Jürg Hunziker (links), Projektleiter und Förster, erklärt das Gewinnerprojekt «Revitalisierung Auenwald Schlatt».
Jürg Hunziker (links), Projektleiter und Förster, erklärt das Gewinnerprojekt «Revitalisierung Auenwald Schlatt».

«Das Geld wird gut in dieses Projekt investiert»

Der Zweckverband Forstrevier Untergäu erhält einen Preis für die Wiederbelebung eines Auenwaldes

Der 10. Elisabeth und Oscar Beugger-Preis wurde letzte Woche beim Holzer­hüsli in Rickenbach feierlich dem Zweckverband Forstrevier Untergäu übergeben. Prämiert wurde das Projekt «Revitalisierung Auenwald Schlatt», mit dem zwischen Hägen­dorf und Rickenbach ein ehemals arten­reicher Feuchtwald wiederbelebt wurde. Damit sind neue Lebensräume für Feuersalamander, Glögglifrosch, Molche, Insekten, Vögel und weitere Arten geschaffen worden.

Bevor die offizielle Preisverleihung begann, machten sich die zahlreichen Anwesenden zuerst selbst ein Bild vom Gebiet. Vom Holzerhüsli aus führte die Exkursion in die Landschaftskammer Schlatt, ein vielfältiges Waldgebiet am Jurasüdfuss. Dort zeigte sich, weshalb dieses Projekt ausgezeichnet wurde: Auf engem Raum treffen feuchte und trockene Waldstandorte aufeinander. Hier vernässte Stellen, Quellaustritte und ein wieder aktivierter Bachlauf, dort lichte Föhrenwälder und trockene Standorte. Es ist ein Gebiet, das auf den ersten Blick unspektakulär wirken kann, bei näherem Hinsehen aber eine aussergewöhnliche ökologische Dichte aufweist.

Wiederherstellung vorhandener Potenziale war das Ziel
Erklärt wurde dies unterwegs von verschiedenen Fachleuten, vor allem aber von Jürg Hunziker, Projektleiter, Förster und Betriebsleiter des Zweckverbands Forstrevier Untergäu. Er führte durch das Gewinnerprojekt, erklärte die bereits umgesetzten Massnahmen und beantwortete Fragen. Zu sehen war unter anderem, wo ein alter Bachlauf wieder reaktiviert wurde, wo standortfremde Fichten entfernt wurden und wo eine Forststrasse sowie eine Brücke rückgebaut worden sind. Dadurch konnte Wasser wieder dorthin gelangen, wo es früher natürlicherweise hingehörte. «Nicht ein künstlicher neuer Lebensraum war das Ziel, sondern die Wiederherstellung vorhandener Potenziale», sagte Hunziker.

Dass gerade solche Lebensräume heute besonders beachtet werden, hat einen einfachen Grund: Naturnahe Wasserflächen und Bachläufe sind in Schweizer Wäldern selten geworden. In den vergangenen zweihundert Jahren wurden rund 95 Prozent der feuchten Waldflächen gerodet oder entwässert. Auch im Gebiet Schlatt hatten frühere Eingriffe den Feuchtwald stark beeinträchtigt. Den Anstoss zur Wiederbelebung gab schliesslich der Fund einer bedeutenden Population bedrohter Feuersalamander vor rund drei Jahren.

Ein «beispielhaftes» Projekt
Jörg Felix, Stiftungsratspräsident der Emanuel und Oscar Beugger-Stiftung, erinnerte bei der Preisverleihung daran, welche Haltung hinter der Stiftung steht. Elisabeth Beugger sei überzeugt gewesen: «Natur ist Leben.» Die Natur, Pflanzen und Tiere könnten sich nicht selbst wehren und seien deshalb auf Menschen angewiesen, die «spüren, was der Natur fehlt» oder danach forschten, woran sie kranke. Felix würdigte das Projekt «Revitalisierung Auenwald Schlatt» als beispielhaft, weil es feuchte und trockene Waldbereiche verbinde und damit wichtige Wanderkorridore sowie Lebensräume für bedrohte Tier- und Pflanzenarten schaffe.

Besonderes ökologisches Potenzial
Manuel Walde, Biodiversitätsverantwortlicher des Kantons Solothurn, hob das besondere ökologische Potenzial des Gebiets hervor. Im Schlatt träfen zwei aussergewöhnliche Lebensräume direkt aufeinander: Feuchtstandorte entlang des alten Rickenbach-Laufs und des Schlattgrabens sowie trockene Orchideen-Föhrenwälder im Bereich des heutigen lichten Waldes. Dass eine solche Vielfalt auf so engem Raum zusammentreffe, sei im Kanton Solothurn «wirklich etwas Besonderes». Walde würdigte zugleich die Rolle engagierter Förster vor Ort. Solche Ideen entstünden oft aus der Praxis heraus. Der damalige Betriebsleiter und Revierförster Köbi Römer habe das Potenzial erkannt, Jürg Hunziker habe das Projekt mit viel Engagement weitergeführt.

