Mit spitzer Feder

Meinrad Kofmel

Gegen Ende des Telefonats sind wir uns einig: Das Problem lässt sich nur lösen, wenn alle Involvierten vor Ort sind und miteinander reden. «Am besten gleich am Montag», schlage ich vor. «Nein!», gluckst die Kaugummistimme aus dem Hörer. «Ich arbeite Teilzeit. Der Montag ist mein freier Tag.» «Entschuldigung. Dienstag?», versuche ich’s. «Das ist Grits, also Frau Eichers, Homeoffice-Tag. Da hütet sie den Hund ihres Bruders. Ein ganz Süsser … also der Hund. Ein Beagle. Gonzo heisst er.»

«Dann am Mittwoch», sage ich entschlossen. Meine Gesprächspartnerin wiegelt amüsiert ab: «Der Mittwoch ist doch Toms, also Herrn Buchers, Papi-Tag. Der ist ihm heilig.» «Donnerstag?», werfe ich schüchtern in den Ring. Viel Spielraum bleibt nicht mehr. «Keine Chance!», kontert sie. «Der Donnerstag ist Rolfs, also Herrn Tanners, Quality time. Die braucht er für sein inneres Gleichgewicht.»

«Dann bleibt nur noch der Freitag», stelle ich fest. «Nein, freitags macht Helen, also Frau Hasler, nie Termine. Dann meditiert sie zu Hause, trennt sich von unnötigem Ballast und geht zur Yogastunde.»

«Soll das heissen, es gibt keinen einzigen Tag, an dem Sie alle gemeinsam im Büro sind?» Ich bin entnervt. «Doch, natürlich», belehrt sie mich lachend, «beim Weihnachtsessen. Aber dann reden wir nicht übers Geschäft. Es kann sich schliesslich nicht immer alles nur um die Arbeit drehen.»

Ich lege auf und frage mich konsterniert, wie viele Problemlösungen auf dieser Welt tagtäglich der Work-Life-Balance zum Opfer fallen.

Der Autor verfasste diese Feder an seinem freien Freitagnachmittag.