Es war ein gemütlicher Abend im Restaurant, bis wir aus Unachtsamkeit auf die Politik zu sprechen kamen. Und als ich feststellte, dass wir thematisch falsch abgebogen waren, war es schon zu spät. Er hatte sich in Rage geredet, zündete eine Schimpf-Petarde nach der anderen und schleuderte sie zornig gen Bern. «Er hat zu viel getrunken», sagte sie entschuldigend zu uns, und: «Du hast zu viel getrunken!», vorwurfsvoll zu ihm.
Er schwadronierte, was er alles anders, sprich: besser, machen würde, wenn er das Sagen hätte. «Das hast du», warf ich ein, als er kurz nach Luft schnappte. «Geh abstimmen und wählen. Dann entscheidest du mit, wer uns im Parlament vertritt, und kannst dich dazu äussern, ob du mit einer Vorlage einverstanden bist oder nicht. Und wenn du willst, kannst du dich politisch engagieren und sogar für einen der Räte kandidieren.»
«Papperlapapp!», grätschte er dazwischen. «Was kann denn schon eine einzelne Stimme gegen den Lärm der ganzen Kakophonie ausrichten?» «Nun, es ist wie beim Chor: Nicht jeder ist ein Solist, aber der Gesang ist die Summe aller Stimmen. Deshalb zählt jede einzelne – auch deine.»
Er winkte ab. «Du bringst mich nicht dazu, die ganzen beamtendeutschen Stimmunterlagen zu wälzen. Und an die Urne kriegst du mich erst recht nicht.» «Warum?», wollte ich wissen. «Weil die da oben eh machen, was sie wollen!» Dann gingen wir nach Hause. Und wenngleich fast Nachbarn, nahmen die beiden den einen und wir den anderen Weg. Wie schön, wenn man die Wahl hat.
Der Autor freut sich, dass selbst sein chronisch indisponierter Bassbariton zählt.
