Über Jahrzehnte diente der Saal im Wirtshaus St. Urs in Boningen ausschliesslich als Speiselokal, für Bankette und Versammlungen. Diesen Frühling kehrt nun wieder Theaterleben auf die reaktivierte Bühne. Im Stück «Durs und durstig», das ab 29. Mai zu sehen ist, werden die Anfänge dieses Wirtshauses beleuchtet.
«Zu Beginn ging es nur um die Wiedernutzung der Bühne», sagt Nicolas Russi, der die Produktion als Autor und Regisseur initiiert hat. «Wir durften bei Alain Lardon, dem heutigen Wirt in Boningen, an seinem früheren Wirkungsort in Brittnau von 2022 bis 2024 Theater spielen. Seitdem ist der Kontakt nicht abgebrochen, und so wir haben wir uns gemeinsam zu diesem Projekt entschlossen.» Dank der Bürgergemeinde, der Inhaberin der Liegenschaft, wird die Wand entfernt, bevor die Bühne für den Theaterbetrieb eingerichtet werden kann.
Zahlreiche historische Fakten
Weil Boningen in diesem Frühling das 800-Jahr-Jubiläum feiert, lag es auf der Hand, auch im Theater in die Vergangenheit zurückzublicken. So entstand die Idee, in die Anfangsjahre dieses Wirtshauses, das 1644 errichtet wurde, zu schauen. Russi recherchierte im Staatsarchiv Solothurn und stiess in den historischen Quellen auf zahlreiche Informationen zu Urs Kissling, dem Erbauer und ersten Wirt. Basierend auf den dokumentierten Fakten hat er daraus ein abendfüllendes Schauspiel geschaffen mit Durs Kislig, so die einstige mündliche Form des Namens, der Boninger Fährmann-Familie Lack und Johann Schwaller, dem Vogt zu Bechburg, im Mittelpunkt. Diverses wurde zugunsten der Dramaturgie hinzugefügt, aber erstaunlich Vieles konnte aus den Überlieferungen eins zu eins übernommen werden.
Neunköpfiges Ensemble und eine Drehleier
Ein neunköpfiges Ensemble, bestehend aus erfahrenen Spielerinnen und Spielern vornehmlich aus der Region Zofingen, ist seit Januar am Proben der 18 Szenen. Die im Stück vorkommenden Lieder werden von Jonathan Frey (Olten) beziehungsweise Daniel Som (Hombrechtikon) historisch korrekt mit der Drehleier begleitet, und auch die Szenenwechsel werden live mit passenden Musikstücken aus dem 17. Jahrhundert überbrückt.
So geschichtlich der Inhalt daherkommt und so alt auch der Theatersaal sein mag – die Inszenierung selbst ist nicht auf traditionelle Formen beschränkt. Eine umfassende Lichttechnik, ein modernes Bühnenbild und weitere Effekte machen aus «Durs und durstig» ein abwechslungsreiches Spektakel.
Ein Essen «wie zu alten Zeiten»
Im Eintrittspreis von 79 Franken ist zugleich ein Drei-Gang-Menü enthalten (inklusive Mineralwasser und Kaffee/Tee). Zwischen den drei Teilen der Theateraufführung werden Gerichte serviert, deren Zusammenstellung von Rezepten und Zutaten des 17. Jahrhunderts inspiriert ist – historisch angelehnt, zeitgemäss interpretiert. Nach einer Gerstensuppe gibt es einen Wirtshaus-Eintopf mit Rindfleisch und Wurzelgemüse, als Dessert werden hausgemachte Ofenschlupfer (mit Äpfeln, Rosinen und Brot) warm aufgetischt. Als vegetarische Alternative gibt es als Hauptgang ein Linsenragout. Wein- oder Bierliebhaber können zudem mit dem Ticket eine passende Getränkebegleitung buchen.
Die Spieldaten
«Durs und durstig» im St. Urs in Boningen:
Freitag, 29. Mai, 18.30 Uhr
Samstag, 30. Mai, 18.30 Uhr
Sonntag, 31. Mai, 17.00 Uhr
Mittwoch, 3. Juni, 18.30 Uhr
Freitag, 5. Juni, 18.30 Uhr
Samstag, 6. Juni, 18.30 Uhr
Sonntag, 7. Juni, 17.00 Uhr
Mittwoch, 10. Juni, 18.30 Uhr
Freitag, 12. Juni, 18.30 Uhr
Sonntag, 14. Juni, 17.00 Uhr
Den Link zum Vorverkauf findet man auf der Website www.durs-und-durstig.ch.
Tickets gibt es auch direkt im Wirtshaus St. Urs (Dienstag bis Samstag, 9–11, 14–17, ab 21 Uhr).
