Chloé Tribuzio von hueftgold / Anzeiger Thal Gäu Olten
Präsentiert Cupcakes und die hölzerne Siegestrophäe: Chloé Tribuzio, die preisgekrönte Inhaberin von «hüftgold»

«Cupcakes sind auch Seelenbalsam»

Chloé Tribuzio von «hüftgold» wurde nachträglich Co-Siegerin bei Best of Swiss Gastro

Eine kurze Nachfrage machte sie zur Gewinnerin: Weil Chloé Tribuzio, Inhaberin des Cupcake-Ladens «hüftgold» in Olten, wissen wollte, weshalb es ihr bei den Awards von «Best of Swiss Gastro» nicht zu einem Podestplatz gereicht hatte, wurde sie, als Opfer einer Datenpanne, in der Kategorie «On the move» nachträglich zur CoSiegerin gekürt.

«Kalorienreiche Nahrung» oder «Fettpolster im Hüftbereich» wird umgangssprachlich und auch scherzhaft als «Hüftgold» bezeichnet. In Olten bedeutet «hüftgold» noch etwas anderes: Ein kleiner, schmucker Laden in der Marktgasse, spezialisiert auf Cupcakes und Frozen Yogurt.

Dass Chloé Tribuzio hier seit September 2014 ihre süssen Kunstwerke herstellt und verkauft, hat viel mit Zufall und Glück zu tun, und mit einer dreimonatigen Australienreise. 2010 hatte die gelernte Dekorationsgestalterin, die auch in Cafés als Barista gearbeitet hatte, in Sydney erstmals einen Cupcake-Laden gesehen – und sich buchstäblich in die Kombination aus Rührteigkuchen und Crème-Häubchen im bunten Papierförmchen verliebt.

Mit einem Marktstand angefangen
Heimgekehrt von «Down Under», begann sie Rezepte auszuprobieren und träumte gleichzeitig vom eigenen Laden. Ein erster Schritt in diese Richtung erfolgte durch den mittels Crowdfunding finanzierten Kauf eines Marktstandes, an dem sie ihre in der Einzimmerwohnung hergestellten Cupcakes anbot.

Ihre Präsenz auf Facebook, wo sie Bilder ihrer Kreationen publizierte, sorgte dafür, dass die bisherige Inhaberin des Ladens in der Oltner Altstadt auf sie aufmerksam wurde. «Sie fragte mich an, ob ich dieses Lokal übernehmen möchte», erzählt Tribuzio, die unvermittelt auf Besichtigungstour ging. «Und es war genau das, was ich mir seit Jahren vorgestellt hatte.» Seit bald acht Jahren betreibt sie nun hier ihr Ein-Frau-Unternehmen. «Ich bin mir bewusst, dass ich so weniger Freizeit habe», sagt die 35-Jährige. «Aber es ist einfach eine Leidenschaft.» Und mit einem grossen Strahlen im Gesicht beschreibt sie ihren Antrieb: «Es ist einfach das Schönste, den Leuten eine Freude zu bereiten. Jedes Lächeln motiviert!»

Es ist eine mehrheitlich weibliche Kundschaft, vom Teenager bis zu Personen mittleren Alters, die sich den Luxus dieser Leckereien leistet. «Die Leute schätzen es sehr, dass alles handgemacht ist.» Als Geschäft der Kategorie «Bäckerei» durfte sie auch während des Lockdowns den Laden offen halten, was sich gelohnt hat. Die Leute seien Schlange gestanden, sie hätten sich in der Corona-Zeit etwas Gutes gönnen wollen. Oder anders ausgedrückt: «Cupcakes sind auch Seelenbalsam!»

Von Enttäuschung bis Freudentränen
Dass Chloé Tribuzio ihr Geschäft mit viel Herzblut betreibt und viel Wert auf Qualität legt, das war auch den Veranstaltern des Wettbewerbs «Best of Swiss Gastro» schon bald einmal aufgefallen. Ziemlich kurz nach der Eröffnung sei sie erstmals wegen einer Teilnahme kontaktiert worden, doch mehrfach habe sie abgesagt.

Nun, im letzten Jahr, packte sie die Neugier, und sie fühlte sich nun auch in der Lage, die Anforderungen zu erfüllen sowie mit einer Sonderanstrengung punkto Website und Social Media die erforderliche Publizität zu erreichen. «Das Sammeln von Bewertungen durch die Gäste von August bis November 2021 verlief sehr positiv, und ich erhielt viele gute Noten.»

Umso enttäuschter war sie, als sie bei der Award-Night im April 2022 in der Take-Away-Kategorie «On the Move» nicht auf die Bühne gerufen wurde. «Ich hatte so tolle Noten. Das Resultat hat mich beschäftigt, aber ich habe es akzeptiert.» Immerhin wollte sie dann doch wissen, was die Gründe für dieses Ergebnis gewesen waren, und so schrieb sie ein E-Mail an die Organisatoren.

Wiederum vergingen Wochen, bis sich Andreas Krumes, CEO des Veranstalters, meldete und einen Besuch ankündigte, weil er die Erklärung nicht telefonisch geben wollte. Der Rest lässt sich auf dem Video, das Chloé Tribuzio auf ihrer Facebook-Seite verlinkt hat, nachsehen und -lesen. Offenbar waren ihre Daten der Jury- und Publikumsvotings gelöscht worden, weshalb sie nicht in der Rangliste auftauchte. So stand Krumes schliesslich mit einer Trophäe und einer Magnumflasche in ihrem Geschäft und ehrte sie mit einigen Monaten Verspätung. «Es war wirklich schön, dass der Veranstalter zu seinem Fehler stand.» Selbst heute ist ihr die enorme Freude über diese Ehrung ins Gesicht geschrieben.

Lange Lieferfristen
Weniger erfreulich ist hingegen auch für sie das Thema Einkauf und Lieferfristen. «Es wird alles teurer, einiges ist nicht lieferbar oder dann gibts lange Lieferfristen.» Und dass man angesichts der angespannten Lage sich nun etwas weniger leistet, das hat auch sie in den letzten Monaten zu spüren bekommen.

All jene, die gerne zwischendurch einen Cupcake geniessen, die sollten in den kommenden Wochen die Gelegenheit dazu an der Oltner Marktgasse nutzen. Im Spätsommer dürfte es eine temporäre Pause geben. Denn das Hüftgold, das bei Chloé Tribuzio in der nächsten Zeit noch etwas zunehmen dürfte, stammt nicht von Cupcakes sondern von Nachwuchsfreuden.

www.hueftgold-cupcakes.ch

Text und Bild: NRU