Alters- und Demenzzentrum St. Martin Olten / Anzeiger Thal Gäu Olten
«Nicht meine Normalität zählt, sondern deine!». Urs Hufschmid, seit rund acht Jahren Leiter des Alters- und Demenzzentrums St. Martin in Olten.

Der Mensch steht bei ihm im Zentrum

Urs Hufschmid macht das Alters- und Demenzzentrum St. Martin in Olten fit für morgen

Für 70 Bewohnende ist das Alters- und Demenzzentrum St. Martin in Olten ihr Daheim. Nachdem die etablierte Institution letztes Jahr ihr 50-jähriges Bestehen gefeiert hat, richtet Heimleiter Urs Hufschmid seinen Blick nach vorn. Während er mit dem Kanton im Clinch ist in Sachen Pflegefinanzierung und einen Musterprozess anstrebt, steht im Alltag der Mensch im Zentrum. «Ihnen zuhören, ihre Hand halten – mehr braucht es oft gar nicht», weiss er.

Menschen für Menschen. Oder auch: Nächstenliebe. Diese Maxime steht nach dem Willen von Urs Hufschmid auch 2026 für die ethischen Grundwerte des Alters- und Demenzzentrums St. Martin in Olten. «So liebevoll, wie wir mit den Blumen in unserem schönen Garten umgehen, so liebevoll schauen wir auch zu den Menschen, die bei uns wohnen», sagt der Heimleiter. Das ist mitnichten eine Floskel, wie ein Rundgang mit ihm durch das Haus zeigt. Der 62-Jährige lebt den Respekt vor dem Menschen vor, den er einfordert. Er grüsst hier und wünscht dort «e Guete!» und hat auch auf der nächsten Etage wieder für alle ein paar liebe Worte parat. Die warme, herzliche Atmosphäre im über 50-jährigen Haus ist allenthalben spürbar. Für Hufschmid ist klar: «Nicht meine Normalität zählt, sondern deine!» Dieses Credo stelle man in den Mittelpunkt.

Was im Oktober 1975 mit der Eröffnungsfeier begonnen hatte, wurde im August letzten Jahres, an der öffentlichen 50-Jahr-Feier, gewürdigt. Nach einem Festgottesdienst in der Heimkapelle fand im Pfarrgarten der von der Stadtmusik umrahmte Festakt statt. Stiftungsratspräsident Adolf C. Kellerhals blickte zurück auf seine Kindheit, in der sein Vater Adolf als Kirchgemeindepräsident die Initiative für den Bau der sozialen Einrichtung ergriffen und das Projekt – es hiess damals Altersheim und Kindergarten St. Martin – mit grossem Engagement, Überzeugungskraft und Organisationsgeschick umgesetzt hatte. Wo steht das St. Martin nach einem halben Jahrhundert? «Man kennt uns, wir sind etabliert», sagt Hufschmid. In der Demenzbetreuung hat die Institution mittlerweile ihre Kernkompetenz und führt zwei Abteilungen mit insgesamt 24 Plätzen spezifisch für Demenzkranke. Und auch wenn die Verbindung zur römisch-katholischen Kirche historisch und örtlich gegeben ist – das Pfarrhaus steht gleich angrenzend – betont der Heimleiter: «Bei uns sind alle Religionen und Ethnien willkommen, sowohl bei den Bewohnenden als auch unter den rund 130 Mitarbeitenden.»

Alters- und Demenzzentrum St. Martin Olten / Anzeiger Thal Gäu Olten
Das St. Martin von Westen her – es ist für 70 Bewohnerinnen und Bewohner das Zuhause. Bemerkenswert: Schon 1975 hatte jede Wohnung ihren eigenen kleinen Balkon.


Kantonale Praxis als Ärgernis
Das St. Martin wurde im Laufe der Zeit baulich erweitert und seine Strukturen angepasst, so dass diese auch für demenzkranke Menschen gut passen. 70 Bewohnerinnen und Bewohner leben im Haus, die ältesteste wird dieses Jahr 103 Jahre alt, der jüngste ist 58. Der Auslastungsgrad belief sich 2025 auf stolze 99 Prozent. Und doch: die Kosten drücken. «Die Pflegefinanzierung des Kantons reicht nicht, um sie zu decken, erklärt Hufschmid. Deshalb hat die Institution zwei Taxbeschwerden eingereicht, die aktuell beim Verwaltungsgericht hängig sind. Die Praxis, dass der Kanton die aktuellen Taxen aufgrund der Zahlen aus dem vorletzten Jahr festlege, sei ohne Teuerung noch verkraftbar gewesen, sagt Hufschmid. «Heute ist das nicht mehr opportun – und dagegen wehren wir uns!» Besagte Praxis habe bei fast allen Alters- und Pflegeheimen im Kanton Solothurn Defizite zur Folge, weshalb man mit den Beschwerden einen Musterprozess für den ganzen Kanton führe. Dessen Ziel laut Hufschmid: Die Heime sollen ihre Taxen gemäss ihrem Budget respektive ihrem Bedarf festlegen können.

