Nach der Sanierung des Weissensteintunnels
Ein zusammengestecktes Kabel als Symbol (von links): Daniel Schafer, CEO BLS; Kurt Bobst, Verwaltungsrats-Präsident BLS; Daniela Tillessen, Patin Weissensteintunnel; Stefan Müller-Altermatt, Nationalrat und Präsident Verein Weissensteintunnel; Sandra Kolly, Regierungsrätin Kanton Solothurn; Christian Aebi, Vorsteher Amt für öffentlichen Verkehr und Verkehrskoordination Kanton Bern; Christa Hostettler, Direktorin Bundesamt für Verkehr und Michel Berchtold, Leiter SBB Region Mitte.

Bahn fährt wieder durch den Tunnel

Nach der Sanierung des Weissensteintunnels wird der Bahnbetrieb wieder aufgenommen

Die BLS hat die Sanierung des Weissensteintunnels und der Bahnstrecke Solothurn–Moutier abgeschlossen. Die erneuerte Strecke sei damit bereit für die nächsten 25 Jahre, hiess es am Eröffnungsfest vom Wochenende. An diesem Samstag nimmt die SBB den Bahnbetrieb offiziell wieder auf.

Ab 6. Juni ist es soweit: Die Bahn fährt wieder durch den Weissensteintunnel. Nach gut zweijähriger Bauzeit hat die BLS die Sanierung des Tunnels und der gesamten Bahnstrecke Solothurn–Moutier abgeschlossen. Die Strecke ist damit bereit für die nächsten 25 Jahre Bahnbetrieb. Die BLS hat rund 175 Millionen Franken in die Sanierung der Bahnstrecke investiert. Finanziert wurde das Bauprojekt über den Bahninfrastrukturfonds des Bundes.

Das Zelt am Eröffnungsevent in Oberdorf war proppenvoll, es herrschte allenthalben Volksfeststimmung. Auch das mediale Interesse an der Wiedereröffnung war gross.
Das Zelt am Eröffnungsevent in Oberdorf war proppenvoll, es herrschte allenthalben Volksfeststimmung. Auch das mediale Interesse an der Wiedereröffnung war gross.

Die Arbeiten im Weissensteintunnel waren technisch anspruchsvoll. Brüchiges Gestein und grosse Wassermengen erschwerten die Bauarbeiten und verlängerten die Bauzeit um rund ein halbes Jahr. Die BLS passte die Bauarbeiten laufend an die geologischen Gegebenheiten an. So konnten alle Arbeiten sicher und unfallfrei abgeschlossen werden.

Diesen Tag herbeigesehnt
Regierungsrätin und Baudirektorin Sandra Kolly, eine Herbetswilerin, erinnerte in ihrer Ansprache am Eröffnungsfest daran, dass die Strecke von Beginn an einen schweren Stand gehabt habe. 1908 eröffnet, sei deren Existenz aufgrund der geringen Auslastung in all den Jahrzehnten mehrfach «auf der Kippe» gestanden. Zuletzt im vergangenen Jahrzehnt, als die aufwendige und kostspielige Sanierung des Tunnels sich abgezeichnet habe. «Die Menschen insbesondere im hinteren Thal haben den heutigen Tag herbeigesehnt», sagte Kolly. Deshalb hoffe sie nun sehr, dass die Bevölkerung die Linie auch fleissig nutze, um zu zeigen, dass die Investition richtig gewesen sei.

Mittels Extrafahrten bot sich den Besucherinnen und Besuchern die Gelegenheit, erstmals durch den sanierten Tunnel zu fahren.
Mittels Extrafahrten bot sich den Besucherinnen und Besuchern die Gelegenheit, erstmals durch den sanierten Tunnel zu fahren.

Als Präsident des Vereins Weissensteintunnel, des heutigen «Vereins Linie 411», kämpfte der Thaler Nationalrat Stefan Müller-Altermatt seit 2015 an vorderster Front gegen die Schliessung des Tunnels. Dass nun die ersten Züge durch das Portal mit der Jahrzahl 2026 ans Eröffnungsfest rollten, erfülle ihn mit Freude und Stolz, verkündete er letzten Samstag. Dazwischen seien ein «Bunkerfest», verschiedene Standaktionen, Marketingaktivitäten, unzählige Komiteesitzungen und vor allem «ganz, ganz viele Gespräche» mit Bund, Kanton, ÖV-Unternehmen, Touristikern bis hin zur Finanzkontrolle gelegen, erinnerte er sich. «Umso mehr freue ich mich nun, auf der schönsten Bahnstrecke der Schweiz unterwegs zu sein», frohlockte Müller-Altermatt. Und erntete im vollen Festzelt frenetischen Applaus.

Indes: Die Arbeit von ihm und dem Verein sei mit der Eröffnung des Tunnels mitnichten vorbei, hebt er den Mahnfinger. «Das nächste Fahrplanverfahren kommt bestimmt, und dafür wollen wir gerüstet sein», sagt Stefan Müller-Altermatt auf Anfrage. Deshalb hat er Ende April die Tätigkeiten vom «Verein Linie 411» wieder aufgenommen.

Mehr Komfort dank Barrierefreiheit
Die Modernisierung der gesamten 22 Kilometer langen Bahnstrecke in einem einzigen Bauvorhaben ist für die BLS einzigartig. Die Sperre des einspurigen Weissensteintunnels machte es möglich, gleichzeitig die offene Strecke umfassend zu erneuern. Die sanierte Strecke bietet den Fahrgästen mehr Komfort und eine höhere Zuverlässigkeit. Neue Gleise und moderne Bahnanlagen erhöhen die Stabilität des Bahnbetriebs.
Sieben Bahnhöfe und Haltestellen entlang der Strecke entsprechen nun den Vorgaben des Behindertengleichstellungsgesetzes. Die verbleibenden Bahnhöfe Solothurn West, Lommiswil und Langendorf werden in den kommenden Jahren ebenfalls modernisiert. Anschliessend reisen die Fahrgäste auf der gesamten Strecke barrierefrei.

Stündliche Verbindungen ab Samstag
Am kommenden Samstag, 6. Juni, nimmt die SBB den regulären Betrieb auf der Strecke wieder auf. Gleichzeitig endet der Ersatzverkehr zwischen Moutier und Gänsbrunnen. Grundsätzlich verkehrt wie bis anhin ein stündlicher Zug zwischen Solothurn und Moutier. Zusätzlich verkehren werktags in den Hauptverkehrszeiten weitere Züge zwischen Solothurn und Gänsbrunnen. Sonntags gibt es zusätzliche Verbindungen zwischen Solothurn und Oberdorf.

Während der Bauzeit haben Reisende sowie die Anwohnerinnen und Anwohner Einschränkungen akzeptiert. Die BLS dankt allen Betroffenen für ihre Geduld und ihr Verständnis und den Gemeinden für die konstruktive Zusammenarbeit während der Sanierung der Strecke.

Text: ANZ & Bild: ZVG