Die Tage des traditionsreichen Restaurants Feldschlösschen in Wangen bei Olten sind gezählt. Am 18. Januar nächsten Jahres wird der bisherige Wirt, Walter Husi, die Türe zur Gaststube für immer schliessen. Was nachher mit den Gebäulichkeiten geschehen wird, ist noch offen.
Als vor sechs Jahren der gelernte Koch Walter Husi das Wangner «Feldschlösschen » in Pacht übernahm, wollte er sich zum Abschluss seiner beruflichen Tätigkeit noch einen Lebenstraum erfüllen. Zuvor in verschiedenen Gastbetrieben und Heimen als Koch im Angestelltenverhältnis tätig gewesen, wollte er vor seiner Pensionierung doch noch sein eigener Herr und Meister sein. Das sei ihm gelungen, sagte der Wangner Bürger, er habe den Schritt nie bereut. Die Offerte des Eigentümers, den Mietvertrag nochmals um drei Jahre zu verlängern, hat er nun aber abgelehnt.
Es seien sechs intensive Jahre gewesen, resümiert Walter Husi. Schwierigkeiten, die es zu überwinden galt, seien die Massnahmen im Zusammenhang mit Corona gewesen. Mit dem Schwerpunkt auf Take away habe er die viermonatige unliebsame Zeit überwinden können. «Nach der Zwangspause war es beruhigend und ermutigend zu sehen, wie sehr die Leute einen direkten Kontakt zu schätzen wissen », erinnert er sich. Vorerst will nun der letzte «Feldschlösschen»-Wirt eine Pause einschalten. Bei passenden Anfragen sei er nicht abgeneigt, temporäre Stellvertretungen zu übernehmen, sagt Husi.
Oben Entbindungsstätte, unten Beiz
Das Wangner Feldschlösschen blickt auf eine 130-jährige Geschichte zurück. In den Jahren 1895/96 vom einheimischen Handwerker Victor Husi für seinen Sohn Philipp erbaut, wird es die Beiz in dieser Form bald nicht mehr geben. Schade, werden sich viele Stammgäste sagen, aber auch etliche Vereine werden für ihre Fahnen und Pokale neue Standorte suchen müssen. Apropos Stammgäste: Nicht nur Einheimische, sondern auch auswärtige Besucher waren nach einer Wanderung im «Feldschlösschen» anzutreffen, wie etwa einst der bekannte Oltner Politiker Leo Schürmann.
Da der erste Wirt Philipp Husi verhältnismässig früh starb, führte seine Ehefrau Elise diesen weiter. Ab 1925 prägte die Dynastie Gmür das Geschehen. Paula Gmür führte das Restaurant und Martha Gmür als Hebamme richtete im Gebäude eine Entbindungsstätte ein. Dadurch entstand eine echte Win-Win-Situation. Der Vater wartete bei einer bevorstehenden Geburt unten, je nach dem, bei einer oder zwei Flaschen oder was auch immer, während oben die werdende Mutter auf die Entbindung wartete, bis endlich der Bescheid ins Restaurant kam, es sei alles gut verlaufen. Nicht wenige betonen immer wieder, im «Feldschlösschen» das Licht der Erde erblickt zu haben.
Ab Januar sind die Kochkünste von Walter Husi Geschichte. Bei bedeutend geringerer Einwohnerzahl konnte man in Wangen bei Olten einst zehn Gasthäuser zählen, künftig noch zwei oder drei, je nach Interpretation. Was mit einem Husi begann, endet ironischerweise auch wieder mit einem Husi.
