelimäret ein Stück seiner Geschichte. Gleichzeitig wolle man offen für neue Teilnehmende und frische Ideen bleiben. «Für uns ist die Mischung entscheidend», fasst Luca Baumberger zusammen.
Das sieht auch Annina Tschumi so. Die junge OK-Crew sei voller Tatendrang, stellt sie zufrieden fest. Man könne schliesslich nicht alles neu erfinden, «aber man merkt, dass sie Lust haben, etwas zu machen. Das finde ich toll.»
Vom Bündnerland nach Oensingen
Und dann wartet bereits wieder der eigene Stand. Dort hängen die Zwiebelzöpfe, daneben liegen Brote, Zöpfe und Linzertorten, und mehrere Generationen der Familie helfen mit. Annina Tschumi selbst ist nicht mit Zwiebeln aufgewachsen. Sie stammt aus Andeer in Graubünden und lernte die Oensinger Tradition erst im Unterland kennen. Nach 50 Jahren am Zibelimäret muss sie darüber selbst ein wenig schmunzeln: «Offenbar habe ich schon einen Bezug zu den Zwiebeln.»
Zibelimäret-Programm
An allen drei Tagen:
Marktstände, Chilbi mit Lunapark, Gewerbezelt, Vereins- und Gastronomieangebote sowie Live-Unterhaltung auf der Eventbühne.
Freitag
Markt und Chilbi ab 14 Uhr.
Gewerbezelt ab 15 Uhr.
Eventbühne:
18 Uhr: Kinderchor Oensingen
20 Uhr: Kubik
Samstag
Markt, Chilbi und Gewerbezelt ab 11 Uhr.
Eventbühne:
12 Uhr: Alphorngruppe Schlossruef
13.30 Uhr: Le Phipou
15 Uhr: Alessio Piazza
16.30 Uhr: Marc Rudin
18 Uhr: The Galway Hookers
20 Uhr: Schwiizer Mix
14 bis 16 Uhr: Lama-Begegnung mit AmaLama auf dem Marktgelände
Sonntag
10 Uhr: Marktgottesdienst beim Lunapark mit anschliessendem Apéro.
Markt, Chilbi und Gewerbezelt ab 11 Uhr
11 bis 18 Uhr: erstmals Handwerksmarkt entlang der Mühlefeldstrasse
Eventbühne:
11.30 Uhr: Dance Art Academy
14.30 Uhr: Hägageri-Gugge Hägendorf
16 Uhr: Querbeet Windband
Weitere Infomationen:
www.zibelimaeret-oensingen.ch