Elektrobus BOGG
Oltens Stadtpräsident Thomas Marbet und VR-Präsidentin Kathrin Saner durchschneiden das Band, während BOGG-Geschäftsführer Roman Fischer den Namen des Busses enthüllt: «AareLand».

Mehr Platz und auch mehr Komfort

Ein blauer und ein weisser Gelenkbus standen vergangene Woche in der Oltner Kirchgasse im Mittelpunkt: Die Busbetrieb Olten Gösgen Gäu AG (BOGG) weihte ihre ersten elektrisch angetriebenen Gelenkbusse ein. Der blaue Bus wurde dabei auf den Namen «AareLand» getauft, als Zeichen der Verbundenheit mit der Region.

Nachdem Oltens Stadtpräsident Thomas Marbet und BOGG-Verwaltungsratspräsidentin Kathrin Saner gemeinsam das Band durchschnitten hatten, konnten die geladenen Gäste die Fahrzeuge auf einer Fahrt erleben, teilweise auf der neuen Linie 508 zwischen Olten und Oftringen. Mit der Einweihung geht die BOGG einen weiteren Schritt in Richtung Elektromobilität. Seit Ende 2022 sind in der Region bereits die ersten elektrisch betriebenen Busse unterwegs. Nun kommen erstmals die grösseren Gelenkbusse hinzu. Bis zum Fahrplanwechsel im Dezember sollen zehn davon im Einsatz stehen. Bis Mitte 2027 soll die Elektroflotte auf insgesamt 25 Busse anwachsen. Damit ist die Umstellung allerdings noch lange nicht abgeschlossen: Bis 2035 will die BOGG vollständig auf Diesel verzichten und insgesamt 55 Elektrobusse betreiben, darunter 43 Gelenkbusse und zwölf Normalbusse.

Veränderungen für das Fahrpersonal
Für die Fahrgäste bieten die neuen Gelenkbusse vor allem mehr Platz und können mehr Personen befördern als Normalbusse. Hinzu kommen Ausstattungsmerkmale für angenehmeres Reisen. BOGG-Geschäftsführer Roman Fischer verwies bei der Einweihung unter anderem auf Halterungen für Rollatoren und USB-Anschlüsse, an denen sich Mobiltelefone laden lassen. Auch der elektrische Antrieb macht sich bemerkbar: Die Busse sind insbesondere beim Anfahren leiser und verursachen im Betrieb vor Ort keine Abgase.

Elektrobus
Viele der Anwesenden liessen sich eine erste Fahrt nicht entgehen.

Auch für das Fahrpersonal bringen die neuen Busse Veränderungen mit sich. Sie sind mit verschiedenen Fahrassistenzsystemen ausgestattet, mit deren Bedienung sich die Fahrerinnen und Fahrer in Schulungen vertraut machen müssen. Die Lebensdauer eines Gelenkbusses bezifferte Fischer auf rund 14 Jahre, die Anschaffungskosten auf etwa 900’000 Franken. Hinzu kommen die Ausgaben für die Ladeinfrastruktur und die Schulungen.

«Operation am offenen Herzen»
Welchen Aufwand der Wandel hinter den Kulissen mit sich bringt, verdeutlichte Verwaltungsratspräsidentin Kathrin Saner mit einem Vergleich: Die Umstellung sei eine «Operation am offenen Herzen». Während neue Fahrzeuge eingeführt, Mitarbeitende geschult und technische Abläufe angepasst werden, muss der Busbetrieb täglich nach Fahrplan funktionieren. Für die Belegschaft sei das eine grosse Veränderung, von der die Fahrgäste kaum etwas mitbekämen.

Nicht alle hätten den Elektroantrieb von Anfang an gleich begeistert aufgenommen, erinnerte sich Roman Fischer. Gerade beim Fahrpersonal habe es zunächst kritische Stimmen gegeben. «Manche Busfahrer hatten damals eben noch Diesel im Blut», sagte er. Inzwischen sei der Umgang mit den Elektrofahrzeugen zur Normalität geworden. Die neuen Gelenkbusse bezeichnete der Geschäftsführer als «Meilenstein auf dem Weg zur Klimaneutralität».

36 Busse können im Depot gleichzeitig geladen werden
Damit immer mehr Elektrobusse verkehren können, braucht es eine leistungsfähige Ladeinfrastruktur. Im Hauptdepot in Wangen bei Olten stehen dafür neu 36 Ladepunkte mit einer Gesamtleistung von 3,6 Megawatt zur Verfügung. Bis zu 36 Busse lassen sich dort gleichzeitig laden. Eine Besonderheit ist das sogenannte Line-Drop-System: Statt auf dem Boden liegen die Ladekabel samt Steckern an der Decke und werden bei Bedarf heruntergezogen. So bleiben die Verkehrs- und Manövrierflächen frei, was beim Rangieren der langen Gelenkbusse wichtig ist. Zwei Transformatorenstationen stellen die Stromversorgung sicher.

Geplant und umgesetzt hat die Anlage die Basler Energieversorgerin IWB gemeinsam mit Partnerunternehmen. Die Arbeiten dauerten fünf Monate bei laufendem Depotbetrieb. Busse mussten wie gewohnt abgestellt, gereinigt und für den nächsten Einsatz vorbereitet werden. Um den Betrieb nicht zu beeinträchtigen, sei in zwei Schichten gearbeitet worden, erklärte IWB-Projektleiter Timo Schmid. Während der kommenden fünf Jahre übernimmt IWB zudem Betrieb und Unterhalt der Anlage, einschliesslich digitaler Überwachung und eines 24-Stunden-Pikettdienstes.

Schrittweiser Ausbau
Mit den neuen Gelenkbussen und der ausgebauten Ladeinfrastruktur ist die nächste Etappe der Elektrifizierung vorbereitet. Für Fahrgäste und Anwohnende soll sie vor allem weniger Lärm und ein angenehmeres Fahrgefühl bringen. Marcel Marrazzo, Leiter Technik und Vertrieb bei der BOGG, sieht darin einen Beitrag zur Lebensqualität in der Region.

Auch Stadtpräsident Thomas Marbet, dessen Stadt Hauptaktionärin der BOGG ist, sprach bei der Einweihung von einem «freudigen Ereignis». Was in der Kirchgasse mit der symbolischen Freigabe zweier Busse sichtbar wurde, soll in den kommenden Jahren zunehmend den Alltag auf den Linien der Region prägen. 

Text & Bilder: André Albrecht