Mit dem Konzert von Eva Saladin & Márton Borsányi startet am 19. April die sechste Saison von Musica Cordis. Insgesamt fünfmal werden in der Egerkinger Martinskirche international tätige Ensembles und Solisten zu Gast sein und hochstehende Musik aus vergangenen Jahrhunderten vortragen. Die Konzertreihe zählt mittlerweile auf ein kleines, feines Stammpublikum. Und die Warteliste mit Künstlerinnen und Künstlern, die gerne im Gäu spielen würden, ist lang.
Das Konzert mit Eva Saladin und Márton Borsányi zum Auftakt der Saison von Musica Cordis am Sonntag in zwei Wochen versucht, das edle Milieu in Paris im 18. Jahrhundert wiederzubeleben. Das Publikum soll für eine kurze Stunde einen Eindruck vom Musikleben in Paris, zum Beispiel von einem Konzert im Concert Spirituel, erhalten. Eva Saladin auf ihrer Barockvioline und Márton Borsányi (Cembalo) laden ein, kurzzeitig Gast zu sein bei der erlesensten Musikgesellschaft in Paris. Vortragen werden sie Werke von Jean-Baptiste Senaillé, François Francoeur, Jean-Philippe Rameau und Georg Philipp Telemann. Letzterer widmete mehrere seiner Sonaten und vor allem die berühmte Pariser Quartette dem lokalen Publikum und erntete mit seiner Musik im französischen Stil Anerkennung.
Eva Saladin lebt als freischaffende Musikerin in Basel, Márton Borsányi ist Teil des Trios, welches die Konzertreihe Musica Cordis in die nun bereits sechste Spielzeit führt.

Warteliste mit 75 Bewerbungen
Sie seien manchmal selbst erstaunt, was sie als dreiköpfiges OK so alles auf die Beine stellten, sagt Katharina von Arx. Die Egerkingerin ist fürs Administrative, Finanzen und Werbung zuständig, die beiden erstklassigen Musiker Márton Borsányi sowie Guilherme Barroso kümmern sich um die künstlerischen Inhalte. Eine Zusammenarbeit, die blind funktioniert – und die in einer unüblich innigen Betreuung der musikalischen Gäste gipfelt. «Uns ist es enorm wichtig, mit unseren Musikerinnen und Musikern auch ein persönliches Zusammensein zu haben, uns mit ihnen auszutauschen. Deshalb gehen wir auch immer mit ihnen essen», erzählt von Arx. Diese schätzten die ebenso verlässliche wie unkomplizierte Organisation und natürlich die hervorragende Akustik in der Egerkinger Martinskirche. Kein Wunder deshalb, besteht eine Warteliste mit nicht weniger als 75 Bewerbungen und hat das Trio bereits mit der konkreten Planung der Saison 2027 begonnen. Die Initiantin weiss: «Bei uns zu musizieren, bereitet den Künstlerinnen und Künstlern grosse Freude. Das spricht sich herum.»

Von der Tournee in Japan direkt nach … Egerkingen
Am 24. Mai geht die Konzertreihe mit mediterraner Musik und mit fellbespannten Streichinstrumenten weiter, «mal mit etwas ganz anderem», wie Katharina von Arx sagt. Das Ensemble Arcimboldo wurde 1991 von Thilo Hirsch gegründet. Der Name des Renaissancemalers Giuseppe Arcimboldo und dessen Schaffen stehen für die Grundidee des Ensembles: das Verschmelzen verschiedener Elemente zu einem neuen, überraschenden Ganzen. Als klangliche Botschafterin zwischen den Kulturen und musikalischen Stilen eignet sich die mittelalterliche Rabab, ein fellbespanntes Streichinstrument, dessen Klang oft als «orientalisch» beschrieben wird, vorzüglich.

Das letzte Konzert vor der Sommerpause, am 27. Juni, bestreiten die beiden Formationen Domus Artis und Il Madrigalone gemeinsam. Das international besetzte Ensemble Domus Artis, dem auch Mitorganisator Guilherme Barroso angehört, besteht aus Musikerinnen und Musikern, die durch ihre gemeinsame Leidenschaft für Renaissancemusik zusammenfanden. Historisch fundierte Zugänge zur Musik wie etwa die Verwendung von originalen Notationsformen sind charakteristisch für die Arbeit der Gruppe. Gemeinsam mit dem japanischen Vokal- und Instrumentalensemble Il Madrigalone, welches auf die Aufführung mehrstimmiger Vokalwerke aus dem 16. und 17. Jahrhundert sowie von Alter Musik auf historischen Instrumenten spezialisiert ist, wird im Rahmen von Musica Cordis das reiche musikalische Erbe des Bologna des 17. Jahrhunderts präsentiert. Dies geschieht anhand der Werke von Adriano Banchieri. Die beiden Formationen arbeiten erstmals zusammen und werden in Japan mit ihrem Projekt auf Tournee gehen. «Dann machen sie noch einen kleinen Abstecher zu uns, ins Gäu», verkündet Katharina von Arx mit einem Lächeln und nicht ohne Stolz.
Am 13. September und 25. Oktober finden die Konzerte Nummer vier und fünf der diesjährigen Reihe statt. Alle Infos dazu gibts auf der Veranstalter-Website.
Der fehlende Kick, um ein Instrument zu lernen
So hochstehend und wenig alltäglich die musikalischen Darbietungen auch heuer wieder sein werden, das organisierende Trio weiss: Die Martinskirche werden sie mit ihrem Angebot nicht vollkriegen. «Uns ist klar, dass wir uns in einer Nische bewegen», sagt Katharina von Arx. Immerhin würden die Besuchendenzahlen Jahr für Jahr ein wenig ansteigen und dürften sie auf ein kleines, aber treues Stammpublikum zählen. Der Besuch der maximal eineinhalbstündigen Konzerte ist kostenlos, um die Schwelle für Neugierige so niedrig wie möglich zu halten.
Und ja: Rückmeldungen wie diejenige einer Konzertbesucherin im Dezember letzten Jahres verzücken. Sie schrieb den Veranstaltern, der Besuch habe sie dermassen verzaubert, dass sie nun Geigenunterricht nehme – dies sei schon lange ihr Wunsch gewesen. Das Konzert habe ihr den fehlenden Kick gegeben. «Nachrichten wie diese gehen natürlich unter die Haut», sagt Katharina von Arx.
Saisonauftakt Musica Cordis am Sonntag, 19. April, um 17 Uhr in der Kirche St. Martin in Egerkingen: Konzert «Musikalische Freundschaften in Paris» mit Eva Saladin & Márton Borsányi. Eintritt frei, Kollekte.
Infos/Programm: www.musicacordis.ch
