75 Jahre FC Mümliswil / Anzeiger Thal Gäu Olten
Gleich drei engagierte Köpfe teilen sich beim FCM seit der GV 2023 das Präsidium (von links): Roger Fluri, Beat Ackermann und Martin Bürgi.

Von Abstiegen und vielen Highlights

Der FC Mümliswil blickt dieses Jahr auf eine 75-jährige Vereinsgeschichte zurück

Der FC Mümliswil begeht dieses Jahr sein 75-jähriges Bestehen. Gefeiert hat der Verein diesen stolzen Geburtstag vor Monaten schon, im August. Er tat dies stilgerecht auf dem Fussballplatz. Dabei hatten sich die FCM-Legenden viele famose Geschichten zu erzählen: Geschichten, die auf dem Fussballplatz spielten, ab und an aber sicherlich auch neben dem Feld.

Bis heute wird gemunkelt, die Idee zur Gründung eines Fussballclubs sei während eines Gesprächs von ein paar «Möchtegernfussballern» nach einem Sonntagsgottesdienst entstanden. An der Gründungsversammlung am 6. Mai 1949 im Restaurant Engel waren jedenfalls – absolut passend – elf junge Männer anwesend. Offen war nach besagtem Treffen «nur» noch, wer den Verein präsidieren sollte – und wo man trainieren und spielen würde. Nun, aus der Mitte der Gründer war Gustav Lisibach bereit, das Präsidium zu übernehmen. Mithilfe der Familie Nussbaumer wurde rasch ein Trainingsfeld in der «Sebletenweid» gefunden, ein eigener Fussballplatz stand jedoch nicht zur Verfügung. Dank der Grosszügigkeit des FC Klus durften die Mümliswiler ihre Heimspiele auf dessen Spielfeld im Mühlefeld austragen – kostenlos, sogar mit Platzeinzug für die eigene Vereinskasse. Eine sehr noble Geste, die man bis heute im Guldental nicht vergessen hat. Und so fand das erste «Heimspiel » des neugegründeten Fussballclubs am 25. September 1949 statt. Schon im Herbst 1950 wurden diese dann tatsächlich in Mümliswil ausgetragen, auf dem «Fellenmoos», hoch über dem Dorf gelegen. Der Platz konnte nur von Oktober bis März bespielt werden und war erst noch leicht «abschüssig». In Fussballerkreisen kursierte hierfür rasch der Übername «Alp» und es war bei Spielen in Mümliswil die Rede vom «Alpencup»…


Premiere auf dem «Brühl» Ende 1979
Ab Mitte der 50er-Jahre stabilisierte sich unter neuer Führung die Lage des noch jungen Vereins. In der 4. Liga kickten gleich zwei Mannschaften, der FC führte die Delegiertenversammlung des Kantonalen Fussball Verbandes durch, nahm erstmals am Kantonalen Juniorenturnier teil und organisierte 1959 das erste eigene Dorfturnier mit zwölf Mannschaften. 1963, unter Trainer Peter Saner, stieg das Fanionteam des FC Mümliswil erstmals in die 3. Liga auf. Den Fussballplatz «Fellenmoos» konnte der Verein 1966 käuflich erwerben, nachdem man bei einem Geldeinzug von Haus zu Haus viel Solidarität der Bevölkerung erfahren hatte. Sportlich gings auch in den 70er- Jahren flott weiter, mit zwei Siegen im Solothurner Cup und der Gründung einer Seniorenabteilung 1975. Für Furore sorgten die fünf Mengisen-Brüder, die mit Jahrgängen zwischen 1947 und 1958 zwar nie alle gleichzeitig für ein Team des FCM spielten, aber ausnahmslos dessen Juniorenabteilung durchliefen und als Aktive erfolgreich waren.

In diesem Jahrzehnt wurde auch das Projekt «Fussballplatz Brühl» realisiert. Nach jahrelangen Gesprächen und Vorarbeiten war im April 1977 der Spatenstich und fand am 8. Oktober 1979 das erste Meisterschaftsspiel auf dem «Brühl» statt, das notabene mit einem 10:2 gegen Derendingen endete. Damit war die Zeit der «Alpencup-Spiele» endgültig vorbei.

75 Jahre FC Mümliswil / Anzeiger Thal Gäu Olten
Die Helden des Aufstiegsspiels in Selzach im Juni 1983: Mit dem 3:2-Sieg sicherte sich der FC Mümliswil den erstmaligen Aufstieg in die höchste Regionalliga.