Ein Hotspot der Artenvielfalt
Auch Maurice Voyame, Vertreter des Zentralvorstandes von Pro Natura, stellte das Projekt in einen grösseren Zusammenhang. Feuchtwälder seien Hotspots der Artenvielfalt, speicherten CO2, stärkten dank Wasserrückhalt den Hochwasserschutz und machten Wälder widerstandsfähiger gegen Trockenheit. Das Gewinnerprojekt zeige, dass sich mit Bereitschaft zur Verbesserung, Einsatz und Durchhaltevermögen viel bewegen lasse. Zwischen Hägendorf und Rickenbach werde dem Wasser wieder mehr Raum gegeben – und damit auch den Arten, die darauf angewiesen sind.

Preisgeld fliesst ins Projekt
Das Preisgeld soll konkret in die nächste Etappe fliessen. Ab 2026 sollen zwei Holzdämme gebaut, ein zusätzlicher Perimeter vernässt und jährliche Pflegearbeiten an Quellhabitaten finanziert werden. Bis 2030 soll der letztes Jahr erstellte strukturreiche Auenwald schrittweise vergrössert und weiter aufgewertet werden. Bereits seit 2023 wurden im Gebiet Schlatt umfangreiche Massnahmen umgesetzt. In zwei Etappen entstand ein rund 5,5 Hektaren grosser lichter Wald, danach folgte südlich davon die Revitalisierung des Auenwalds.

Riesige Freude bei Jürg Hunziker
Der emotionalste Moment der Preisverleihung gehörte am Ende Jürg Hunziker. Der Projektleiter, Förster und Betriebsleiter des Zweckverbands Forstrevier Untergäu zeigte sich sichtlich gerührt. Er freue sich riesig über den Preis, sagte er im Namen der Forstkommission, der Trägerschaften, der Vertreter der Bürgergemeinden von Hägendorf und Rickenbach sowie persönlich als Förster. Das Geld werde in das Projekt investiert, damit der Auenwald noch mehr Wert erhalte und sich Flora und Fauna weiterentwickeln könnten.
Hunziker machte aber auch deutlich, dass ein solches Projekt nicht von einer einzelnen Person getragen wird. «Es braucht viele Helfer, Ideen und Geduld.» Er dankte unter anderem Jörg Felix, Maurice Voyame, Kreisförstern, kantonalen Fachleuten, Unternehmern und allen, die das Projekt unterstützt hatten. Namentlich erwähnte er auch Manuel Walde, der ihn zur Eingabe ermuntert und dabei unterstützt habe. Ohne diese Hilfe, sagte Hunziker, wäre man wohl gar nicht erst «in die Sendung» gekommen.

Ein Dankeschön an verstorbenen Bürgergemeindepräsidenten
Besonders bewegend wurde seine Rede, als er auf den im Februar verstorbenen Hägendörfer Bürgergemeindepräsidenten Ruedi Studer zu sprechen kam. «Das Auenwaldprojekt war für ihn eine Herzensangelegenheit», erzählte Hunziker. Seit er vor zwei Jahren im Forstrevier zu arbeiten begonnen habe, habe Studer immer wieder nachgefragt: Wie geht es weiter? Wie sieht es aus? Studer habe sich sehr gefreut, als er gehört habe, dass das Projekt den Preis erhalte. Nun könne er leider nicht mehr dabei sein. Deshalb wolle der Zweckverband ihm ausdrücklich für seinen unermüdlichen Einsatz danken, den er über Jahre für den Forstbetrieb geleistet habe.

So wurde die Preisverleihung in Rickenbach nicht nur zur Würdigung eines Naturschutzprojekts, sondern auch zu einem Moment der Anerkennung für jene Menschen, die solche Projekte über Jahre möglich machen. Am Ende stand bei Jürg Hunziker keine grosse Theorie, sondern ein einfacher Vorsatz: «Wir werden das Geld gut in dieses Projekt investieren.»

Stiftung und Preis
Die Emanuel und Oscar Beugger-Stiftung mit Sitz in Basel wurde 2004 von Elisabeth Beugger gegründet. Ihr Name erinnert an ihren verstorbenen Ehemann Oscar Beugger und an dessen Vater Emanuel Beugger. Die gemeinnützige Stiftung fördert Projekte und Institutionen im schweizerischen Natur- und Tierschutz. Der mit 50 000 Franken dotierte Elisabeth und Oscar Beugger-Preis wird seit 2008 alle zwei Jahre durch Pro Natura im Auftrag der Stiftung verliehen. Ausgezeichnet werden beispielhafte Projekte in den Bereichen Artenschutz und Artenförderung, Schutzgebiete sowie Landschaftsschutz. Für 2026 stand das Thema «Feuchte Wälder» im Zentrum.

Text & Bild: André Albrecht