Das St. Martin also an vorderster Protestfront und sein Heimleiter als Winkelried gegen den Staat? Der Hägendörfer, der viele Jahre in der Privatwirtschaft tätig war, lacht. «Wenn es sein muss: ja!» Es gehe ihm nicht darum, jemandem zu schaden, aber auch wenn seine Institution nicht gewinnorientiert ausgerichtet sei, so müsse ihr Schaffen «vernünftig finanziert » werden, um die Qualität aufrechterhalten zu können. Seine Vernetzung in der Branche ist exzellent, so präsidierte Hufschmid 14 Jahre lang die Gemeinschaft Solothurnischer Alters- und Pflegeheime, in der die rund 50 Heime im Kanton zusammengeschlossen sind. In den nächsten 15 Jahren benötige man ungefähr tausend Heimplätze mehr im ganzen Kanton. «Es dürfte schwierig werden, Investoren und Trägerschaften zu finden, wenn alle Heime nur noch defizitär arbeiten.»

Alters- und Demenzzentrum St. Martin Olten / Anzeiger Thal Gäu Olten
Hell und freundlich. Das Heim wurde über die Jahre immer wieder erneuert.


Der Chef hat immer offene Türen
Doch Kosten hin oder her: «Es geht bei uns letztlich immer um den Menschen.» Urs Hufschmid versteht sich auch als eine Art Seelsorger. «Ich habe stets offene Türen. Und ich nehme mir die Zeit, auf die Menschen zuzugehen», sagt er. Dass er selbst mit reichlich Lebenserfahrung ausgestattet sei, helfe ihm da sicherlich. Es gehe doch einfach darum, ein paar Minuten für die Leute da zu sein, ihre Hand zu halten, ihnen zuzuhören. «Damit kann ich ihnen Kraft geben und einen Mehrwert erzeugen.» Hilfreich für sein Schaffen als Heimleiter ist sicherlich auch, dass er, der im Militär Fourier war und sogar einen Pflegehelfer absolviert hat, sich als Generalist sieht und, eben: die Menschen gerne hat. «Sie kennen mich und ich kenne sie.»

Alters- und Demenzzentrum St. Martin Olten / Anzeiger Thal Gäu Olten
Stiftungsratspräsident Adolf C. Kellerhals (links) und sein Bruder Andreas Kellerhals in der Eingangshalle des Heims vor der Vergrösserung des Artikels zum Baubeginn 1973.


Stiftungsrat prüft diverse Projekte
Was hat sich aus Sicht des Heims verändert in einem halben Jahrhundert? Die Lebenserwartung sei höher und ebenso die Ansprüche der Menschen, erklärt Hufschmid. Wo früher gegolten habe: «Warm – satt – sauber!», und es zu essen gab, was im Teller war, sind heute Auswahlmenüs gefragt, zudem gilt es für das Küchenteam, Allergien und Spezialwünsche zu berücksichtigen. «Die Ansprüche steigen laufend», sagt Hufschmid. Gerne betont er, dass man im öffentlichen Restaurant im St.Martin sieben Tage die Woche zu Mittag essen kann und der Raum für Bankette oder Generalversammlungen auch abends zu mieten ist. Künftig, ist er überzeugt, sei mit Blick auf die steigenden Kosten eine noch engere Zusammenarbeit mit anderen Altersund Pflegeheimen angesagt. Und Betreuungsplätze für Menschen mit einer Demenzerkrankung werden noch wichtiger sein. So prüft der «weitsichtige und engagierte Stiftungsrat» in Zusammenarbeit mit Partnern verschiedene Projekte, etwa für «Wohnen mit Dienstleistungen» oder auch eine «Demenz-Wohngruppe».

www.st-martin-olten.ch

Text: NIK & Bilder: EMU/ZVG