Nächsten Montag gibt Walter Straumann nach zwölfjähriger Amtszeit das Präsidium von Kanton Solothurn Tourismus ab. Die Einbindung aller Regionen unter das Verbandsdach bezeichnet er als wichtigsten Erfolg, die Rettung und Sanierung des Weissensteintunnels als sein ganz persönliches Highlight. Er ist überzeugt: «Das touristische Verständnis in unserem Kanton nimmt stetig zu.»
«Die Regierung sieht die Tourismuswerbung nicht als Kernaufgabe an.» Diese Aussage aus dem Jahr 2003 stammt aus dem Mund von Walter Straumann, damals amtierender Regierungsrat. Beim sogenannten «Tafelstreit» war von Touristikerseite kritisiert worden, dass entlang der Autobahnen auf solothurnischem Gebiet keine Tafeln für unseren Kanton warben. Würde er diesen Satz heute, 23 Jahre später und nach zwölf Jahren als Präsident von Kanton Solothurn Tourismus, immer noch so formulieren? «Ja», sagt Straumann ohne Umschweife. «Tourismus ist noch immer keine staatliche Aufgabe. Genau deshalb gibt es unseren Dachverband als organisatorische Klammer.»
Am kommenden Montag wird Walter Straumann sein Amt an Anita Panzer weitergeben. Und auf eine reichbefrachtete zwölfjährige Amtszeit zurückblicken dürfen. Als Föderalist und als politischer Mensch habe es ihn seinerzeit gereizt, die verschiedenen Regionen im Kanton besser zu vernetzen und zu pflegen und diesen insgesamt, als touristische Destination, zu stärken – «das war für mich eine Art Fortsetzung des politischen Amtes», erklärt er. Einer wie er, heimatberechtigt im Schwarzbuben- und im Niederamt, in der Kantonshauptstadt jahrelang sowohl politisch als auch beruflich, als Oberrichter, aktiv und seit Jahrzehnten in Stadt und Region Olten verwurzelt, darf für sich in Anspruch nehmen, den Kanton und die Vorzüge der Regionen zu kennen. «Ich weiss auch, dass das Verhältnis der Regionen untereinander und zum Kanton stets aufs Neue gepflegt und justiert werden muss.»
Alle Regionen unter einem Dach
Seine Hinterlassenschaft ist höchst solide, Walter Straumann übergibt sein Amt «guten Gewissens», wie er sagt. Als «wichtigste Errungenschaft» seiner Amtszeit nennt er die organisatorische Einbindung sämtlicher Regionen in den Dachverband. Bis 2021 führten Grenchen, der Bucheggberg, aber auch das Wasseramt und Egerkingen ihre eigene Agenda. Durch deren Integration sei der Verband deutlich schlagkräftiger geworden, sowohl intern als auch in der Aussenwirkung, stellt der 82-Jährige fest. «Unsere touristischen Regionen treten heute als Einheit auf, mit entsprechend grösserem Potenzial. Aber sie bleiben für die Vermarktung ihrer Spezialitäten eigenverantwortlich.» Mit der Verlegung der Geschäftsstelle von Solothurn nach Olten wurde die Organisation breiter abgestützt, die Kommunikation im Verband verstärkt. Im Vorstand von Kanton Solothurn Tourismus wurde während seiner Amtszeit das Ressortsystem eingeführt.
Vor drei Jahren waren es 20 Projekteingaben, heuer bereits 32
Wo sieht er die Stärken der einzelnen Tourismusregionen in unserem Kanton, in dem der Tagestourismus seit jeher überwiegt? Solothurn und Olten sind aus Straumanns Sicht als regionale Zentren die treibenden Destinationen und Hochburgen des Kongresstourismus. Grenchen sei daran, sich als Technologiestandort auch touristisch zu profilieren. Und die ländlichen Regionen werden als Natur- und Naherholungslandschaften neu auch mit Marketingmassnahmen unterstützt. «Letztes Jahr wurde in Zusammenarbeit mit Schweiz Tourismus zu einer Wanderung von Egerkingen in den Naturpark Thal ein Kurzfilm produziert, der auf der Website des Verbandes tausendfach angeklickt wurde», erwähnt er stolz. Kurz: Die Regionen ergänzen sich gegenseitig und zunehmend mehr.
Allein schon der Umstand, dass sich mehr Projekte denn je für den diesjährigen Tourismuspreis beworben haben, der im Januar erstmals in vier verschiedenen Kategorien vergeben wurde, ist aus Straumanns Sicht Beleg dafür, dass das touristische Verständnis grösser ist als bei seinem Amtsantritt. Noch vor drei Jahren beispielsweise seien 20 Projekteingaben für den Preis gemacht worden, heuer aber deren 32.
Egerkingen und Grenchen werden an Bedeutung gewinnen
Der Tourismus entwickelt sich im Kanton Solothurn seit Jahren stabil, mit einem Wertschöpfungsanteil von ungefähr zwei Prozent. «Wir sind wirtschaftlich kein riesiger Faktor und doch ein wichtiges Element», sagt Straumann. So nehmen laut ihm die Gästefrequenzen tendenziell zu und haben ein Niveau von etwa 6,5 Mio. Personen pro Jahr erreicht. Mehr als 3000 Menschen sind im Kanton Solothurn im oder für den Tourismus tätig. Fakt ist aber auch: Mit 50 Franken am Tag geben Touristinnen und Touristen in unserem Kanton vergleichsweise wenig Geld aus – mitunter auch deshalb, weil da und dort schlicht die Möglichkeit fehlt, überhaupt etwas auszugeben.
An dieser Zahl dürfte sich auch in der neuen Wertschöpfungsstudie, die an der Generalversammlung des Verbandes am nächsten Montag präsentiert wird, kaum etwas verändern, wie der Präsident durchblicken lässt. Die Studie wird laut Straumann aufzeigen, auf welche Weise neue Angebote entwickelt werden können. Und dass Regionen wie Egerkingen und Grenchen an Bedeutung gewinnen werden.
Zwei persönliche Highlights
Zwei Begebenheiten möchte Walter Straumann als seine persönlichen Highlights in diesen zwölf Jahren herausstreichen. Da ist einerseits die Verleihung des Tourismuspreises 2023 an das Attisholz-Areal bei Luterbach für dessen Leistungen im Event- und Freizeittourismus. Er sei noch als Regierungsrat und Baudirektor beim Kauf des Areals massgeblich beteiligt gewesen, sagt er. Umso mehr habe ihm die Auszeichnung für dieses Projekt Freude bereitet. «Wahnsinnig gefreut» hat ihn auch, dass er an vorderster Front des Rettungskomitees und dank seiner guten Beziehungen zum Bundesamt für Verkehr massgeblich zur Sanierung des Weissensteintunnels beitragen durfte. Auch diesbezüglich hat sich für ihn mit der Wiedereröffnung der Strecke vor zwei Wochen der Kreis noch während seiner präsidialen Zeit als höchster Touristiker im Kanton Solothurn geschlossen.
