Als kleines Mädchen stand Katja Oliveira vor einer Bühne und schaute ihrer älteren Schwester beim Ballettunterricht zu. Selbst mitmachen durfte sie noch nicht, sie war zu jung. Also tanzte sie trotzdem: zwischen den Reihen, dort, wo die Eltern sassen. «Ich wollte so gerne auch dabei sein», erinnert sie sich. Der Traum, Tänzerin zu werden, erfüllte sich damals nicht. Die Liebe zum Tanzen aber blieb.
Nun eröffnet sie bald mit ihrem Mann Rafael Luca Oliveira in Trimbach die Pasito Tanzschule. Am Sonntag, 5. Juli, findet der Eröffnungsevent mit kostenlosen Workshops statt. Pasito soll mehr sein als ein Ort, an dem man Salsa, Bachata oder Kizomba lernt. Katja und Rafael Oliveira möchten eine lebendige Community aufbauen, einen Treffpunkt für Menschen, die Musik, Bewegung und Begegnung suchen. «Wir möchten nicht nur Schritte unterrichten, sondern auch ein Gefühl vermitteln», sagt Katja Oliveira. Etwas von der Offenheit und Freude lateinamerikanischer Tanzkultur möchten sie nach Trimbach bringen.
Schritt für Schritt
Der Name passt dazu. «Pasito» heisst kleiner Schritt, ein Schrittli. Zuerst dachte Katja Oliveira an «Paso a Paso», Schritt für Schritt. Rafael kürzte die Idee ab. Plötzlich stimmte es. Auch im Salsa spricht man von Pasitos, von Grundschritten. Der Name ist kurz, warm und trägt bereits etwas von jener Leichtigkeit in sich, welche in der Schule spürbar werden soll.
Paartanzlehrerin mit einem eidgenössischen Fachausweis
Katja Oliveira stammt ursprünglich aus Russland und lebt seit 18 Jahren in der Schweiz. Beruflich arbeitet sie als Global Program Manager in der Pharma-Medikamentenentwicklung. Daneben hat sie in diesem Jahr ihre Ausbildung als Paartanzlehrerin mit eidgenössischem Fachausweis abgeschlossen. Diese habe ihr tänzerisch und methodisch viel gebracht, aber auch Wissen zu Unterrichtsaufbau, Organisation sowie wirtschaftlichen und rechtlichen Fragen. Jetzt fühlt sie sich bereit für den nächsten Schritt.
Der Weg zur Salsa führte über Umwege. Nach der Ballettsehnsucht der Kindheit kam der Tanz während des Studiums wieder in ihr Leben. In Deutschland probierte Katja Oliveira zuerst Salsa Lady Style aus, also Solo-Bewegung zu Salsa-Musik. «Die Musik hat mich gepackt.» Wenige Monate später folgte Salsa als Paartanz. Seither ist sie diesem Tanz treu geblieben. Aus Hobby wurde Leidenschaft, aus Leidenschaft ein Lebenstraum.
Bühnenerfahrung als Vorteil
Rafael Luca Oliveira kommt aus dem Baselbiet. Er ist Schauspieler, Komiker und Kaufmann und bis heute auf der Bühne zu Hause – so im Sommertheater Winterthur, im Bernhard Theater und im Theater am Hechtplatz. Bei Pasito übernimmt er Buchhaltung, Administration und Organisation, unterrichtet aber auch selber. Seine Bühnen- und Comedy-Erfahrung sieht er als Vorteil: «Für mich ist ein Teil des Unterrichts auch Humor.» Die Leute sollten gerne kommen, gemeinsam lachen und eine gute Zeit verbringen. Tanzen soll nicht verkrampft sein.
Falsche Choreo führte zum Tanz
Zum Tanzen fand Rafael Oliveira auf eine Weise, die zu ihm passt. Während der Schauspielschule musste er in einem Stück Tango tanzen. Ein Kollege hatte die Choreografie einstudiert, doch irgendetwas fühlte sich falsch an. Rafael ging zu seiner Mutter und bat sie um Rat. Sie schaute sich die Schritte an und fragte trocken: «Bist du die Frau?» Da stellte sich heraus: Die Rollen waren vertauscht. Den Männern waren die Frauenschritte beigebracht worden, den Frauen die Männerschritte. Aus der Verwirrung wurde ein neuer Anlauf. Er suchte einen Tanzkurs, begann mit Discofox, später kamen Cha-Cha-Cha, Bachata, Jive, Walzer und Salsa dazu. Als er zum ersten Mal einen Raum mit Salsa-Musik betrat, wusste er: «Hier bin ich zu Hause.»
Katja und Rafael Oliveira verkehrten lange in ähnlichen Tanzkreisen, verpassten sich aber immer knapp. Kennengelernt haben sie sich schliesslich im Internet. Danach wurde natürlich zusammen getanzt. Heute sind sie verheiratet und Eltern zweier Kinder im Alter von 17 und 4 Jahren. Auch die Familie ist beim Aufbau präsent: Der Kleine hat in der entstehenden Schule seinen Spielplatz gefunden, die Grosse hilft gerne mit.
Lange Suche
Der Raum an der Winznauerstrasse ist nicht zufällig gewählt und doch war auch Zufall im Spiel. Zwei Jahre lang suchten Katja und Rafael Oliveira nach geeigneten Räumen. Mehrmals waren sie nahe dran, doch immer gab es Stolpersteine. Im vergangenen Dezember fragte sie bei der Tanzschule an, die zuvor dort eingemietet war. So erfuhr sie, dass der Raum sogar frei wurde. Nun entsteht dort ein warmer, farbiger Ort, mit Sofa und Treffpunkt zum Ankommen, Reden, Tanzen. «Man soll hereinkommen und das Gefühl haben: Ich komme nach Hause zu meinen Freunden», sagt Katja Oliveira.
Der Dritte im Bunde
Zum Team gehört auch Rolf Bucheli. Er ist bei Pasito der Spezialist für Kizomba, bildet sich seit vielen Jahren weiter und reist dafür regelmässig nach Angola. Katja Oliveira kennt ihn schon längere Zeit aus der Tanzszene. Als die Idee zur Schule konkret wurde, sagte er sofort zu – noch bevor klar war, wo Pasito zu Hause sein würde.
Das Angebot umfasst Salsa, Bachata, Kizomba, Lady Style, Rueda de Casino und Latin-Mix. Die regulären Kurse starten am 10. August. Dazu kommen Schnupperkurse, ein Sommercamp vom 6. bis 10. Juli sowie ab 29. Juli jeden Mittwoch «Latin & Chill», eine Übungs- und Social-Night mit Workshop und freiem Tanzen. Speziell ist der Monatspass «Pasito Camino»: Teilnehmende können Kurse wiederholen und mehrfach pro Woche trainieren.
Den ersten Schritt wagen
Pasito liegt in Trimbach, versteht sich aber als Schule für die Region Olten. Katja und Rafael Oliveira möchten sich mit Vereinen, Anlässen und Menschen vernetzen, die gerne tanzen oder es endlich versuchen möchten. «Kommt. Macht den ersten Schritt», sagt Katja Oliveira zu jenen, die glauben, sie könnten nicht tanzen. Ihr Wunsch ist klar: «Ich möchte nach einem Jahr wirklich eine Pasito-Community bilden. Einen Ort, an dem Menschen von anderen umgeben sind, die die gleiche Leidenschaft haben und Musik und Tanz gemeinsam geniessen können.»
