Die Asiatische Hornisse ist im Gäu, Thal und Raum Olten angekommen – und Peter Baumgartner aus Kestenholz versucht, ihre Ausbreitung wenigstens zu bremsen. Das invasive Insekt jagt Bienen, Wildbienen, Wespen, Fliegen, Falter und andere Insekten. Damit setzt es Honigbienenvölker unter Druck und bedroht Bestäuber, Biodiversität und letztlich auch Teile der Nahrungskette.
Für Menschen wird die Asiatische Hornisse vor allem in Nestnähe gefährlich. Etwa dann, wenn ein Nest beim Heckenschneiden oder bei anderen Gartenarbeiten unabsichtlich gestört wird. Primärnester können unter Dachuntersichten, bei Rollladenkästen, an Hauseingängen oder in immergrünen Hecken und Sträuchern hängen.
Peter Baumgartner aus Kestenholz beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit diesem Insekt. Er ist leidenschaftlicher Imker, Betriebsberater rund um die Bienenhaltung und engagiert sich in der Arbeitsgruppe Asiatische Hornisse des Solothurner Imkerverbands. Wer ihn bei seinen Bienenvölkern erlebt, merkt schnell: Für ihn ist Imkerei weit mehr als ein Hobby. Sie ist Leidenschaft, Familiengeschichte und Naturbeobachtung zugleich. Schon sein Grossvater hielt Bienen, später auch eine Tante und ein Onkel. Heute lebt die nächste Generation diese Leidenschaft weiter: Auch Baumgartners Sohn imkert.
«Wir sind im Kanton Solothurn im vierten Jahr der Verbreitung der Asiatischen Hornisse», gibt Peter Baumgartner zu bedenken. Die Tiere kommen vor allem aus Richtung Basel und Jura in den Kanton. Zunächst sei der Jura noch eine kleine Barriere gewesen, «die haben sie aber in den letzten zwei Jahren überwunden». Nun beginne die Entwicklungskurve zu steigen. Besonders betroffen seien derzeit Thierstein und Dorneck, aber auch Leberberg, Olten, Niederamt und Thal. Im Gäu seien 2025 die ersten Nester festgestellt worden, im Thal, in Olten und im Niederamt bereits 2024.
Für Peter Baumgartner ist aus diesem Grund klar: Die Asiatische Hornisse ist kein Problem, das irgendwo weit weg stattfindet. Sie ist in der Region angekommen.
Beobachten und Hinschauen
Für die Bevölkerung ist im Moment vor allem eines wichtig: hinschauen. Im Frühling und Frühsommer bauen die überwinterten Königinnen ihre Primärnester. Diese kleinen Anfangsnester entstehen oft in Menschennähe: unter Dachuntersichten, bei Rollladenkästen, an Hauseingängen oder in Gärten, etwa in immergrünen Pflanzen wie Thuja-, Lorbeer- oder Buchenhecken. Werden solche Primärnester früh entdeckt und fachgerecht entfernt, sei dies mit wenig Aufwand die beste Bekämpfungswirkung, weiss Baumgartner.
Frühe Meldungen sind sehr wichtig
Denn aus einem Primärnest entsteht später das grosse Sekundärnest. Dort werden im Spätsommer und Herbst die Jungköniginnen für das nächste Jahr aufgezogen. Nach der Begattung können sie sich über ein grosses Gebiet verbreiten. Darum setzen Fachleute so stark auf frühe Meldungen.
Erkennen kann man die Asiatische Hornisse laut Baumgartner vor allem an zwei Merkmalen: schwarzer Thorax und gelbe Beine. Verwechslungen gibt es trotzdem häufig. Gemeldet würden Hummeln, einheimische Hornissen und verschiedene Wespenarten. Das sei nicht schlimm. Wichtig sei, verdächtige Insekten oder Nester zu fotografieren und über die nationale Meldeplattform zu melden. «Ein Foto machen und melden», fasst Baumgartner die wichtigste Regel zusammen.
Nicht selbst aktiv werden
Auf keinen Fall solle man Nester selbst entfernen oder auf eigene Faust Insekten töten. In Nestnähe verteidigen Asiatische Hornissen ihr Volk sehr vehement. Gefährlich werde es besonders für Allergikerinnen und Allergiker oder wenn man einem Nest unabsichtlich zu nahe komme. Besondere Vorsicht sei bei Kindern und Allergikern nötig.
Nach einer bestätigten Meldung wird im Kanton Solothurn eine Koordinationsstelle informiert. Diese beurteilt, ob es sich um ein entsprechendes Insekt oder ein Nest handelt. Danach werden die betroffenen Gemeinden informiert. Jede Gemeinde sollte aus Baumgartners Sicht über eine Fachperson verfügen, die ein Nest sucht, beurteilt und allenfalls durch einen Schädlingsbekämpfer vernichten lässt. Hier sieht Baumgartner eine Schwachstelle. «Gerade in Gemeinden fehlen diese Fachpersonen mehrheitlich», sagt er. Bis heute habe man die Bekämpfung kostengünstig der Imkerschaft überlassen.