Gezielte Förderung vom Nachwuchs
Dutzende Vereinsmitglieder leisteten ein Jahr lang harte Arbeit und mehr als 2600 Fronstunden auf dem Bauplatz, bis im Juli 1984 das neue Clubhaus eingeweiht werden konnte. Während besagter Bauzeit stieg die erste Mannschaft des FCM unter Trainer Ernst Frei erstmals in die 2. Liga auf. Dort konnte man sich während sechs Saisons halten, bevor 1989 der Wiederabstieg erfolgte. 1993 stieg man unter Erich Hert wieder auf, um vier Jahre später erneut relegiert zu werden. Nachdem man zwischenzeitlich gar in die 4. Liga abgestiegen war, konnte 2003 die Promotion in die 3. Liga und 2013 nach einer enorm starken Saison gar der Aufstieg in die höchste regionale Spielklasse gefeiert werden. Bei dieser Rückkehr in die oberen Ligen des Amateurfussballs profitierte der FCM auch von vielen Jungen aus den eigenen Reihen. Um die Jahrtausendwende hatten die Vereinsverantwortlichen die Juniorenförderung gezielt intensiviert, und das trug Früchte. Die grosse Schar an Junioren und Juniorinnen führte zu einer noch breiteren Akzeptanz des FC Mümliswil im Guldental. Apropos Nachwuchsförderung: Mehr als zehn Jahre hatte die «Juniorengruppierung Bechburg» Bestand, gemeinsam mit den Gäuer Vereinen Kestenholz und Oensingen sowie mit Welschenrohr und Klus Balsthal. Seit der Saison 2008/09 arbeitet der FCM im Rahmen von «Thal United» bei den älteren Junioren mit dem FC Klus Balsthal und dem FC Welschenrohr zusammen.

Auch Mädchen und Frauen kickten zwei Jahrzehnte lang
Während zweier Jahrzehnte wurde auch der Frauenfussball in Mümliswil grossgeschrieben. Im September 2004 fand das erste Training mit interessierten Mädchen statt, danach trainierten sie regelmässig ein- bis zweimal pro Woche. Die Folge: immer mehr Fussballerinnen stiessen dazu. Bereits im Sommer 2005 spielte ein Team bei den B-Juniorinnen in der Meisterschaft mit. Nach zwei erfolgreichen Saisons bei den Juniorinnen meldete der FCM ein Frauenteam für die Meisterschaft an. Zweimal wurden die FCM-Frauen Solothurner Meister in der 3. Liga und versuchten sich, mit geringem Erfolg, sogar in der überregionalen 2. Liga. Hauptsächlich wegen der Familienplanung diverser Spielerinnen ging diese Zeit im Sommer 2022 zu Ende. Die Jüngeren spielen heute beim Gruppierungsteam des FC Klus Balsthal.

Der Weltmeister aus den eigenen Reihen
Wohl das sportliche Highlight der Vereinsgeschichte war die U17-Weltmeisterschaft im Oktober/November 2009 in Nigeria, welche das ganze Dorf mitfiebern liess: Das Mümliswiler Eigengewächs Janick Kamber war ein zentraler Bestandteil des Schweizer Teams, das am Ende sensationell den WM-Titel holte! Die Nati gewann alle sieben Spiele und im Finale auch gegen den Gastgeber und Titelverteidiger. Mümliswil feierte seinen Weltmeister mit einem eindrücklichen Einzug ins Dorf und einem Fest in der Aula Brühl, wo zuvor rund 400 Leute das Finale auf der Videoleinwand geschaut und die Aula in einen Hexenkessel verwandelt hatten.

75 Jahre FC Mümliswil / Anzeiger Thal Gäu Olten
Weltmeisterlicher Empfang in der Aula Brühl für den Mann aus den eigenen Reihen: Janick Kamber lässt sich nach seiner Rückkehr aus Nigeria feiern.


Apropos Festivitäten: In der ganzen Region beliebt ist das «Stüblifest» des Fussballclubs im Unterdorf. Dieser dreitägige Anlass entstand Anfang der 90er-Jahre, um Geld zu generieren. Heute ist das Fest unverrückbarer Bestandteil der Thaler Agenda.

Für die Zukunft ist der FCM gut aufgestellt
Dank grosszügiger Unterstützung der Einwohnergemeinde Mümliswil-Ramiswil wurde Anfang 2016 eine komplette Sanierung des Fussballplatzes Brühl beschlossen. Pünktlich auf die Rückrunde am 1. April 2017 konnte der neue Rasen bespielt werden. Das passt haargenau zur Philosophie des Vereins, der seine Mittel auch künftig in die Infrastruktur investieren wird, etwa für die Anschaffung einer neuen LED-Beleuchtung auf den beiden Fussballplätzen. Dafür sorgt seit der Generalversammlung 2023 erstmals ein Co- Präsidium – ein Dreier-Co-Präsidium, um präzise zu sein, mit Roger Fluri, Beat Ackermann und Martin Bürgi.

Ein Prinzip lautet auch: Ein Dorfverein bleiben und den Nachwuchs in bewährter Art und Weise gezielt fördern. Dies belegen die sieben Juniorenteams, die neben den vier Aktivmannschaften regelmässig die Fussballschuhe schnüren. Der FC Mümliswil zählt aktuell 285 Mitglieder, davon sind 61 aktiv. Es weist nichts darauf hin, dass der Club im Dorf dereinst weniger populär sein wird.

Quelle: Jahrbuch «Guldentaler Geschichten 2025»

www.fcmuemliswil.ch

Text: NIK & Bilder: Archiv FCM