Grosser Aufwand
Wie aufwendig die Arbeit ist, zeigt die Nestsuche. Baumgartner und andere Scouts arbeiten mit Lockstoff, meist Süssmost, um Asiatische Hornissen an Bienenständen anzulocken. Dann werden Flugrichtung und Abwesenheitszeit erfasst, auf einer Karte eingezeichnet und das Gebiet mit Feldstechern abgesucht. Pro Nest könne das 50 bis 100 Stunden dauern. Es brauche sehr viel Geduld, Erfahrung und Ortskenntnis, erklärt er.
Trotz aller Arbeit bleibt Baumgartner realistisch. Auf die Frage, was besser werden müsste, um die Ausbreitung zu verlangsamen, antwortet er nüchtern: «Das ist nach meiner Erkenntnis kaum möglich.» Egal, wie viele Nester und Jungköniginnen bisher entfernt worden seien, die Ausbreitung sei mit grosser Geschwindigkeit weitergegangen. Seine Folgerung: «Wir müssen sie kennenlernen und mit ihr leben.»
Schweizer Falle
Gerade deshalb misst Baumgartner einem Hilfsmittel grosse Bedeutung zu: der Good4Bees-Falle. Die Selektivfalle stammt von einem Bieler Start-up und wurde an der Pariser Erfindermesse Concours Lépine mit Silber ausgezeichnet. Baumgartner zeigt sich begeistert. Für Imker sei sie «ein grossartiges Werkzeug», um Jungköniginnen der Asiatischen Hornisse im Frühjahr auf den Bienenständen abzufangen. Anfang April erwachen diese Jungköniginnen und suchen einen Platz für ein Primärnest, oft in der Nähe von Bienenständen. Deshalb hängen geschulte Imkerinnen und Imker die Fallen von Anfang April bis Mitte Mai auf. Werden die Königinnen abgefangen, bauen sie kein Primärnest mehr. «Das ist die wirksamste Bekämpfung der Asiatischen Hornissen», klärt Baumgartner auf.
Ab Herbst zweiter Einsatz
Danach werden die Fallen wieder entfernt. Ab Mitte Oktober kommen sie erneut zum Einsatz, wenn junge Königinnen und Arbeiterinnen an den Bienenständen auftauchen. Sie fangen Honigbienen als Proteinquelle und suchen zugleich Kohlenhydrate – auch Honig. In dieser Zeit steigt der Druck auf die Völker besonders stark.
Wichtig ist die Abgrenzung: Das ist kein Aufruf an die Bevölkerung, Fallen aufzustellen. Von ungeeigneten Fallen raten Fachleute ab, weil sie viele andere Insekten töten können. Baumgartner spricht ausdrücklich von geschulten Imkern, klaren Zeitfenstern, selektiven Fallen und regelmässiger Kontrolle. Die Good4Bees-Falle hat laut Baumgartner ein Eingangsloch von acht Millimetern. Für die heimische Hornisse sei das zu klein, kleinere Insekten könnten die Falle wieder verlassen. Als Lockstoff dient Süssmost mit einem Schuss Apfelessig. Der Lockstoff ist über einen Docht erreichbar; Insekten ertrinken darin nicht.

Für Baumgartner ist diese Falle ein praktisches Werkzeug im Umgang mit einer neuen Realität. Das Suchen von Sekundärnestern sei enorm zeitaufwendig und kostspielig, sagt er. Die Kosten tragen letztlich die Gemeinden und damit die Steuerzahlenden. Jede Jungkönigin, die im Frühjahr kein Nest gründet, erspart später möglicherweise eine aufwendige Suche und Entfernung.
Insekten und die Biodiversität leiden
Die Imkerei wird sich anpassen müssen. Beflug durch Asiatische Hornissen, Schutz der Völker, Erkennen der Art und eine angepasste Betriebsweise seien entscheidend, sagt Baumgartner. Imkerinnen und Imker, die den Beflug nicht wahrnehmen, müssten schnell mit grossen Völkerverlusten rechnen. Gleichzeitig gehe es nicht nur um Honigbienen. Wildbienen, andere Insekten und die Biodiversität stehen ebenfalls unter Druck. Baumgartner sagt, es stimme ihn traurig, wie stark Honigbienen und andere Insekten durch invasive Arten belastet würden.
Schöne Momente
Warum macht er trotzdem weiter? Peter Baumgartner nennt drei Gründe: Schutz der Menschen, Schutz der Biodiversität und Schulung der Imkerschaft. Bei Suchaktionen gebe es zudem schöne Begegnungen mit Menschen, die mithelfen oder die Suchenden sogar verpflegen. Und nach vielen Stunden Suche sei auch das Finden eines Sekundärnestes jedes Mal «ein sehr schöner Moment des Erfolges». Klar ist für ihn aber auch: Die Asiatische Hornisse wird bleiben – und die Region muss lernen, mit ihr umzugehen.
Meldungen bei Sichtungen: www.asiatischehornisse.ch
